Hockenheim

Heimatfilmabend Eberhard Reuß greift für Vorführung im Pumpwerk ins Archiv seiner ehemaligen Filmgruppe / Gaußianer-Team wandelte ab Ende der 1970er Jahre auf den Spuren seiner Vorbilder

Da findet selbst eine Mumie ihr kleinbürgerliches Glück

Das Stadtjubiläum bietet Gelegenheit, in die Vergangenheit zu blicken – auch, um Perlen der eigenen Geschichte wiederzuentdecken. Der Heimatfilmabend im Pumpwerk am Freitag, 8. Februar, um 20 Uhr bietet gleich doppelte Gelegenheit dazu.

Perle Nummer eins ist die „Filmgruppe Reuß“, die die Super-8-Amateurfilm-Szene Hockenheims in den 70er und 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts prägte. Eberhard Reuß, aus SWR-Radio- und Fernsehproduktionen bekannt, zeigt an diesem Abend Werke aus seiner Filmemacherjugend, die er zusammen mit Hartmut Müller, Thomas Müller, Jörg Rösch, Andreas Roth und Wolfgang Schränkler seinerzeit gedreht hat.

Perle Nummer zwei ist die vielleicht sogar ganz persönliche Geschichte des einen oder anderen Zuschauers, lassen die Aufnahmen doch auch einen besonders seltenen Blick auf die Vergangenheit der Rennstadt zu. Eberhard Reuß, der die filmischen Werke an diesem Abend präsentieren und erläutern wird, arbeitet heute als Reporter und Autor für das SWR4-Kurpfalzradio und für das SWR-Fernsehstudio in Mannheim.

Dauerfavorit für Publikumspreis

Mit seinen Schulfreunden vom Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium drehte er aber schon als Jugendlicher und junger Erwachsener leidenschaftlich gerne Filme auf Super-8. Mit ihren Aufnahmen war die Gruppe auch regelmäßig Teil des Super-8-Filmwettbewerbs in Hockenheim, an dem viele Clubs aus der Umgebung teilnahmen. „Wir haben meistens den Publikumspreis abgeräumt”, verrät Reuß im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Jury war meist anderen Werken zugeneigt.

„Wir sind mit ,Monty Python’s Flying Circus‘ aufgewachsen”, erzählt Reuß, „unser Humor war von Otto geprägt.” Das habe den Aufnahme natürlicherweise immer einen schrägen Touch gegeben. „Wir wollten immer möglichst professionell sein – so ganz klappte das aber eben nicht immer”, sagt Reuß rückblickend.

Genau das macht aber ja oft den Charme von Frühwerken aus. Und mangelnde Kreativität kann man den Jungfilmern definitiv nicht ankreiden. Da ist zum Beispiel der Film „Der Fluch des Pharaos”: In einem Museum wird eine Ausstellung über das alte Ägypten gezeigt. Ein Exponat ist eine Jahrtausende alte Mumie eines Pharaos. Der Geist des Pharaos wird erweckt, und die Mumie entsteigt ihrem Sarkophag.

Schräger Humor prägt Handlung

Statt nun aber in einen abgeschmackten Horror-Schocker zu verfallen, geht der Hockenheimer Super-8-Klassiker andere Wege und lässt die humoristische Prägung der Gruppe durchscheinen – ein bisschen schräg eben. „In unserem Film findet die Mumie schließlich in Hockenheim ihr kleinbürgerliches Glück”, verrät Eberhard Reuß. Mumien fühlen sich in der Kurpfalz eben wohl.

Auch nach dem Abitur fand die Gruppe immer wieder zusammen, wie Reuß berichtet: „Wir haben eigentlich jeden Sommer einen Film gedreht.” Darunter sogar einer über einen waschechten Superhelden: „Ein Fall für Froschmann”. Warum ein Frosch? „Wir hatten damals kein Geld für ein Supermann-Kostüm”, erzählt Reuß, „wollten aber einen Superheldenfilm drehen.” Den Helden verkörperte Hartmut Müller, damals leidenschaftlicher Windsurfer, und so wurde sein Neoprenanzug schnurstracks zum Superheldenoutfit umfunktioniert.

Diese und andere Anekdoten will Eberhard Reuß bei der Vorführung zum Besten geben, um den Abend aufzulockern. Doch auch wer nicht so gerne Superheldenfilme oder humoristische Streifen über Mumien mag, dürfte beim Heimatfilmabend auf seine Kosten kommen: „Viele der Locations in unseren Filmen wird man heute auch noch gut wiedererkennen”, sagt Reuß, „auch, wenn sie sich mittlerweile gewaltig verändert haben – immerhin sind mittlerweile gut 40 Jahre ins Land gezogen.”

Vor allem bei der Nummernrevue „Hockenheim, wie es keiner kennt” dürfte das der Fall sein – eine Momentaufnahme aus dem Jahre 1980. Damals wurde sogar eine „Miss Hockenheim” gewählt, erinnert sich Reuß. Gesellschaftskritisch beschäftigte sich die Gruppe in „Keine Startbahn West” mit der damals neuen ICE-Trasse. Ein Thema, das gerade heute nichts von seiner Aktualität verloren zu haben scheint.

Weltrekordversuch auf Ring

Apropos Aktualität: Durch seine Arbeit bei Rundfunk und Fernsehen hat Eberhard Reuß auch Zugang zu Archivschätzen des Süddeutschen und des Südwest-Rundfunks. Auch in diesen Fundus will er Einblicke gewähren. „Die frühesten Fernsehaufnahmen im Archiv stammen aus den Sechzigerjahren”, berichtet er, „vom Ring sind auch noch ältere dabei.” Um welche Erinnerungsstücke es sich genau handelt, soll eine Überraschung bleiben, Reuß verrät jedoch, dass es beispielsweise 1971 einen Weltrekordversuch auf dem Hockenheimring gab, bei dem Opel mit einem Elektroauto neue Maßstäbe setzen wollte.

Ob Filmfan, historisch Interessierter, Nostalgiker oder einfach neugieriger Hockenheimer: Der Heimatfilmabend mit Eberhard Reuß dürfte für jeden Geschmack etwas zu bieten haben.

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