Hockenheim

Zehntscheunenplatz Kurpfälzer-Abend bringt Oktoberfeststimmung in die Rennstadt

Da wackeln die Zeltwände

Als kurz nach sechs die Nachwuchskünstler der Musikschulband „Echtzeit“ die Bühne im Festzelt auf dem Platz vor der Zehntscheune betraten, ging es noch gemächlich zu. Nicht alle Bänke waren besetzt und als die sieben Jugendlichen mit „Stand up and dance with me“ und „I got this feeling“ von Justin Timberlake den musikalischen Teil des Abends noch etwas zögerlich eröffneten, ließ sich nicht erraten, dass die etwas verschlafen wirkende Atmosphäre sich bald ändern würde.

Dass der „Kurpfälzer Abend“ des Hockenheimer Marketing Vereins (HMV) eher ein „Oktoberfestabend“ war, war schon beim Eintreten genauso ersichtlich, wie beim Blick auf die Speisekarte. Bayerische Fahnen, so weit das Auge reichte, und deftige Köstlichkeiten wie Backschinken, Weißwürste und Schweinshaxe mit Sauerkraut lockten, genau wie Weizenbier oder Kaffee und Kuchen, von der Jugendabteilung des Carneval Clubs Blau Weiss angeboten.

Band gibt im zweiten Set Gas

Vielleicht lag es daran, dass sich das Publikum gegen 19 Uhr genug gestärkt hatte, oder daran, dass das Zelt sich nun fast komplett gefüllt hatte, aber als sich Maxi Wirth an der Gitarre, Liv Oppermann, Vocals, Pascal Göpel, ebenfalls Vocals, Katharina „Katha“ Holz, Vocals, Kimon Dardoufos an den Drums, Matthew Fischer an der Gitarre und Benedict Fischer am Bass nach einer Pause wieder auf die Bühne begaben, war nach dem Hit „Cake by the Ocean“ nichts mehr wie vorher.

Die Energie im Raum schienen alle Bandmitglieder zu spüren, die nun richtig Gas gaben, so auch Sänger Pascal, der immer lauter die Frage stellte: „Are you ready to rock?“, bis das Publikum laut genug „ja“ schrie. Die jungen Musiker drehten weiter auf und brachten die Zuschauer mit Songs wie „Summer of 69“ zum Mitsingen und Toben, nur unterbrochen von einem Geburtstagsständchen für einen erst 14-jährigen Zuschauer, dem der Sänger launig zur Erheiterung des Publikums die Frage stellte: „Erst 14? Darfst du dann überhaupt noch hier sein?“.

Festzeltkomando sorgte für Party

Als 20 Minuten später die Feier- und Musikroutiniers vom „Festzeltkommando“ – die Herren stilgerecht in der Krachledernen und Sängerin Nadja Lesniewski im feschen Dirndl – auf die Bühne kamen, war das Publikum gut vorbereitet auf das, was nun kommen sollte. Als Frontmann Andy Haberer schon beim ersten Lied samt Akkordeon zu den Noten von „Cordula Grün“ durch das Publikum rannte und mitten zwischen den Leuten auf die Bänke stieg, gab es nur positive Reaktionen.

Die Leute ließen sich von der guten Laune weiter anstecken und machten begeistert mit. Auch ließ er es sich nicht nehmen, der Stadt Hockenheim zum 1250-jährigen Jubiläum zu gratulieren: „Für 1250 Jahre seht ihr echt geil aus“, rief er deftig, bevor er zusammen mit seinen Bandkollegen Max Scholz an den Drums, Uwe „Mad“ Metz an der Gitarre, Karsten Jahn am Bass und „Rogo“ an der Gitarre und Vocals weiter rockte. Nach Klassikern wie „Es tut mir leid Pocahontas“, „Rhythm of the Night“ oder Nenas „99 Luftballons“ gab es auch eine Schunkelversion von „Che sera sera“ von Doris Day und viele Aufforderungen an das Publikum, sich näher zu kommen, bis hin zum Austausch der Handynummern.

„Beim Festzeltkommando verlieben sich die Menschen im Sekundentakt“, stellte Haberer fest. Eine zünftige Polonaise zu „100 Miles“ gehörte genauso zum weiteren Programm wie eine fingierte Bobfahrt nach Anweisung. Das Zelt bebte immer weiter und die Feierlaune der Gäste wurde bis spät angefeuert.

Eintritt war an diesem Abend frei

Richard Damian, Vorsitzender des HMV, betonte, dass das Fest jedes Jahr größer werde, und zeigte sich mit dem Verlauf des Abends sehr zufrieden. Auch hätte man aufgrund der guten Kalkulation bewusst auf das eigentlich geplante – und angekündigte – Eintrittsgeld verzichten können.

Ebenfalls sehr zufrieden war der „Echtzeit“-Bandleiter und Musikschullehrer Jens Kreft mit seinen Schützlingen: „Die Band hat gut performt. Die Bandmitglieder sind meist Musikschüler, die Lust haben, live aufzutreten“ sagt er und ergänzte: „Die Band erneuert sich ständig. Die Jugendlichen sind zwischen 15 und 20. Wenn sie anfangen zu studieren oder eine Ausbildung beginnen, steht das erst einmal im Vordergrund. Aber manchen gefällt es so gut, dass sie auch während dem Studium weitermachen. Wir suchen übrigens immer junge Sänger von außen, die sich gerne bei mir melden können.“

Vollkommen unaufgeregt zeigte sich Sängerin Katharina: „Ich mache das seit 2015 und bin inzwischen gar nicht mehr nervös. Als angehende Erzieherin freut sich meine Kindergruppe, wenn ich mit ihr singe.“ Besonders freue sie sich auch auf das Jahresabschlusskonzert „Bands on Fire“: „Im Pumpwerk singen wir wieder am 9. November, dort tritt auch unsere andere Musikschulband für zwölf- bis 16-jährige Musiker, ,New Project‘, auf und eine weitere Band. Das wird toll. Ich hoffe, da kommen auch so viele Leute.“

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