Hockenheim

Kirchliche Sozialstation Pandemie schafft zusätzliche Anforderungen in Pflege und Organisation / „Betriebsablauf ist zäher geworden“ / Flexibilität als oberste Prämisse

Das gesamte Team arbeitet wegen Corona am Limit

Archivartikel

„Ein frei denkender Mensch bleibt nicht da stehen, wo der Zufall ihn hinstößt.“ Dieser Gedanke des Dramatikers Heinrich von Kleist macht uns in unserer heutigen Zeit mehr denn je deutlich, wie einfallsreich und flexibel wir sein müssen. Und das muss mit fachlicher Kompetenz verquickt sein – so wie die Tätigkeit, die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der kirchlichen Sozialstation Tag für Tag geleistet wird.

Menschen stehen im Mittelpunkt der Pflege – die Pflegenden und die zu Pflegenden. „Normal“ mag bestimmt anders sein, aber der französische Philosoph Jean Paul Sartre meinte ja: „Vielleicht gibt es schönere Zeiten, aber das ist die unsere.“ Und das ist die Corona-Zeit, eine Ausnahmeepoche, aber trotzdem eine Zeit, in der ältere und kranke Mitmenschen die Hilfe anderer nach wie vor brauchen. Abgesehen davon, dass viele Kontaktmöglichkeiten und Gemeinsamkeiten vorübergehend ausgesetzt werden müssen – die medizinische Hilfe ist notwendig, lebenswichtig.

Umdenken, weiterdenken, flexibel sein, das ist Tag für Tag oberste Prämisse bei der Kirchlichen Sozialstation Hockenheim, wie Geschäftsführer Ulrich Beer und Pflegedienstleiter Micha Böbel erläutern. Schließlich leben wir mitten in der zweiten Welle der Corona-Pandemie.

Die Pflegekräfte seien jetzt mehr denn je gefordert. Sie setzen sich für ihre Patienten ein, müssen aber gleichzeitig diese, sich und ihre Familien vor Ansteckung bewahren. Schutzkleidung mit Maske, Overall, Schutzbrille und Handschuhen erleichtern die Alltagsarbeit sicherlich nicht.

Drei Kräfte nur für Schnelltests

Schnelltests für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den beiden Wohngruppen für Demenzerkrankte sowie für Pflegekräfte, die Kontakt mit positiv getesteten Personen haben, sowie weitere bedarfsweise Testungen sollen zur Risikominimierung beitragen. Drei ausgebildete Krankenschwestern wurden dafür freigestellt, die wiederum in der ambulanten Pflege fehlen.

Einfach ist die Alltagsarbeit in der kirchlichen Sozialstation auch für die Verwaltung nicht: Was tun, wenn plötzlich der langjährige Händler mitteilt, dass er ab sofort für die Schutzhandschuhe den doppelten Preis verlangen muss? Und die angekündigte Lieferung der dringend benötigten Overalls sich immer mehr verzögert? Schnell kommt es trotz umsichtiger Vorratshaltung zu Engpässen. „Der gesamte Betriebsablauf ist zäher geworden“, sind sich Beer und Böbel einig. Gespräche, Verhandlungen, Telefonate brauchen viel Zeit, die anderweitig fehlt: bei der Verwaltung, bei der Pflege, bei der Organisation.

Dazu gehören beispielsweise auch die Telefongespräche mit dem Gesundheitsamt, wenn Patienten positiv getestet werden oder wenn Pflegekräfte wegen positiv getesteter Partner unter Quarantäne gestellt werden. Dazu gehört auch das zähe Ringen mit den Krankenkassen um den höheren Aufwand an Zeit für die Pflege ebenso wie den Mehraufwand an Schutzkleidung und die Erstattung des Verdienstausfalls. Fest steht eines: Jeder Tag bringt neue Herausforderungen.

Freude über Anerkennung

Das gesamte Team der Kirchlichen Sozialstation arbeite engagiert, man dürfe aber nicht übersehen, betont die Geschäftsleitung, dass es am Limit arbeitet. Dass alles „normal“ abläuft, bedeute nicht, dass Normalität herrscht. „Wir freuen uns und sind stolz und vor allem sehr dankbar dafür, was unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über das Gewohnte hinaus leisten“, betonen Pflegedienstleiter Micha Böbel und Geschäftsführer Ulrich Beer. Und natürlich freue man sich, wenn dies Anerkennung sowohl bei den Patienten und deren Familien als auch bei der Bevölkerung findet.

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