Hockenheim

Das hungrige Nichts

Archivartikel

Sandra Kettenmann über einen Bestseller, der nach Fantasien führt

Kennen Sie dieses Buchzitat? „Weitere drei Tage später traf auch der Felsenbeißer ein. Er kam zu Fuß dahergestampft, denn er hatte in einem plötzlichen Anfall von Heißhunger sein steinernes Fahrrad aufgegessen“ Wer kommt auf die Idee, einen Felsenbeißer zu kreieren? Die Antwort lautet: Michael Ende. Der Autor verfasste 1979 das Buch „Die unendliche Geschichte“, in der Bastian vor seinen Mobbern in eine Bücherei flieht und in der Welt von Fantasien landet, die vom Nichts verschlungen wird.

Dem Steinbeißer werden seine Freunde aus den Händen gerissen. Der Glücksdrache Fuchur verschwindet in der Dunkelheit. Das alles, weil die Menschen keine Zeit mehr für die Fantasie haben.

In meinem Gespräch mit Nina Unglenk-Baumann musste ich an die unendliche Geschichte denken. Denn striktere Vorgaben lassen Kindern weniger Platz zur Entfaltung. Struktur ist wichtig, aber ein vollgepackter Terminkalender lässt keine Zeit zum Kindsein. Bei mehr als einem Viertel der Kinder wird inzwischen ein Burnout diagnostiziert. Dem wollen Einrichtungen wie das Pumpwerk entgegenwirken.

Durch Kunst und Kultur, mit dem kreativen Chaos der Fantasie Freiraum geben. Ein heller Funke, der sich gegen das hungrige Nichts stellt. „Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden“, heißt es bei Michael Ende.

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