Hockenheim

Dresdener Straße Der CDU-Landtagskandidat Andreas Sturm im Gespräch mit Anwohnern / Pokémon-Go-Spieler sorgen für Beschwerden wegen Ruhestörung

Das Zauberwort heißt Rücksichtnahme

Archivartikel

Bei einem Infostand des CDU-Stadtverbandes in der Dresdener Straße konzentrierten sich die Klagen der Anwohner schnell auf ein Spiel, das seit rund vier Jahren Menschen in Scharen auf die Straßen treibt und wohl auch, so war zu hören, für einigen Ärger sorgt: Pokémon Go.

Das Spiel verbindet die virtuelle mit der realen Welt dergestalt, dass Menschen versuchen, Fantasiewesen einzufangen. Wichtigste Hilfsmittel dabei sind ein Handy und GPS. Mit GPS wird der Standort des Spielers ständig in Echtzeit ermittelt und virtuell auf eine Karte positioniert, die auf Open-Street-Map-Karten basiert. In diese Karte werden dann die Pokémon-Figuren projiziert, die der Spieler einfangen kann. Das Spiel wird im Empfangsbereich des GPS-Signals, also in der Regel im Freien, gespielt und nutzt Sehenswürdigkeiten, Wahrzeichen und auffällige Objekte der materiellen Welt zur Gestaltung einer virtuellen Spielwelt.

Zu einer solchen virtuellen Spielewelt ist auch das Gelände des Gartenschauparks geworden und so sieht man regelmäßig Scharen von Spielern, den Kopf Richtung Handy gesenkt, durch den Park pilgern, stets auf der Suche nach Figuren, die es zu fangen gilt.

Anwohner und Gamer im Gespräch

Andreas Sturm, der Landtagskandidat der Union im Wahlkreis Schwetzingen, war bei dem Infostand in der Dresdener Straße mit dabei und entschloss sich spontan, dem Thema bei einer Gesprächsrunde mit betroffenen Anwohnern auf den Grund zu gehen. Zu dem Termin kamen, sehr zur Freude von Sturm, nicht nur Anwohner, die sich beschweren wollten, sondern auch zwei Pokémon-Go-Spieler, die sehr zu Versachlichung der Diskussion mit beitrugen.

Günter Zink und seine Frau Margit Hoffmann-Zink fühlen sich durch die Spieler besonders betroffen. Ihr Grundstück liegt gegenüber dem Park und verfügt über einen markanten Brunnen, der von den Spielentwicklern genutzt wurde und somit zu einem Anlaufpunkt wurde. Bei Tag und bei Nacht. Zink berichtet von laufenden Fahrzeugmotoren in der Nacht, im Sommer wegen der Klimaanlage und im Winter wegen der Heizung, von zuschlagenden Autotüren und lauter Musik – kurzum von Vielem, was ihm die Nachtruhe raube. Obendrein würde die Dresdener Straße teils zur Rennstrecke, teils für Fahrten im Schneckentempo genutzt, wenn die Handy-Jagd auf die Pokémon im Sitzen erledigt wird.

Unterstützung bekam das Paar von anderen Anwohnern, die insbesondere bei den Treffen der Spieler von einem verstopften Park berichten, in dem kein Durchkommen mehr sei, über besetzte Bänke und Müll klagen sowie über nächtliches Eindringen in den Park – „was freitags und samstags nach 23 Uhr hier abgeht“, schüttelte ein Anwohner seinen Kopf.

Und wenn es zu laut sei oder zu schnell gefahren werde – die Polizei komme schon lange nicht mehr, merkt Hoffmann-Zinke an, die auch auf den Umstand verweist, dass sanitären Anlagen auf dem Gelände des Gartenschauparks nicht vorhanden, vielfach Wildpinkler zu beobachten seien.

Axel Sydow, einer der beiden anwesenden Spieler, nahm gleich einigen Zündstoff aus der Diskussion, in dem er darauf verwies, dass private Grundstücke für das Spiel tabu seien. Wenn dies der Betreiberfirma gemeldet werde, würden die entsprechenden Objekte gelöscht. Auch der Brunnen auf dem Gelände von Günter Zink ist mittlerweile entfernt, künftig dürfte es vor seinem Haus etwas ruhiger werden.

Sven Ruder, gleichfalls ein Pokémon-Go-Spieler, war sich mit Sydow einig – Müll gehe überhaupt nicht. Allerdings, betonten die beiden Hockenheimer, jeder müsse darauf achten Müll zu vermeiden, egal ob Spieler oder nicht. Was Andreas Sturm genauso sah, die Vermüllung der Landschaft sei ein generelles Problem.

Gleiches gelte für Verkehrsteilnehmer, die sich nicht richtig verhalten – ob zu schnell, zu langsam oder zu laut, hier sei die Polizei gefragt, für Ordnung zu sorgen. Dieser Ansicht waren nicht nur die Spieler und Sturm, auch die Anwohner. Die geschilderten Vorkommnisse seien Ordnungswidrigkeiten und müssten entsprechend geahndet werden.

Das Problem, fasste Sturm zusammen, seien eher die Spieler von außerhalb, aus Mannheim oder Frankfurt, die sich nicht an die Spielregeln halten würden, doch auch dies sei eine Frage der Kontrolle. Dem stimmt Ruder zu, er und seine Mitspieler aus Hockenheim würden darauf achten, Müll zu vermeiden, immerhin sei es „ihr Park“.

Park wird genutzt

Und wenn ein Treffen von Spielern stattfinde, seien diese meist um 20 Uhr beendet, was Ruder vollkommen in Ordnung findet. Den Vorwurf, nachts über den Zaun in den Park einzusteigen oder die Menschen zu bedrohen, die den Park abends abschließen, wollte Sydow nicht auf den Pokémon-Spielern sitzen lassen. Diese könnten mit ihren Handys die Figuren auch von der Dresdener Straße aus fangen, hätten es nicht nötig, in den Park einzudringen. Sturm sah dies genauso, wenn er überstiegene Zäune im Sinn hat, dann eher bei Privatgrundstücken, doch wie gesagt – die können sich aus dem Spiel verabschieden.

Letztlich, so Ruder, handle es sich bei dem Gartenschaugelände um einen Park und wenn dieser von Fußgängern genutzt werde – egal ob Spieler oder nicht – sei dies in Ordnung. Kurzum: Er wie Sydow sahen in den Pokémon-Go-Spielern kein Problem, sofern sich diese an die Reglen halten.

Dem konnte Sturm zustimmen, der anhand der Diskussion drei Problemfelder ausmachte – Müll, Lärm und den Verkehr in der Dresdener Straße. Letzteres, da waren sich alle einig, sei Sache der Polizei, die beiden ersten Themen seien grundsätzlich zu lösen, kein ursächliches Problem der Spieler-Community.

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