Hockenheim

Gedenken Deportation der Juden jährt sich zum 80. Mal

Den Opfern ihren Namen zurückgeben

Archivartikel

Die Deportation der badischen Jüdinnen und Juden in das Lager Gurs in Südwestfrankreich, Vorhof zu Hölle genannt, jährt sich am Donnerstag, 22. Oktober, zum 80. Mal. Über 5600 Menschen jüdischer Abstammung oder Religionszugehörigkeit aus insgesamt 137 badischen Gemeinden wurden am 22. und 23. Oktober 1940 in das Internierungslager deportiert. Darunter über fünfzig Jüdinnen und Juden, in Hockenheim geboren, und deren Kinder. Über vierzig von ihnen wurden Opfer der Shoah. Elf Menschen konnten überleben, weil sie im Besitz von Auswanderungspapieren waren und bis zum Sommer 1942 legal auswandern konnten. Andere wurden aus dem Lager gerettet und überlebten bis nach Kriegsende versteckt.

Nur ein Teil der Deportierten hat die Zeit der Verfolgung überlebt, etwa die Hälfte von ihnen wurde von Gurs aus in aus Viehwagen zusammengestellten Transportzügen nach Auschwitz deportiert und dort zumeist bei ihrer Ankunft ermordet. Sie liegen in Massengräbern verscharrt oder sind buchstäblich in Rauch aufgegangen. Kein Grabstein nennt ihre Namen.

Andacht in der Stadtkirche

Die christlichen Gemeinden in Hockenheim und der Arbeitskreis jüdische Geschichte in Zusammenarbeit mit der Stadt Hockenheim laden die Bevölkerung zu einer Andacht ein, um an den schwärzesten Tag der Geschichte Badens zu gedenken. Die ökumenische Andacht findet am Donnerstag, 22. Oktober, 19 Uhr, in der evangelischen Stadtkirche statt. Alexander Leventhal wird die Andacht mit seinem Orgel-Spiel musikalisch umrahmen.

Die Andachtsbesucher werden gebeten, beim Betreten der Kirche Masken zu tragen und die Sicherheitsabstände einzuhalten.

Nach der Andacht laufen alle gemeinsam zum Gurs-Gedenkstein auf dem Parkplatz zwischen dem Rathaus und der katholischen Kirche. Am Gedenkstein werden Jugendliche die Namen der Verschleppten vorlesen. Indem ihre Namen genannt werden, wird den Opfern der Deportation ihre Identität zurückgegeben, im Wissen, dass jeder Mensch eine einzigartige Lebensgeschichte hat. Die Verlesung der Namen ist ein Beweis, dass es den Nationalsozialisten nicht gelungen ist, jegliche Erinnerung an jüdisches Leben in Baden zu tilgen.

Nach dem Vorlesen der Namen läuten die Kirchenglocken der christlichen Gemeinden. zg

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