Hockenheim

Pumpwerk Arnim Töpel feiert seinen 60. Geburtstag mit einer Gala / Unterstützung bekommt er von den beiden Solisten Tokunbo und Ezio Lunedei

Der Bühnenphilosoph feiert das Leben

Geplant war eine Geburtstagsgala, geworden ist es ein Fest für das Leben – was angesichts des Protagonisten jedoch nicht wirklich überrascht. Lud doch der Bühnenphilosoph Arnim Töpel zu seinem 60. Geburtstag ins Pumpwerk. Dabei versammelte der leise, aber eindringliche Mann von „de Günda“ über „Wem ghersch denn du“ und „dappisch“ bis zu „Du kannst nicht alles haben, aber du kannst alles verlieren“ und „Das Glück liegt knapp nebe der Kapp“ alles, was sein Publikum liebt.

Es gibt nicht viele wie ihn: ein nachdenklicher, manchmal fast melancholischer Kabarettist, der es trotzdem versteht, immer ein Lächeln in das Gesicht der Zuhörer zu zaubern. Begleitet wurde er bei seiner Geburtstagsgala von Erwin Ditzner (Schlagzeug), Michael Herzer (Kontrabass) und Manfred Häder (Gitarre) sowie den beiden Solisten Tokunbo und Ezio Lunedei. Jeder für sich ein Ereignis, zusammen auf der Bühne eine Sensation. Musik, das betonte Töpel immer wieder, sei ihm über alle Maßen wichtig. „Nichts bewegt mich mehr.“ Worte, die diese Künstler für Töpel und seine Gäste im Pumpwerk mit enorm viel Leben füllten.

Sein Publikum gewann Töpel bereits mit dem ersten Schritt auf die Bühne. Mit dem von Fingerschnipsen und Brustschlagen begleiteten Song „Wem ghersch denn du“, machte er alle sofort glücklich. Die Musik, die Texte und das alles auf Dialekt erweist sich immer wieder als magisches Dreieck, das alles und jeden verzaubert. Trotzdem machte sich zu Beginn der Show auch etwas Angst breit. Stand doch eine große Leinwand auf der Bühne und es drohte die unvermeidliche Geburtstagsdiashow. Doch Töpel gelang das fast Unmögliche. Niemand langweilte sich angesichts der Bilderfolge rund um 60 Jahre Töpel.

Reise durch die Jahre

Im Gegenteil, es war vom kleinen lieben Bub aus Walldorf über den langhaarigen Abiturienten, dessen Abiturrede durch den Schulleiter abgebrochen wurde, und studierten Juristen bis zum Mann auf der Bühne ohne Haare auf dem Kopf eine wunderschöne Reise durch die Jahre seit 1959. Es war ein weiter Weg. Von der abgebrochenen Abiturrede über sein erstes Soloprogramm „Töpel ohne“ ging es dann mit „Sex ist keine Lösung“, „Rechtzeitig gehen“, „Newa de Kapp“, „Mach doch de Babbe net struwwelisch!“ und „De Schorle-Peda“ Schlag auf Schlag.

Eine einzigartige Karriere, die fast etwas unwahrscheinlich erscheint. Die eigentümliche Mischung aus Kabarett, Melancholie und Fröhlichkeit mit Tiefgang erinnert ein wenig an „Das Runde muss in das Eckige“. Dass das passt, war nicht absehbar. Doch es passte. Und wie, Töpel ist am deutschen Kabaretthimmel ein zwar kleiner, aber wahrhaft hell leuchtender Stern. Im Grunde ist er eine Art Wasserscheide zwischen lustigem Spaß und glücklich machenden Humor. Und genau das bewahrheitete sich einmal mehr mit seiner kleinen Geburtstagsgala im Pumpwerk. Dem Ort, an dem Mitte der 1980er Jahre alles begann. Vor seinen Zuhörern breitete Töpel, begleitet von den kongenialen Ditzner, Herzer und Häder, ein kleines Kaleidoskop seines Schaffens aus. „Hallole, isch bins, de Günda!“, die legendäre Partnerschaftsanzeige „Chiffre“, „Fer umma“ und „Das wird nicht heben“ verfehlten ihre Wirkung nicht. Das Publikum strahlte und Töpel und seine Kollegen auf der Bühne wurden gefeiert.

Tief ins Herz gehend

Ein Satz, der auch für die Auftritte der beiden Solisten im zweiten Programmteil galt. Mühelos nahmen sie ihr Publikum mit auf eine betörend schöne musikalische Reise. Die deutsch-nigerianische Sängerin aus Hannover unterstrich hier einmal mehr ihren Juwelstatus. Leise, aber tief ins Herz gehend. Ihr neues Album „The Swan“ dürfte zum schönsten gehören, was es dieses Jahr auf dem deutschen Musikmarkt zu entdecken gibt.

Und auch der britische Songwriter mit italienischen Wurzeln, Lunedei, verstand es, sein Publikum zu begeistern. Etwas lauter als Tokunbo, aber ebenso überragend. Bis halb zwölf ging die Töpel’sche Geburtstagsgala. Es waren dreieinhalb Stunden, in denen rund um den nachdenklichen und frohsinnigen Bühnenphilosophen alle Wünsche erfüllt wurden und dementsprechend am Ende für alle auch alles gut war. ske

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