Hockenheim

Ostern in den christlichen Kirchen der Stadt Pfarrer Dahlinger, Dekan Grabetz und Pastorin Lehnert beleuchten die Bedeutung des Festes aus theologischer Sicht

Der Tod Jesus macht Opfer überflüssig

Archivartikel

Die Ostertage, beginnend mit Gründonnerstag und Karfreitag, erinnern mehr als jedes andere Fest im gesamten Jahreszyklus an die christlichen Wurzeln dieser Feier, seine Geschichte und seine grundsätzliche Bedeutung. In den drei großen christlichen Kirchen Hockenheims standen die Gedanken an den Opfertod Jesu und seine Auferstehung im Mittelpunkt der Gottesdienste und weiterer Zusammenkünfte.

In den verschiedenen Predigten wurde deutlich, dass die österliche Botschaft des Christentums, nämlich die Auferstehung Jesu, schon damals und auch heute, nicht einfach zu vermitteln ist. Dabei ist die Auferstehungsbotschaft im Grunde genommen die Kernaussage des Christentums überhaupt.

Der Sündenbock hat ausgedient

Aus verschiedenen Gesichtspunkten gingen die Pfarrer und die Pastorin der drei christlichen Kirchen auf die österlichen Gedanken interpretierend und vermittelnd zu. Pfarrer Michael Dahlinger von der evangelischen Kirchengemeinde ging im Blick auf den Karfreitag auf den Hebräerbrief und die Opferrituale jener Zeit ein.

Hinter einem Opfer könnten sich, so Dahlinger, menschliche Ersatzhandlungen verstecken, zum einen das Opfer aus Solidarität, zum andern das Opfer, das Leib und Leben kostet. Das Opfer aus Solidarität richte sich gegen uns selbst, zeige die Bereitschaft, beispielsweise mit anderen zu teilen.

Das Opfer, das Leben kostet, werde rituell „auf dem Altar der Statistik“ erbracht, man könne es in Gestalt des „Sündenbocks“ sehen, der früher mit Schuld und Sünden beladen, in die Wüste getrieben wurde. „Wir kennen die Situation im Grunde genommen auch heute“, meinte Pfarrer Dahlinger, wenn irgendjemand für irgendetwas schuldig gemacht und beispielsweise zum Rücktritt aufgefordert wird.

Man dürfe nicht vergessen, so Dahlinger, dass Jesus die Rolle des Sündenbocks übernommen habe, also die Rolle dessen, der für alles verantwortlich gemacht wird und für alles herhalten muss. Aber Jesus habe, so fuhr Pfarrer Dahlinger fort, dieses Sündenbockmuster der Lächerlichkeit preisgegeben, „denn er blieb nicht in der Wüste beziehungsweise im Grab, er kehrte zurück“.

Opferhandlungen im alten Sinne seien also nach dem Hebräerbrief, wie Dahlinger ausführte, nicht mehr notwendig, der Tod Jesu sei ein Einstieg in eine neue Zeit gewollter Solidarität, Gerechtigkeit und Frieden. „Christen brauchen keine Opfer mehr, sie haben es ersetzt durch das Abendmahl und die Gemeinschaft mit Außenseitern“, schloss Michael Dahlinger seine Predigt.

Zu den weiteren österlichen Feierlichkeiten der evangelischen Kirchengemeinde gehörten die Ostermorgenfeier am Sonntag mit Pfarrer Johannes Heck um sechs Uhr am Morgen, zwei Stunden später traf man sich mit Lehrvikar Sebastian Schulte zur Auferstehungsfeier auf dem Friedhof und beim Familiengottesdienst im Lutherhaus mit Diakon Reinhold Weber und vielen Kindern dienten Raupe und Schmetterling als Symbol für neues Leben. Beim gestrigen Gottesdienst konnte Pfarrer Heck zwei kleine Jungen und ein sechsjähriges Mädchen taufen.

Das Entzünden des Osterfeuers neben dem Gemeindezentrum war der Beginn der Osternachtfeier in der katholischen St. Georgskirche. Mit Milla, Liljana und Philipp wurden bei diesem festlichen Gottesdienst drei Kinder getauft. Von der Flamme des Osterfeuers wurde zunächst die große Osterkerze entzündet, danach wurde das Licht der Kerze an alle Gottesdienstbesucher weitergereicht und die zuvor stockdunkle Kirche leuchtete in warmem natürlichen Kerzenlichterglanz.

Im Anschluss an den Gottesdienst waren noch viele Christen mit dabei, als man gemeinsam zum Friedhof ging und das Licht auf die Gräber der Verstorbenen brachte. Danach traf man sich wie in urchristlicher Zeit zur Agapefeier im Gemeindezentrum St. Christophorus.

Im gut besuchten Gottesdienst am Ostersonntag ging Dekan Jürgen Grabetz auf die Frage ein, was denn eigentlich ein „österlicher Mensch“ sei. Sei es einfach ein fröhlicher Mensch, ein glücklicher Mensch oder eher ein Fantast und Träumer, weit ab von allen Realitäten? Jeder Versuch einer Antwort werfe hier neue Fragen auf, so Grabetz.

Der „österliche Mensch“

Müsste die Welt nach der Auferstehung nicht anders aussehen, sei eine verständliche Frage, meinte der Dekan. Aber man könne auch das Leben nicht plötzlich ganz ausblenden: „Wir sind hier, so wie wir sind“, stellte Grabetz klar, man könne sein Leben nicht ausblenden, wie man einen Mantel ablege. Und deshalb könne man Ostern feiern trotz Sorgen und Nöten, trotz Zweifel und Zerbrechlichkeit.

Zu einem österlichen Menschen gehöre schließlich, dass er sich immer wieder mit der österlichen Botschaft auseinandersetze und sie zu verstehen versuche, um sie in sein Herz dringen zu lassen. „Wir müssen diese Botschaft in unser Herz dringen und wirken lassen,“ meinte Dekan Jürgen Grabetz abschließend, denn dann könne diese Hoffnungsbotschaft der Auferstehung auch auf unsere Lebenswege wesentlichen Einfluss haben.

Tod und Auferstehung

Tod und Auferstehung waren auch Grundgedanke der Predigt bei der Evangelisch-Methodistischen Kirchengemeinde. Pastorin Hanna Lehnert, die für die gesamte Kirchengemeinde Hockenheim-Wiesloch zuständig ist, machte zu Beginn ihrer Predigtausführungen deutlich: „Gott setzt an die Stelle, an welcher der Tod einen Punkt setzt, einen Doppelpunkt.“ Damit sei signalisiert, dass es noch weitergehe und der Tod nicht das letzte Wort in unserem Leben habe. Jesus selbst sei es, so die Pastorin, der das verbindende Element bilde, der die alles entscheidende Brücke zwischen dem Irdischen und dem Göttlichen sei. Gott setze, betonte Pastorin Lehnert, indem er seinen Sohn auferstehen lasse, „ein deutliches Ausrufezeichen des Lebens“.

Hanna Lehnert zitierte das Lukas-Evangelium, in dem berichtet wird, dass Jesus nach seiner Auferstehung mitten unter seinen Jüngern war. Dies zeige, so die Pastorin, dass Jesus immer einen Weg finde, um die Menschen, „jeden einzelnen von uns“, zu erreichen. Schon das Wort „Friede sei mit Euch“ habe damals wie heute seine große Bedeutung, führte die Pastorin aus. Dies zeige, dass es Jesus nicht gleichgültig sei, wie er die Menschen zurücklasse, die an ihn glauben. An uns liege es, betonte Pastorin Lehnert, „das Herz zu öffnen und offen zu sein für Momente, in denen wir Jesus begegnen können“. Es könne eine Freude sein, die uns plötzlich durchströmt oder das Gefühl, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein und in unserem Leben geführt zu werden.

Der Friede, der bereits in der Weihnachtsgeschichte angekündigt wurde, habe sich durch das Wirken Jesu ausgebreitet und finde nun mit seiner Auferstehung „seinen absoluten vollendeten Höhepunkt“, schloss Lehnert ihre Predigt.

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