Hockenheim

Die Stadt hält den Atem an

Archivartikel

Vielleicht gibt es schönere Zeiten; aber diese ist die unsere. In welchem Zusammenhang Jean-Paul Sartre diesen Satz sagte, ist nirgendwo verbrieft. Fest steht aber: Er hatte Recht. An das Coronavirus oder eine solche Pandemie hatte der Philosoph, dessen Todestag sich Mitte April zum 40. Male jährte, bestimmt nicht gedacht, nicht denken können.

Wir haben ja auch nicht daran gedacht. Noch nicht einmal, als wir uns in der Silvesternacht zu Beginn des neuen Jahrzehnts gute Wünsche mit auf den Weg gaben. Man konnte nicht daran denken, dass 80 Tage und Nächte später die Welt für uns alle ganz anders aussehen wird.

Hockenheim hält den Atem an. Probleme sind nicht weg, treten aber in den Hintergrund, Bäume im nahen Stadtwald, Situation im Motorsport, finanzielle Entwicklung im Aquadrom, Containeraufbau statt Schulräume – nicht vergessen, aber nicht mehr in erster Linie. Dort steht jetzt der Mensch, stehen wir und die anderen, steht unsere Gemeinschaft. Erinnern wir uns: Gingen uns nicht oft Großmütter und alte Tanten auf die Nerven, wenn sie uns die alte Volksweisheit sagten: „Alle Wünsche werden klein gegen den, gesund zu sein.“ Sorry, liebe Großmütter und auch Großväter und Onkels und Tanten, ihr habt Recht gehabt. Das spüren wir in diesen Tagen mehr denn je. Und auch der 1837 verstorbene Journalist und Literaturkritiker Carl Ludwig Börne hat schon zu seiner Zeit festgestellt: „Es gibt tausend Krankheiten, aber nur eine Gesundheit.“

Und um eben diese bemühen wir uns, beachten Warnungen und Vorschriften, akzeptieren Vorsichtsmaßnahmen verschiedener Art. Virus und Ansteckungsgefahr, das ist nicht greifbar, das macht uns alle unsicher. Was können wir tun? Bleibt nur jedem Einzelnen der persönliche Rückzug. Frühlingsbälle von Gesangsvereinen, die optimal vorbereiteten Tage der Hospizinformationen, Jahrgangstreffen, Vereinsbesprechungen, in einer kulturell und gesellschaftlich lebendigen Stadt wie Hockenheim läuft viel. Normalerweise, jetzt läuft zunächst einmal nichts mehr. Auswandern? Bringt auch nix. Dort ist das Virus bestimmt auch schon.

Sind deshalb vielleicht Hamsterkäufe die „letzte Zuflucht“ der Menschen? Vielleicht räumen manche ihre Tresore leer, um dort Toilettenpapier zu bunkern . . . Warum gerade Toilettenpapier? Papier ist lange haltbar. Wir wollen natürlich nicht auf die Papyrus-Rollen der alten Ägypter zurückblicken, aber etwas Faszinierendes scheint Papier also doch immer noch zu haben – nicht nur Zeitungspapier.

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