Hockenheim

Musikprogramm Vor den Onkelz zeigen mit den Cockney Rejects, Anthrax und Slayer gleich drei Ikonen des Punk und Metal, was sie noch immer draufhaben

Die von Stahlkolossen flankierte Bühne als Resonanzraum der Legenden

Wenn Moderator und Zeremonienmeister Komi Mizrajim Togbanou zur zweiten Runde des "Matapaloz"-Festivals den "Tag der Legenden" ausruft, mutet das nach Pathos erster Güte an, doch wer einen Blick auf das Line-Up wirft, kann schwerlich anders, als dem Schauspieler und Conférencier des Festivals beizupflichten. Denn in den kommenden Stunden sollten sich mit den Cockney Rejects, Anthrax und Slayer gleich drei Bands zu einem Gipfeltreffen verabreden, die sich ihren Platz in der "Hall of Fame" längst verdient haben.

Den Anfang machen jedoch die Streetpunker von Toxpack aus Berlin - und sie machen ihn kompromisslos gut. Ohne Hauch von übergroßem Respekt vor allen, die ihnen nachfolgen sollten, bürsten Daniel "Schullie" Schulz und die Seinen ihr Set auf Krawall und machen ihrer neuen Platte "Schall und Rausch" damit alle Ehre. Zwar ist noch längst nicht so kommerztauglich wie die Broilers, was Toxpack anzubieten haben, doch dafür tragen diese Songs ihre Authentizität direkt auf der Haut.

Inspiration für die frühen Onkelz

Den Ball nehmen die Cockney Rejects aus London gerne auf. Zwar bleiben die epischen Moshpits, die die Rejects schon in den 70ern in Clubs auf der ganzen Welt entstehen ließen, am Ring eher die Seltenheit, doch kostet das die Briten nicht den Funken ihrer Geltung. Ganz nebenbei serviert das Material aus astreinem Oi! und deftigem Heavy Metal auch seine historischen Bezüge für alle, die schon immer wissen wollten, wo die frühen Onkelz sich Inspiration gesucht hatten.

Die Thrash-Metal-Ikonen von Anthrax lassen sich nicht zweimal bitten und versprühen in ihren gut 70 Minuten eine gute Laune, wie man sie von den US-Jungs lange nicht mehr gesehen hat. Da ist längst nicht nur das Transparent im Hintergrund von greller Farbigkeit gezeichnet: Das alte Material leuchtet von Dynamik und Interpretationslust gezeichnet dermaßen auf, dass man nicht im Traum an behäbiges Museums-Geplänkel denkt, das sich und seine eigene Bedeutung höher hängt als den erhabenen Augenblick künstlerischer Gestaltung.

Stimme wie nach Politur-Genuss

Wer könnte diesen Staffelstab würdiger empfangen als das Metal-Kollektiv von Slayer, das vor den Böhsen Onkelz noch einmal feinsten amerikanischen Schwermetall durch die Anlage jagte. Dass das so druckvoll wie pointiert gelingt, spürt man nicht nur an Tom Araya, der vor dem Auftritt eine Flasche Politur getrunken haben muss, so rein und stilecht, wie seine Stimme klingt - auch Gitarrist Kerry King reißt seine Flying V mit energetischer Entschlossenheit in die Lüfte und lässt die Finger nur so auf den Saiten tanzen. Schlussendlich wird der Finaltag so tatsächlich zum Resonanzraum der Legenden - und zu was für einem. mer

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