Hockenheim

Standortdiskussion Pflegezentrum-Betreiberin Manuela Offenloch verweist auf jahrelange Suche nach Neubau-Grundstück / Verbleib in Hockenheim oberstes Ziel

„Die Wahl heißt Biblis oder Abwanderung“

Archivartikel

„Das Wichtigste für unsere Bewohner und ihre Angehörigen ist, dass sie in ihrem Heimatort Hockenheim bleiben können.“ Vom Gedanken an einen Idealstandort für den Neubau ihres Pflegezentrums hat sich Manuela Offenloch (Bild) vor langer Zeit verabschiedet. Den Vorwurf, sie habe sich nicht rechtzeitig darum bemüht, eine Alternative zur Rathausstraße zu finden, weist sie aber ebenso zurück, wie sie unterstreicht, dass es in Hockenheim zentrumsnäher als im Biblis keinen geeigneten Bauplatz gibt.

2006 hat Manuela Offenloch schrittweise die ehemalige Geriatrische Rehabilitationsklinik des Rhein-Neckar-Kreises am Marktplatz zum Pflegezentrum umgewandelt – als Mieterin. Derzeit hat das Haus 98 Bewohner, doch wenn die neue Landesheimbauverordnung ab 31. August 2019 ausschließlich Einzelzimmer zulässt, kann sie diese nicht mehr am Standort Rathausstraße unterbringen (wir berichteten).

5500 Quadratmeter Mindestfläche

Bereits als sich 2011 abzeichnete, dass die Berufsverbände die Umsetzung der umstrittenen Verordnung nicht würden verhindern können, habe sie sich in Zusammenarbeit mit der Stadt Hockenheim auf die Suche nach einem Neubaustandort gemacht, unterstreicht die Unternehmerin. Dabei gehe es nicht nur um Platz für Zimmer und Funktionsräume, sondern auch um die Betriebsabläufe des Pflegeheims sowie um Rettungswege und Anlieferung. Für einen Neubau mit Tiefgarage seien rund 5500 Quadratmeter Fläche erforderlich, ohne Tiefgarage 7000 bis 7500 Quadratmeter.

Solche Grundstücke in städtischem oder privatem Eigentum gebe es in der Stadt nicht – abgesehen vom Reiterplatz, der zunächst sowohl für ihr Pflegezentrum als auch den Neubau von St. Elisabeth vorgesehen war. „Ich war mit dem Angebot sehr zufrieden und hatte bereits fertige Pläne sowie die Zustimmung der Heimaufsicht, wollte schon ein Konzept für den Umzug erstellen. Wir sind aus allen Wolken gefallen, als wir erfuhren, am Reiterplatz sei das Projekt doch nicht umsetzbar“, sagt Offenloch.

Wie Kureinrichtung behandelt

Ausschlaggebend sei, dass Alten- und Pflegeheime wie Kureinrichtungen behandelt werden und deshalb Lärmimmissionen, wie sie bei einigen Veranstaltungen auf dem Hockenheimring entstehen können, ein K.-o.-Kriterium seien. „Das kam erst bei Detailprüfungen während des Bebauungsplanverfahrens zutage, und es wurden sogar parlamentarische Anfragen gestellt, ob es Ausnahmegenehmigungen gibt. Aber kein Investor würde hier bauen, wenn mitten in der Bauphase jemand gegen das Vorhaben klagen kann – und das hätte in diesem Fall prinzipiell jeder gekonnt“, unterstreicht die Betreiberin, die in ihren Firmen insgesamt 220 Mitarbeiter beschäftigt.

Natürlich habe sie auch die Möglichkeit eines Umbaus des jetzigen Standorts prüfen lassen – „das waren die ersten Schritte“. Doch was einst am meisten für die ehemalige Rehabilitationsklinik gesprochen habe, ihre Innenstadtlage, erwies sich dabei als Problem: Sie ist von Bebauung dicht umgeben und hat keine Erweiterungsmöglichkeiten.

Das von den Anwohnern des Baugebiets Biblis in die Diskussion gebrachte Grundstück der Evangelischen Gemeinschaft in der Luisenstraße (wir berichteten am 28. August) sei ihr bislang nicht angeboten worden. Allerdings gehöre das Gebäude des Pflegezentrums nicht ihr, sondern dem Rhein-Neckar-Kreis, so dass auch ein Anbau eine Aufgabe des Kreises sei. Doch ob eine Verbindung zwischen den Gebäuden sowie eine vorschriftsgemäße Zuwegung überhaupt möglich und vernünftige Betriebsabläufe einzurichten seien, sieht Offenloch eher skeptisch.

Für sie sei der von Verwaltung und Gemeinderat auf den Weg gebrachte Standort „Biblis, 4. Gewann“ auch die letzte Wahl, „aber ich habe gar nicht zu entscheiden, welches Grundstück für meine Bewohner und mich das beste ist. Die Wahl ist, ob das Vorhaben im Biblis umgesetzt werden kann oder ob es das Pflegezentrum künftig nicht mehr in Hockenheim geben wird“.

„Alles in schwebendem Prozess“

Und diese letzte Alternative, da ist sich Manuela Offenloch ganz sicher, wäre die schlechteste sowohl für ihre Bewohner als auch für die Mitarbeiter. Denn für die Angehörigen, von denen selbst viele schon im Rentenalter seien, sei es wichtig, dass sie auf kurzen Wegen zum Pflegezentrum kommen. Das gelte ebenso für die Beschäftigten, die zum Großteil in Hockenheim wohnen. Viele von ihnen in Küche, Reinigungsdienst oder Wohnbereichshilfe seien keine Fachkräfte und nicht mobil mit eigenem Auto.

Die Heimleiterin verweist darauf, dass der Standort Biblis längst nicht gesichert sei. „Wir hatten am Freitag erste Gespräche mit dem Land, alles ist noch in einem schwebenden Prozess.“ Sollte der Grunderwerb geregelt sein, müssten Pläne angepasst und Genehmigungen beantragt werden. Erst danach könnten die rund 18 Monate Bauzeit beginnen. Wenn das Projekt auf dem Weg ist, hofft sie auf eine Ausnahmegenehmigung der Heimaufsicht für die Übergangszeit ab August 2019.

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