Hockenheim

Hockenheimring DTM gastiert am Wochenende zu ihren Auftaktrennen im Motodrom / Pietro Fittipaldi tritt in der Rennserie als Neuling an

„Du musst den Druck umarmen“

Archivartikel

Er ist der Enkel einer Formel 1-Rennlegende, die auch am Hockenheimring Geschichte schrieb - und ein Nachwuchstalent, das nach Erfahrungen in Nascar-Serien und der Formel 3 nun als DTM-Neuling selbst nach den Sternen greift. Wir haben mit dem 22-jährigen Rookie Pietro Fittipaldi über zukünftige Träume, erschütternde Verletzungen und die Faszination des Rennsports gesprochen.

In Deutschland gibt es das Sprichwort: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Wie haben sich die ersten Kilometer als offizieller DTM-Pilot angefühlt?

Pietro Fittipaldi: Es war ein grandioses Gefühl. Am Anfang gibt es immer noch ein paar Unsicherheiten und Nervositäten, ob wirklich alles gut geht. Aber unser Team hat einen unglaublichen Job gemacht, um alle Autos auf den Punkt fertig zu bekommen, und es ist unglaublich, wenn du beim ersten freien Training begreifst, dass du konkurrenzfähig bist.

Wenn Sie sich an die Erwartungen zurückerinnern, die Sie von der DTM hatten und mit den ersten Runden in Hockenheim vergleichen: Was hat sich geändert?

Fittipaldi: Es gibt immer ein paar Überraschungen, mit denen du so nicht gerechnet hättest. Selbstverständlich versuchst du, selbstbewusst und mit breiter Brust nach draußen zu gehen, aber so einfach ist es dann oft nicht. Wir hatten einen guten Testlauf auf dem Lausitzring, aber wenn du dann vor deinem ersten Rennen stehst, ändert das alles. Wenn du spürst, dass die Geschwindigkeit stimmt und das Auto so auf diesem historischen Grund liegt, wie du es dir gewünscht hast, ist das unbeschreiblich.

Wenn Sie auf Ihren schweren Unfall in Spa Francorchamps vor einem Jahr zurückblicken: Bis vor wenigen Wochen konnten Sie kaum joggen. Wie bereitet man sich da auf die Saison vor?

Fittipaldi: Zwei Monate, nachdem ich den Unfall hatte, war ich schon wieder auf der Strecke – und das, obwohl ich mir beide Beine gebrochen hatte. Als ich damals in der Indycar-Serie wieder anfing, war immer noch ein Bein gebrochen, das von einem Karbon-Stabilisator gestützt wurde. Ich war unter Aufsicht des Chefarztes, aber ich muss ehrlich zugeben, dass dieses Comeback wirklich zu früh kam. Ich konnte nicht so hart auf die Bremse treten wie meine Teamkollegen und musste wegen der unglaublichen Schmerzen auch starke Tabletten nehmen. Als ich im September mein letztes Indycar-Rennen gemacht habe, war ich fahrerisch wieder bei 90 Prozent. Seitdem sind gute sechs Monate vergangen und ich fühlte mich bereit für die neue Herausforderung. Als ich vor zwei Wochen meinen ersten Lauf absolvierte, brauchte ich 45 Minuten für drei Kilometer. Ich hoffe, dass sich das bald bessern wird.

Respekt ist das eine, das man als Rennfahrer immer haben sollte, Angst etwas anderes. Hatten Sie seit ihrem Unfall jemals Angst?

Fittipaldi: Nein, niemals. Ich wollte so schnell wie möglich zurück auf die Rennstrecke. Als ich einen Tag nach dem Unfall meine Operation hatte und mit der Arzt sagte, dass ich für den Rest des Jahres aus dem Geschäft bin, hat mein Kopf genickt, aber mein Herz wusste: Ich muss zurück. Also absolvierte ich meine Reha in Indianapolis, gab wirklich alles – und kam zurück.

In einem Interview haben Sie gesagt, die Familientradition sei für Sie keine Bürde, sondern Motivation - stachelt einen der Erfolg denn an, oder versucht man mehr, sein eigenes Ding zu machen?

Fittipaldi: Mein Großvater ist ein Idol, zu dem ich hinaufschaue und auch meine beiden Onkel, die Rennfahrer sind, habe ich schon als kleiner Junge als Helden betrachtet. Aber es geht mir nicht darum, drei Weltmeister-Titel zu gewinnen, um am Ende besser zu sein als sie alle. Das ist nicht meine Mentalität. Natürlich möchte ich so viel gewinnen, wie es möglich ist, aber das mache ich wirklich für mich.

Nehmen Sie denn Ratschläge vom ehemaligen Weltmeister an?

Fittipaldi: Auf jeden Fall! Es vergeht kein Training, nachdem ich nicht den Kontakt zu ihm suche und es ist auch eine große Ehre, von Menschen umgeben zu sein, die mir nah sind und in diesem Bereich selbst schon so viel Erfahrung sammeln durften.

Sie sind selbst noch sehr jung - wie geht man denn mit dem Druck um, während man sich selbst erst in die Erwartungen dieser Branche hineinentwickelt?

Fittipaldi: Wir haben doch überall Druck im Leben, aber am Ende des Tages tue ich, was ich liebe und auch, wenn es Spaß macht, bin ich nicht nur gekommen, um im Kreis zu fahren. Ich will Rennen gewinnen und der Beste werden, der ich sein kann. Da kommt die Erwartung automatisch. Du musst lernen, den Druck zu umarmen – denn er ist Teil des Spiels.

Teil des Spiels ist für Sie auch, dass Sie neben der DTM schon erste Testfahrten für das Haas-Formel 1-Team absolvieren durften – ist der große Titel dort ihr Ziel für die Zukunft?

Fittipaldi: Das ist auf jeden Fall mein großer Traum - und es ist eine großartige Chance, darauf voran zublicken. Aber im Moment bin ich erst einmal dankbar, im WRT-Team mein Talent zeigen zu dürfen und der Welt durch Siege in der DTM zu zeigen, dass ich zu Größerem bereit bin. Dann ist in Zukunft alles möglich.

Das Interview wurde persönlich geführt und vom Team-Management freigegeben.

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