Hockenheim

Kulturhaus Pumpwerk Tom Schilling gastiert mit seiner Band Jazz Kids / Neue und alte Stücke aus der Feder des Schauspielers sind zu hören

Dunkle Chansons aus düsteren Zeiten

„Und wenn es draußen kalt und dunkel wird und ein höhnischer Wind durch die Straßen weht, kommen die Kinder ins Warme und spielen Euch: neue deutsche Lieder über die Liebe und den Tod.“ Mit diesen Worten kündigt der Berliner Schauspieler und Gewinner des deutschen Filmpreises Tom Schilling sein musikalisches Gastspiel mit seiner Band – den Jazz Kids – im Pumpwerk an. Am Mittwoch, 4. Dezember, 20 Uhr, ist er im Kulturhaus zu Gast. Bereits seit vielen Jahren komponiert und schreibt Tom Schilling Lieder. Der spröde Charme in Schillings Gesang und die herzliche Boshaftigkeit seiner Texte schaffen eine düstere, melancholische Atmosphäre. Wir haben uns mit Tom Schilling über sein Gastspiel unterhalten:

Herr Schilling, sind Sie ein fröhlicher Mensch? Ihre Lieder sind ja zum Teil sehr melancholisch, düster.

Tom Schilling: Ich bin, glaube ich, ein durchaus melancholischer Mensch, aber man muss sich um mich keine Sorgen machen. Auch um meine Kinder nicht. Es wird viel gelacht zuhause, seien Sie sicher.

Sie bringen ihre zweite LP mit nach Hockenheim, werden Sie neue Stücke spielen?

Schilling: Nein, das stimmt nicht ganz, wir spielen die ersten neun Kompositionen, aber die Platte gibt es noch nicht. Das haben wir bei unserem ersten Album genauso gemacht, dass wir die Lieder vorab gespielt haben und schauen, wie sie funktionieren. Klingt vielleicht ungewöhnlich, aber es klappt. Mal sehen, ob sie uns noch gefallen, wenn wir sie zehnmal vor Livepublikum gespielt haben. Ja, eine Weltpremiere, ohne dass es das fertige Werk schon gibt.

Sie behalten sich also die letzte Prüfung vor, bevor die Stücke auf die Platte kommen?

Schilling: Genau.

Gute Idee, man muss ja längere Zeit miteinander zurechtkommen - das gilt auch für Lieder.

Schilling: Richtig.

Sie sind als Schauspieler bekannt, wie war Ihr Weg zur Musik. Oder bedingt das eine das anderen?

Schilling: Nein, das bedingt sich nicht unbedingt. Es sind ausführende Künste, wo man etwas vorführen muss. Ich habe angefangen, Lieder zu schreiben, wobei mir aufgefallen ist, dass ich mich damit auf eine Weise mitteilen kann, die mir bei der Schauspielerei verwehrt bleibt.

Weil Sie Ihre eigenen Texte schreiben?

Schilling: Genau. Das ist natürlich der Riesenunterschied, dass ich selber schreiben kann, was mir als Schauspieler verwehrt bleibt.

Sie haben sich das Gitarre- und Klavierspielen selbst bei gebracht?

Schilling: Ja, und ich habe es mir recht spät beigebracht. Ich hatte irgendwann das Bedürfnis, es zu lernen. Ich hatte eine Gitarrenstunde, Klavierunterricht hatte ich erst kürzlich mal für einen Film, aber da konnte ich es schon.

Da waren Sie schon versierter im Musikbetrieb. Schilling: Ja, ich sage es einmal so. Ich bin wirklich ein klassischer Autodidakt, ich liebe das total, mir Sachen selbst beizubringen. Ich knie mich da fast manisch hinein, will Sachen durchdringen. Ich glaube, und das ist mein Motto, es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Sie sind ja mit den Jazz Kids unterwegs, aber ich glaube Jazz wird nicht gespielt.

Schilling (lacht): Höchstens Straf-Jazz. Helge Schneider macht das immer, wenn das Publikum nicht spurt. Aber nein, wir spielen keinen Jazz, wir spielen meine Kompositionen und einige Coversongs, die uns lieb sind und die auch gut musikalisch in unser Repertoire hineinpassen. Das ist meine Musik, ich nenne es immer dunkle Chansons.

Kommen Sie mit Ihrer Band erstmals in die Gegend?

Schilling: Wir waren schon mal in Reutlingen, doch das liegt wohl weiter südlich. Unser Schlagzeuger kommt aber aus Weinheim in der Nähe von Heidelberg.

Stichwort Band – spielen Sie schon lange zusammen, Ihre erste LP Vilnius ist ja seit gut zwei Jahren auf dem Markt.

Schilling: Uns gibt es seit fünf Jahren.

Das merkt man. Ihre Band und Ihre Stimme passen gut zusammen, auch wenn manchmal ein düsteres Bild gezeichnet wird.

Schilling: Die neuen Stücke werden noch düsterer, aber man darf zwischen den Liedern noch lachen. Auf jeden Fall, wir freuen uns auf das Konzert, aufs Pumpwerk.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional