Hockenheim

Lockerung der Corona-Restriktionen Andrang auf Spielplätze verhalten / Eltern lassen Vorsicht walten / Abstandsregeln werden eingehalten

Emilia kann endlich wieder auf die Schaukel

Archivartikel

„Wir sind wirklich sehr froh, dass die Spielplätze wieder geöffnet haben“, sagt Anne Geser, während ihre dreijährige Tochter Emilia mit einem breiten Grinsen auf der Korbschaukel durch die Luft saust. Die beiden haben sich den großen Spielplatz im Landesgartenschaupark zum Herumtollen ausgesucht, quasi als Kontrastprogramm zu den vergangenen Wochen.

„Wenn man nur eine Wohnung mit Balkon hat, ist das ohne Spielplätze gar nicht so einfach“, berichtet Anne Geser weiter, „zum Glück konnten wir immer zu meinen Schwiegereltern gehen, die haben einen großen, schönen Garten.“ Emilia ist derweil hin und hergerissen, welches Spielgerät als nächstes beturnt werden soll. Die Rutsche? Doch lieber auf die Wippe? Nach so langer Abstinenz will das Spielplatzerlebnis eben voll ausgekostet werden.

Spielen, Toben, Lachen

Auch andere sind in den Gartenschaupark gekommen, spielen, toben und lachen. Mütter sitzen – mit gebührlichen Abstand – auf den Bänken und plauschen, Väter geben Hilfestellung am Klettergerüst. So groß, wie der Andrang an vergleichbar sonnigen Tagen im vergangenen Jahr gewesen wäre, ist die kleine Spielplatzgemeinde an diesem Tag allerdings nicht.

Auch scheinen derzeit nicht nur die überfürsorglichen Eltern ihrem Nachwuchs nicht von der Seite weichen zu wollen: Kaum ein Dreikäsehoch spielt alleine oder mit anderen Kindern auf den Geräten, alle Erwachsenen sind darauf bedacht, genügend Abstand zu halten – für ihre Kinder müssen sie eben mit aufpassen. Möglich, dass sich auch deshalb der Andrang in Grenzen hält. „Ich hätte mehr Leute erwartet“, sagt auch Anne Geser, „wahrscheinlich sind viele einfach noch unsicher.“

Seit vergangenem Mittwoch dürfen die Spielplätze wieder betreten werden – die Infektionsrate war gesunken, Maßnahmen gelockert worden. Weiter hoch scheint aber tatsächlich die Unsicherheit zu sein, wie im Gespräch mit anderen Müttern klar wird. Sandra Wiedemann sitzt am kleinen Spielplatz im Alten Fahrerlager auf einer Bank. Sie ist mit ihren Kindern Zoe (9) und Elias (6) dort hinaus gekommen, um zu skaten. „Wir meiden die großen Spielplätze“, sagt sie, „jetzt direkt in die ,Alla hopp‘-Anlage zu rennen, wäre unlogisch.“ Das Abstandhalten sei für Kinder sowieso schon schwierig – volle Spielplätze wenig zielführend.

Ebenso Verabredungen: „In den ,Mutti-Gruppen‘ geht es jetzt schon los, dass sich einige zum Spielen verabreden wollen“, berichtet Wiedemann kopfschüttelnd. Die Zeit ohne Spielplätze konnte die Familie in der Natur überbrücken: „Wir haben uns ziemlich zu Beginn von allem neue Fahrräder gekauft und sehr viele Touren unternommen“, sagt sie.

Zusammen mit Sandra Wiedemann sitzt, am anderen Ende der Bank, Lisa Ziegler. „Für uns ist das Thema Spielplatz noch nicht wirklich aktuell“, sagt sie und wiegt ihre acht Wochen alte Tochter Emma auf dem Arm. Dass Eltern noch vorsichtig sind, hat auch sie beobachtet: „Ich laufe viel mit dem Kinderwagen durch die Stadt“, erzählt sie, „auf den Spielplätzen habe ich seit Mittwoch nicht viele Leute gesehen.“

Eigenverantwortung funktioniert

Diese Vorsicht ist sicherlich angebracht – und vielleicht auch der Schlüssel zum Erfolg der Lockerungen. Wie die Stadtverwaltung auf Anfrage erklärt, gibt es keine gesonderten Kontrollen, ob sich beim Spielplatzbesuch jeder an die Regeln hält. Abstandsmarkierungen und Ähnliches, wie es beim Einkauf mittlerweile zum Bild gehört, wären wohl kaum praxistauglich. Doch Eigenverantwortung und Vorsicht scheinen bislang prima zu funktionieren.

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