Hockenheim

Verein für Heimatgeschichte Neue Ausgabe von „Unterm Wasserturm“ / Tabakanbau war einmal ein Markenzeichen

Entwicklung Hockenheims zur Stadt

Hockenheim.Der Verein für Heimatgeschichte hat die sechste Ausgabe von „Unterm Wasserturm“ herausgegeben. Darin werden jährlich Hockenheimer Beiträge zur Heimatgeschichte veröffentlicht. Diesmal lautet das Thema: „1895 – 2020, 125 Jahre Stadt Hockenheim“.

Alfred Rupp verweist eingangs darauf, dass im Jubiläumsjahr fast alle Veranstaltungen hätten pandemiebedingt ausfallen müssen. Deshalb befasse er sich in seinem Beitrag zum Jubiläum mit der Entwicklung Hockenheims von der Stadt hin zur Großen Kreisstadt. Wichtige Marksteine der Entwicklungen Hockenheims seien dabei die Eröffnung der Rheintalbahn und die Reichsgründung nach dem Deutsch-Französischen Krieg in den Jahren 1870/71 gewesen.

Der Tabak- und der Spargelanbau bedeuteten im 19. Jahrhundert wichtige Einnahmequellen. Durch den Tabakanbau initiiert, habe die Tabakverarbeitung in den Zigarrenfabriken den Menschen Arbeit verschafft. Beinahe 120 Jahre, bis zum Jahr 1979, seien in Hockenheim Zigarren hergestellt worden.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts habe eine gewaltige Aufbruchsstimmung in Hockenheim geherrscht, davon zeugten viele öffentliche Bauten im Jugendstil aus jener Zeit. Hockenheim habe, so Alfred Rupp, ein Jugendstilensemble, das seinesgleichen suche. Die öffentliche Wasserversorgung und das städtische Gaswerk seien zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingerichtet worden. Der Erste Weltkrieg habe diese Entwicklung unterbrochen. Lediglich die Verlegung des Stromnetzes 1919 bis 1921 und der Bau der Rennstrecke 1932 seien aus der Zeit zwischen den Weltkriegen erwähnenswert.

Spuren des Krieges

Die Naziherrschaft ab 1933 und der Zweite Weltkrieg hätten in Hockenheim ihre Spuren hinterlassen. Das Abbrennen der Synagoge, die Deportation der Hockenheimer Juden, die Verhaftung missliebiger Bürger und die Granaten und Bomben auf Hockenheim seien beredte Zeugnisse davon. Die Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg sei geprägt gewesen durch die Aufnahme von Heimatvertriebenen, die Wohnungszwangsbewirtschaftung und die Lebensmittelmarken.

Der Umbau der Rennstrecke zum Motodrom im Jahr 1964 und die Weiterentwicklung zum Hockenheimring Baden-Württemberg 2002 hätten die Voraussetzung zur Durchführung der Formel I-Rennen geschaffen. Durch die Industrieansiedlung ab der Mitte des 20. Jahrhunderts habe Hockenheim tausende Arbeitsplätze erhalten. Die gestiegenen Steuereinnahmen hätten die Voraussetzung für die Entwicklung von Schulen, Sport- und Kultureinrichtungen geschaffen. Hervorzuheben seien hier das Aquadrom und die Stadthalle. Die Kirchliche Sozialstation und die Altenpflegeheime in kirchlicher und privater Trägerschaft seien wichtige Einrichtungen der Daseinsvorsorge.

Durch den Bau der Schnellbahntrasse und der damit verbundenen Verlegung der Rheintalbahn habe Hockenheim ein Gelände erhalten, das die Durchführung der Landesgartenschau 1991 und die Renaturierung des Kraichbachs ermöglicht habe. Die Landesgartenschau sei ein Glanzpunkt der jüngeren Geschichte der Großen Kreisstadt. Eine sinnvolle Fortsetzung der Kraichbachrenaturierung sei das Hochwasserschutz- und Ökologieprojekt (HÖP), das 2020 fertiggestellt wurde.

Alfred Rupp verweist in seinem Beitrag auf die Hockenheimer Städtepartnerschaften und -patenschaften und nennt die Feste, die das gesellschaftliche Leben bereicherten. Durch die Kommunalreform in Baden-Württemberg sei Hockenheim 1976 Untere Verwaltungsbehörde für die Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft und Unterzentrum geworden. Nach Erreichen der erforderlichen Einwohnerzahl von 20 000 Einwohnern habe die Landesregierung im Jahr 2001 Hockenheim zur Großen Kreisstadt erhoben. hr

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