Hockenheim

Erinnerungen mit Ausblick

Brot und Wasser stillen den Hunger, aber unsere Kultur hat die Gastronomie erfunden, schrieb einst Honoré de Balzac. Dies findet man auch in Hockenheim gut und deshalb wünschte und dachte man, hoffte und erwartete man eines: „Uffmache“. Und damit sind die Gaststätten, die Restaurants, die Kneipen und die Cafés gemeint, die nun wieder für ihre Besucher da sind.

Klar, im Laufe der Jahrzehnte hat sich die „gastronomische Landschaft“ auch in Hockenheim stark verändert. Geblieben ist aber die unveränderliche Tatsache, dass Wirtschaften und Cafés wichtige Treffpunkte sind.

Das waren sie früher, das sind auch heute noch. Blicken wir zurück: Sicherlich hatte jeder Hockenheimer seine „Stamm-Wertschaft“, manche vielleicht auch „sicherheitshalber“ zwei oder mehr. Schließlich waren es Treffpunkte für alle, für Handwerker, für Vereine, für Sportler, für Nachbarn und Freunde und überall wurde kräftig „dischbudiert“.

Und auch an vielen Hockenheimer Stammtischen wurden Lösungen für (fast) alle Probleme der Welt gefunden, ob dies nun im „Walfisch“ war oder im „Waldhorn“, in der „Eintracht“ oder im „Pflug“ oder im „Österreichischen Kaiser“, der früher „Russischen Kaiser“ hieß, später dann „entpolitisiert“ unter „Stadtschänke“ firmierte, bevor er „internationalisiert“ zum „City-Pub“ wurde. Entsprechend populär waren oft auch die Wirte, kein Wunder, dass in Hockenheim sogar eine Straße Ottostraße heißt, benannt nach dem legendären Wirt des „Löwen“, Otto Kuhn.

Auch so manche Mitarbeiter sind den älteren Hockenheimern ein Begriff, stellvertretend sei „das stadtbekannte Bienchen“ genannt, die vor über drei Jahrzehnten verstorbene Philippina Schweigert hatte unter anderen in Gasthäusern wie „Kanne“ und „Badischer Hof“ auch viel „Hoggemer Stadtgeschichte“ persönlich miterlebt, wie sie später gerne augenzwinkernd erzählte. Und wenn sie mit dem Fahrrad Es-sensportionen bei Rennen an den Ring bringen musste, galt es, vorsichtig zu fahren ...

Die Anekdoten und Geschichten aus Hockenheimer Kneipen würden Zeitungsseiten füllen, an den Stammtischen konnte jeder mitreden über Gott und die Welt und sonstige Bekannte. An manchen Stammtischen soll man auch den Spruch gelesen haben: „Rede nicht so viel über Dich selbst. Das machen wir schon, wenn Du draußen bis.“ Im Umkehrschluss könnte man sagen: Hier wurde wirklich an jeden gedacht.

Nun darf also das Restaurant oder Café „unseres Vertrauens“ wieder öffnen. Da ist es egal, was konkret auf der Karte steht und welche Sprache der Koch am besten spricht. Hauptsache, er spricht uns kulinarisch an und er vermittelt uns seine Gastfreundschaft, selbst bei coronabedingten Einschränkungen.

Ein Hoch auf die Gastronomie und ein Dank an all diejenigen, die sich vor und hinter dem Tresen um uns kümmern. Wir wissen ja, so eine Stammkneipe hat gleich zwei Vorzüge: Man ist erstens nicht zu Hause und zweitens trotzdem nicht an der frischen Luft.

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