Hockenheim

Amtsgericht Sechs Monate Bewährung für 35-Jährigen / Er sei durch Alkohol enthemmt gewesen

Exhibitionist ist verurteilt

Archivartikel

Wegen exhibitionistischer Handlungen musste sich ein 35-jähriger Hockenheimer vor dem Amtsgericht Schwetzingen verantworten. Der Beschuldigte soll sich an einem Novemberabend des vergangenen Jahres im Bereich der Eisenbahnstraße und vor dem Bahnhofsgebäude unsittlich präsentiert haben.

Zunächst sei der Mann mit herabgelassener Hose und entblößtem Penis einer 55-jährigen Frau gegenübergetreten, so die Anklage der Staatsanwaltschaft Mannheim. Anschließend habe er vor einer damals 15-jährigen Schülerin onaniert und sie dabei angegrinst. Das Mädchen hatte seine Mutter telefonisch über den Vorfall informiert. Polizeibeamte des Reviers Hockenheim trafen den Mann noch am Tatort vor dem Bahnhof an. Nachdem der 35-Jährige die Polizisten bemerkte, versuchte er zu fliehen. Wegen der herabhängenden Hose stolperte er jedoch und konnte von den Beamten vorläufig festgenommen werden. Ein Atemalkoholtest zeigte einen Wert von knapp zwei Promille.

Der Angeklagte wollte in der Hauptverhandlung nichts zur Sache sagen. „Er ist uns in den Weg gelaufen und dabei über seine Hose gestolpert“, gab ein 55-jähriger Polizeibeamter zu Protokoll. Da der Beschuldigte schon wegen anderer Handlungen polizeilich erfasst gewesen sei, habe das Fachdezernat der Kripo den Fall übernommen. Die 55-jährige Geschädigte erkannte den Angeklagten vor Gericht. Der Mann habe sich vor ihr mit entblößtem Genital hingestellt, daraufhin habe sie ihn angeschrien, so die Zeugin. Das Mädchen hatte zunächst gar nicht mitbekommen, dass der 35-Jährige in ihrer Nähe onaniert hat. Erst ein Paar in einem Auto hatte die Schülerin darauf aufmerksam gemacht, die daraufhin den Rat ihrer Mutter beherzigte und vom Bahnhof weglief. Sie sei aufgewühlt gewesen, habe extreme Angst gehabt und habe weinen müssen, sagte die 15-Jährige.

Angeklagter ist Wiederholungstäter

Der Mann hat seit 2001 fünfzehn Eintragungen im Bundeszentralregister, unter anderem wegen Einbruch, Diebstahl, Fahren ohne Führerschein, Sachbeschädigung, Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz und vorsätzlicher Trunkenheit. Vor acht Jahren hatte er in Hockenheim schon einmal die Hosen ausgezogen, um sich vor Frauen sexuell zu erregen. Die Folge war ein Strafbefehl über 1800 Euro gewesen. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft sah eine verminderte Schuldfähigkeit wegen der hohen Alkoholisierung des Angeklagten. Aber auch der Rauschzustand zum Tatzeitpunkt rechtfertige eine Freiheitsstrafe, forderte er sechs Monate Gefängnis für den Wiederholungstäter. Einen gestörten Sexualtrieb könne man therapeutisch behandeln lassen.

Richterin Sarah Neuschl urteilte auf sechs Monate auf Bewährung. Die Zeugenaussagen hätten keine Diskrepanzen ergeben. Der vorbestrafte 35-Jährige sei bei den Taten alkoholmäßig enthemmt gewesen, so die Vorsitzende. Die beiden Frauen hätten sich zu Recht belästigt gefühlt. Die Bewährungszeit wurde auf drei Jahre festgelegt. Der Angeklagte solle sich das Urteil als Warnung dienen lassen, nicht mehr straffällig zu werden und sich wegen seiner Alkoholsucht an die Forensische Ambulanz Baden wenden. „Vielleicht hilft es Ihnen, dass so etwas in Zukunft nicht mehr passiert“, gab die Richterin dem Verurteilten mit auf den Weg.

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