Hockenheim

Fasnacht nur als Vorwand

Archivartikel

Matthias Mühleisen bedauert Krawalltouris-mus rund um den Zug

Es sind Parallelwelten, die da alljährlich mal mehr, mal weniger friedlich koexistieren, wenn der Hockenheimer Fasnachtszug durch die Straßen zieht. Auf der einen Seite die Zugteilnehmer, die oft große Kreativität und viel Zeit auf ihre Wagen und Kostüme verwenden und diese gut gelaunt präsentieren, sowie die Zuschauer, meist selbst kostümiert und bereit, ihren Teil zum farbenfrohen Bild und der fasnachtlichen Ausgelassenheit beizutragen.

Auf der anderen Seite rücken scharenweise Zaungäste an, die sich um den Anlass des Straßenspektakels, den Umzug, herzlich wenig scheren, die die Wagen und Kostüme der Teilnehmer kaum eines Blickes würdigen und die die Brauchtumsveranstaltung offenbar nur zum Anlass nehmen, unter Druckbetankung die Konfrontation zu suchen: mit Gleichgesinnten, aber auch mit Ordnungskräften, Polizei, ja sogar Zugteilnehmern und Publikum.

„Krawalltouristen“ nennt Tobias Nolting, Geschäftsführer des Hockenheimer Marketing-Vereins, diese ungebetenen Gäste, für die der Verein als Veranstalter einen enormen Sicherheitsaufwand betreiben müsse, dessen Kosten die Grenze zur Fünfstelligkeit locker überschreiten. Rund 80 Securitykräfte zahlt der HMV, dazu sind aufgrund der Eskalationen nochmals 80 Polizeibeamte gekommen, um die Lage in den Griff zu bekommen.

Schade, dass ein Ereignis, das so viele positiv gestimmte Menschen in die Stadt zieht, derart umfangreiche negative Begleiterscheinungen hat. Saufen bis zum Umfallen oder Ausrasten hat mit Fasnacht nichts zu tun. Doch wie soll der HMV dem Herr werden – dem Aufwand sind finanzielle und personelle Grenzen gesetzt. Eine Alkohol-Bannmeile um den Festbereich wäre wohl nur für diesen selbst eine Lösung – und das Geschehen würde sich verlagern.

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