Hockenheim

Amtsgericht 25-Jähriger hat in Fortuna-Passage Kontrahenten verletzt / Jochbeinbruch nach Sturz

Faustschlag hat schwere Folgen

Schwetzingen/Hockenheim.Die schwerwiegenden Folgen einer Schlägerei vom Frühsommer des vergangenen Jahres waren Gegenstand einer Verhandlung vor dem Amtsgericht in Schwetzingen.

Die Staatsanwaltschaft Mannheim warf dem 25-jährigen Angeklagten aus Hockenheim vor, seinem Kontrahenten im Bereich eines Lokals in der Fortuna-Passage zu vorgerückter Stunde einen Faustschlag versetzt zu haben. Dieser war dadurch gestürzt und hatte sich erhebliche Gesichtsverletzungen, darunter einen Jochbeinbruch, zugezogen. Die Verletzung führte zu einem mehrtägigen Krankenhausaufenthalt.

Strafbefehl erst nicht akzeptiert

Die erheblichen Folgen waren offensichtlich auch der Grund, dass die Anklagebehörde in diesem Fall ein „besonderes öffentliches Interesse“ an der Strafverfolgung befürwortete. Die Verhandlung war notwendig geworden, nachdem der Angeklagte einen erlassenen Strafbefehl nicht akzeptiert und Widerspruch eingelegt hatte.

Der Grund für die Ablehnung des Strafbefehls wurde in der Hauptverhandlung sehr schnell deutlich. So ließ er durch seinen Rechtsanwalt erklären, die Tat nicht begangen zu haben. Der Angeklagte selbst brachte zum Ausdruck, dass er im vergangenen Jahr mehrere tiefgreifende persönliche Schicksalsschläge zu verkraften hatte, unter anderem den Verlust von liebgewonnenen Angehörigen. Im Dezember habe er einen Nervenzusammenbruch erlitten.

Bevor die Hauptverhandlung in die Beweisaufnahme eintrat und mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt wurde, erläuterte der Vorsitzende, Richter Schneid, einige grundlegende Fakten. Seine Ausführungen richteten sich dabei im Wesentlichen an den Angeklagten und dessen Verteidiger. So brachte Richter Schneid zum Ausdruck, dass er bei Erlass des von ihm unterzeichneten Strafbefehls über 90 Tagessätze einigermaßen mit sich gerungen habe, dies insbesondere mit Blick auf die erheblichen Verletzungen des Geschädigten.

Er machte deutlich, dass die Höhe für ihn im unteren Bereich angesiedelt sei und – je nach Verlauf der Beweisaufnahme – ein höheres Urteil denkbar wäre. So ging er insbesondere auf die vom Angeklagten ins Verfahren eingeführten Zeugen ein, die zunächst nur widerwillig bei der Polizei erschienen seien und dann auch kaum etwas Sachdienliches zum eigentlichen Geschehen geschildert hätten.

Ein positiverer Ausgang des Verfahrens sei für ihn nach Aktenlage nicht erkennbar. Natürlich könne sich dies im Verlaufe der Hautverhandlung noch ändern. Schneid wandte sich an den Verteidiger mit der Frage, ob er sich nicht noch einmal mit seinem Mandanten über das weitere Vorgehen besprechen wolle.

Höhe des Tagessatzes noch offen

Der Verteidiger griff dies auf. Nach kurzer Pause erklärte er, dass der Angeklagte seinen Einspruch auf die Rechtsfolgen beschränken würde. Damit akzeptierte er den zuvor abgelehnten Strafbefehl und beschränkte sich nur noch auf die Forderung, dass die Höhe des Tagessatzes überprüft oder reduziert werde. Er hob insbesondere auf die schwierige finanzielle Lage seines Mandanten ab, der seit September vergangenen Jahres arbeitslos sei, bei seinem Vater lebe, von ihm finanziell unterstützt werde und in Kürze beabsichtige, Hartz IV zu beantragen.

Dank der zielführenden Argumentation und der hilfreichen Ausführungen des Vorsitzenden sowie dem damit einhergehenden Einlenken der Verteidigung blieb allen Prozessbeteiligten somit eine langwierige und mühsame, aber auch nervenaufreibende Beweisaufnahme erspart.

Damit hat der Strafbefehl wegen Körperverletzung mit 90 Tagessätzen Bestand. Über deren Höhe befindet Richter Schneid nach genauer Abwägung der finanziellen Verhältnisse des Angeklagten.

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