Hockenheim

Gauß-Gymnasium 79 Abiturienten erhalten bei Feier in der Stadthalle ihr Abschlusszeugnis / Aus Konventionen ausbrechen, um Neues zu finden

„Findet das Besondere in euch“

Archivartikel

Hockenheim.Sie haben die Hochschulreife erworben: 79 Abiturienten des Gauß-Gymnasiums nahmen in einer Feierstunde in der Stadthalle ihr Abschlusszeugnis entgegen und wurden mit viel Lob und guten Wünschen in die Zukunft entlassen. Besondere Anerkennung galt all denjenigen, die herausragende Leistungen erbracht hatten: Gleich drei Schüler – Jennifer Häusler, Julian Thier und Emil Weikinn – erreichten die Traumnote 1,0 und bei 29 Schülern stand eine Eins vor dem Komma.

„Dies ist ein besonderer Moment, den es zu feiern gilt“, beglückwünschte Jörg Bühler die Absolventen. Die gemeinsame Schulzeit sei zu Ende, es gelte Abschied zu nehmen und gleichzeitig an den Start zu treten für ein Leben nach der Schule, so der stellvertretende Schulleiter vor Eltern, Familien, Freunden sowie einer großen Zahl an Ehrengästen.

„Gestern waren sie noch Kinder, sage mir, wann sind sie groß geworden?“. Mit diesen Worten aus dem Musical „Anatevka“ eröffnete Anja Kaiser ihre Rede. Die Schulleiterin freute sich, die jungen Menschen in den vergangenen acht Jahren mit begleitet zu haben. Sie bescheinigte Eltern und Lehrern, aus jungen Menschen „junge Persönlichkeiten“ gemacht und ihren „Erziehungsauftrag mit Bravour“ gemeistert zu haben.

Humanismus verpflichtet

Trotz höchster Leistungsbereitschaft und Durchhaltevermögen, die von den Schülern abverlangt würden, so Kaiser weiter, verpflichte sich das Gauß-Gymnasium dem humanistischen Gedanken, dass der einzelne Mensch stets im Mittelpunkt stehe.

In diesem Zusammenhang nutzte Anja Kaiser, die ebenfalls am Gauß ihr Abitur gemacht hatte, die Gelegenheit, den Anwesenden, darunter auch die beiden ehemaligen Schulleiter Joachim Kriebel und Dr. Walter Weidner, für die Unterstützung in ihrem Werdegang zu danken. Außerdem versprach sie, die Tradition des Gauß weiterzuführen und sich für Leistungsbereitschaft, die Wissenschaften, Kunst und Theater, das soziale Miteinander und Verantwortungsbewusstsein einzusetzen.

Zuletzt riet Kaiser den jungen Menschen mit den Worten Goethes, nicht immer nur glatte und gewöhnliche Wege zu beschreiten, sondern forderte sie auf: „Findet das Besondere in euch“, wofür sie ihnen auch die richtigen Wegbegleiter wünschte.

Auch Emil Weikinn beschäftigte sich in seiner Rede mit Tradition. Tradition, so der Scheffelpreisträger, sei ein Wort, das sein Trommelfell in Schwingungen versetze. Traditionen hielten alte Denkstrukturen aufrecht, schafften Sicherheit, besinnten sich auf Altes zurück, trügen aber auch zur Identitätsfindung bei. Stures Festhalten daran, so Weikinn weiter, sei allerdings nicht sinnvoll. Wo bleibe da die Innovation, wo die Revolution? Manchmal müsse man aus Konventionen ausbrechen, um Neues zu finden, um den Grundstein für neue Traditionen zu setzen.

Träume – keine Scheuklappen

In die Schar der Gratulanten reihte sich Oberbürgermeister Dieter Gummer ein, der beteuerte, dass der „Weg zum Schulabschluss für Eltern, Lehrer und Schüler eine nervenaufreibende Sache“ gewesen sei. Nichtsdestotrotz seien die Möglichkeiten nach dem Abitur noch immer vielfältig, reichten von einer Berufsausbildung bis zum Hochschulstudium. Bei der Entscheidung sollten, so Gummer, zwei Fragen als Leitmotive gelten: Was interessiert mich? Was macht mir Spaß?

Kai Stäcker vom Elternbeirat griff in seinem Grußwort das Abimotto „Gaußraus – Punkte statt Streifen“ auf und befragte dazu Sprachassistentin Alexa. Nachdem ihm deren Assoziationen nicht weiterbrachten, formulierte er vier Punkte, die ihm wichtig waren, darunter vor allem die Aufforderung, zwar Träume zu haben, diese aber nicht mit Scheuklappen zu verfolgen. „Lasst Träume sich auch verändern, verändert eure Ziele“. Außerdem fiel ihm die ehrenvolle Aufgabe zu, Lukas Vollendorff den Gauß-Preis für soziales Miteinander zu verleihen. Geehrt für ihr Engagement als Schülersprecher wurden zudem Ivan Keskic und Mathuraa Vivekananthan von der SMV, vertreten durch Jannica Schütz und Louis Blaser.

Auch Konrad Schillinger vom Freundeskreis freute sich mit den Absolventen über ihre Leistungen und ihren persönlichen Erfolg. Im Anschluss zitierte er einen Spruch, der über dem Eingang der Freiburger Universität steht: „Die Wahrheit wird euch freimachen“. Dazu gab er mit auf den Weg: „Überprüft alles, nehmt nichts für wahr hin. Die Wahrheit muss manchmal mühsam aufgespürt werden.“ Und nicht zuletzt: „Wer sich der Wahrheit verpflichtet, dient der Freiheit“.

Musikalisch gestaltet wurde die Feierstunde vom großen Chor des Gauß-Gymnasiums, dem Musicalorchester, den Preisträgern des Stober-Musik-Preises (Thomas Fritzler, Adrian Gallet, Sebastian Rein, Julian Seiler, Lukas Vollendorff) und dem vierstündigen Musikkurs (musikalische Gesamtleitung: Oberstudienrat Bernhard Sommer) mit „An Irish Blessing“ (Thomas Moore), „Sunrise, Sunset“, „Tradition“ (Jerry Bock – aus dem Musical „Anatevka“), „Strasbourg“ (Roy Hargrove), „Isn’t she lovely“ (Stevie Wonder) und „Selections from Cats“ (Andrew Lloyd Webber).

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