Hockenheim

Asylnetzwerk Stammtisch der Ehrenamtlichen in neuer Form auf Anhieb ein Erfolg / Erweiterung der Adressaten soll für zusätzliche Ideen sorgen

Flüchtlinge zur Teilnahme ermuntern

Getreu der Devise „Neue Besen kehren gut“ hatte sich der erst seit wenigen Wochen im Amt befindliche Integrationsbeauftragte der Stadt Hockenheim, Alexander Leist, für das erste von ihm organisierte Ehrenamtstreffen etwas einfallen lassen. Er erweiterte kurzerhand die Liste der Eingeladenen, indem er Vertreter der Lokalen Agenda, des Kinderschutzbundes und insbesondere aus den Reihen der in Hockenheim untergebrachten Geflüchteten direkt ansprach und die Tagesordnung der Veranstaltung gezielt auf die Interessen der zusätzlich eingeladenen Gäste fokussierte.

Diese zuvor mit der Stadtspitze und dem Sprecherkreis des Asylnetzwerks abgestimmte Vorgehensweise zeigte denn auch gleich beim ersten Versuch eine durchschlagende Wirkung. Mehr als 25 Teilnehmer fanden sich in der vergangenen Woche im Stadthallen-Restaurant Rondeau zu der Neuauflage des Ehrenamts-Stammtischs ein. Darunter auch viele Vertreter der Geflüchteten aus Syrien, der Türkei, des Sudan und anderer Nationen. Zunächst informierten Vertreter des Asylnetzwerks die Anwesenden über aktuelle Zahlen zu den Themen Zuwanderung und Abschiebungen im laufenden Jahr. Dabei wurde deutlich, dass die Anzahl neu gestellter Asylanträge zwar insgesamt auf dem Niveau des Vorjahres liegen wird, dass sich jedoch für Baden-Württemberg eine wesentliche Verschiebung hinsichtlich der Herkunftsländer der Neuantragsteller abzeichnet.

Hauptkontingent aus der Türkei

Aufgrund aktueller politischer Ereignisse kann dabei kaum überraschen, dass Flüchtlinge aus der Türkei in 2019 absehbar die stärkste Bevölkerungsgruppe bei den Antragstellern repräsentieren werden.

Den Schwerpunkt der Veranstaltung selbst bildete jedoch eine breit angelegte und vielschichtige Diskussion von Stärken und Schwächen der Integrationsbemühungen in Hockenheim selbst, an der sich auch die ausländischen Gäste engagiert beteiligten. Nicht überraschen konnte dabei, dass sich die konstruktiven Gespräche und Wortbeiträge vorrangig um die Wohn- und die Bildungssituation für Geflüchtete in Hockenheim drehten. Im Bildungsbereich standen Wünsche nach zusätzlichen Sprach- und Alphabetisierungskursen, insbesondere auch für bisher nicht anerkannte Geflüchtete mit Duldungsstatus, ganz oben auf der Forderungsliste.

Kritisiert wurde zudem, dass die Landesregierung es bis dato versäumt hat, alle verfügbaren Schulformen und deren Lehrkräfte hinreichend auf den Umgang mit Schülern aus dem Flucht- und Migrationsumfeld vorzubereiten und auszustatten.

Hinsichtlich einer schnellen Verbesserung der Wohnsituation Geflüchteter und anderer sozial benachteiligter Menschen in Hockenheim wurden die bisherigen Bemühungen der Stadtverwaltung um die Errichtung neuer Wohngebäude für diese Zielgruppen zwar gewürdigt. Seitens des Asylnetzwerks wurde jedoch nochmals eine Verstärkung der Bemühungen der Stadt hinsichtlich der Schaffung von Anreizen zur Umwandlung bestehenden und aktuell aus verschiedenen Gründen leerstehenden Wohnraums angemahnt.

Prozesse optimieren

In der nun etablierten Form dieses Veranstaltungstyps hat der Ehrenamts-Stammtisch sichtbare Fortschritte gemacht. Die gezielte Erweiterung des Teilnehmerkreises und insbesondere die Einbeziehung der eigentlich betroffenen Geflüchteten in das Format führen nicht nur zu einer Belebung der Diskussionen, sondern sicherlich auch zu einer besseren Ideenfindung und auf mittlere Sicht auch zu einer Prozessoptimierung bezüglich der praktischen und pragmatischen Umsetzung neuer Ideen. kso

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