Hockenheim

Gelebte Solidarität

Archivartikel

Bereits am zweiten Tag zu Hause fällt mir zwar nicht die Decke auf den Kopf, durch Homeoffice und Haushalt bin ich auch gut beschäftigt, aber ich spüre mein Körper fordert Bewegung und frische Luft. Ich beschließe, aufs Fahrrad zu steigen und durch den Wald zu radeln, Wege zu fahren, wo ich vermutlich auf niemanden treffe. Die frische Luft tut gut, aber mit großem Entsetzen stelle ich fest, dass nicht nur der Stadtwald, sondern auch die größten Teile des Hardtwaldes in einem erschreckend schlechten Zustand sind, überall umgefallene Bäume, ein trauriges Bild. Die Menschheit steht vor gewaltigen Aufgaben, muss ressourcenschonender leben, um für die zukünftigen Generationen noch einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen.

Zurück zu Hause stelle ich fest, dass ich auf fremde Hilfe angewiesen bin, das bedingt die Quarantäne. Ich erinnere mich, dass mein Getränkehändler auch noch ausfährt, das ist telefonisch schnell geklärt, die Kästen werden vor die Haustür gestellt, ähnlich bei dem Fahrer der Tiefkühlfirma, der auch zufällig an dem Tag kommt, aber auch richtigerweise nur vor die Haustür stellt. Wie ist es aber mit den Lebensmitteln des täglichen Bedarfs? Meine Balkonnachbarin hat es mir angeboten und bringt mir von nun an in regelmäßigen Abständen vom Einkaufen etwas mit. Gelebte Solidarität, dabei kümmert sie sich jetzt neben ihrem Mann auch noch um mich. Ich werde mich bald revanchieren können; Vielen Dank, Roswitha!

Anmerkung der Redaktion: Die Reise liegt bereits weit mehr als 14 Tage zurück, das Quarantäne-Tagebuch wird hier zeitversetzt geschildert.

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