Hockenheim

Kriminalität Fallzahlen steigen um 6,7 Prozent an / Schwerpunkt liegt beim Ladendiebstahl

Gewalt gegen Polizei nimmt zu

Archivartikel

Nein, beschönigt werden soll nichts, betont Manfred Krampfert, der Leiter des Hockenheimer Polizeireviers, aber die Zahlen der Kriminalitätsstatistik 2018 geben auch einen Anlass zur Besorgnis. Zwei Zahlen der Statistik wollen ihm besonders gefallen – die Zahl der Wohnungseinbrüche im Bereich des Reviers ging im vergangenen Jahr deutlich zurück, von 46 auf 15, und die Aufklärungsquote erreichte mit über 62 Prozent den höchsten Wert seit zwei Jahrzehnten. Negativ stößt dem 1. Polizeihauptkommissar die Zahl der Rohheitsdelikte auf, sprich die Körperverletzungen, die mit 311 Taten den höchsten Wert des Langzeitvergleichs erreichen.

Besonders gravierend – auch die Gewalt gegen Polizeibeamte steigt. Krampfert sieht hier ein gesellschaftliches Problem am Wirken, eine Welle, die aus den Großstädten die Provinz erreicht. 20 Vorfälle, im Vorjahr elf, wurden registriert, bei den Angriffen und Widerstandshandlungen wurden acht Polizisten verletzt. In 17 weiteren Fällen wurden Beamte beleidigt oder bespuckt.

Polizeihauptkommissar Frank Winkler, Leiter der Führungsgruppe und der Stellvertreter von Krampfert, setzt wie dieser auf die Bodycams, die Körperkameras, die vom Revier konsequent eingesetzt werden und die eine abschreckende Wirkung haben sollen.

Zahlen sind Momentaufnahme

Grundsätzlich, so Krampfert, liefert die Kriminalitätsstatistik stets eine Momentaufnahme. Prägnanter sind für ihn die Langzeitvergleiche, die Durchschnittszahlen der vergangenen zwei Jahrzehnte. So stieg beispielsweise die Zahl der Straftaten insgesamt von 2416 auf 2578 an, womit sie auch über dem Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte liegt.

Besonders deutlich ist für Krampfert die Zunahme bei den Diebstahldelikten, die um 110 auf 860 Fälle kletterten, wobei der Anstieg am stärksten bei den Ladendiebstählen ausfiel, die nun fast ein Viertel der Delikte ausmachen. Beim Thema Rauschgift und Straßenkriminalität war nur ein geringer Anstieg zu verzeichnen, wobei bei Letzterem die Zahl der Fahrraddiebstähle stark zunahm.

Wohnungseinbrüche rückläufig

Wie gesagt, die Abnahme der Wohnungseinbrüche freute die Beamten am meisten, berühren sie doch besonders das Sicherheitsgefühl der Bürger. In Verbindung mit der hohen Aufklärungsquote ein Umstand, der Anlass zur Beruhigung gibt. Allerdings, so Winkler, dies sei kein Selbstläufer, die Bürger seien weiterhin aufgefordert wachsam zu sein, verdächtige Beobachtungen zu melden. Nur so, im Zusammenspiel mit der Polizei und deren Präsenz vor Ort ließen sich die Zahlen klein halten.

Auf der Gemarkung Hockenheim wurden im vergangenen Jahr 1692 Straftaten zur Anzeige gebracht, mehr als im Vorjahr, 1600, doch noch unter dem Langjahresschnitt. Besonders stark angestiegen sind die Diebstähle, von 492 auf 573, mit dem Schwerpunkt Ladendiebstahl. Auch die Vermögens- und Betrugsdelikte nehmen zu, wobei ein Gros auf den Waren- und Warenkreditbetrug entfällt. Die Rohheitsdelikte und Pkw-Aufbrüche haben gleichfalls deutlich zugelegt.

Eine Besonderheit sind die Rauschgiftdelikte mit 279 Straftaten. Hiervon entfallen allerdings 177 Delikte auf die Autobahnen als Tatort, sprich es waren Kontrollen der Autobahnpolizei, die jedoch der Gemarkung wegen Hockenheim zugeschrieben werden. Vergleicht man die Zahl der Straftaten mit der anderer Gemeinden, muss diese „Transitkriminalität“, wie es Krampfert nennt, herausgerechnet werden.

Kennzahl für kommunale Vergleiche ist die Häufigkeitszahl, sprich die Zahl der Straftaten bezogen auf 100 000 Einwohner. Diese liegt beispielsweise landesweit bei 5191, in Mannheim bei 10 818 und in Hockenheim bei 7783. Rechnet man die Autobahn als Tatort heraus, liegt Hockenheim bei 6072. Zwar immer noch deutlich über dem Landes- und Kreisdurchschnitt, 4392, aber zwischen den vergleichbaren Städten Schwetzingen, 8090, und Wiesloch, 4392.

Unter dem Durchschnitt

Ähnlich die Entwicklung in der Verwaltungsgemeinschaft, über die wir noch ausführlich berichten werden. Doch auch für Reilingen, 3274, Neulußheim, 4092, und Altlußheim, 4092, gilt – die Häufigkeitszahlen liegen unter den Werten von Land und Kreis. Weshalb Krampfert von einer entspannten Sicherheitslage spricht, einer Statistik ohne besondere Auffälligkeiten.

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