Hockenheim

Zehntscheune Beim Tag der Umwelt wird Rennstadt „Fairtrade-Town“ / Produktpalette wird größer / Botschafter Manfred Holz: bio, fair, regional und saisonal kaufen

Gleichauf mit Brüssel, Paris und München

„Ab heute ist Hockenheim Fairtrade-Town“, sagte Manfred Holz, Fairtrade-Ehrenbotschafter beim Tag der Umwelt. Die vielen Interessierten waren nicht nur gekommen, um die Ernennung zur Stadt mit fairem Handel zu erleben, der vielschichtig einen Platz gefunden hat, sondern um sich auch über die vielen Nachhaltigkeitsangebote in der Rennstadt zu informieren.

Rund um den offiziellen Ernennungsteil gab es diese mit vielen Aktionen zu entdecken: Man konnte den eigenen ökologischen Fußabdruck berechnen oder erfahren, wie unterschiedlich die Lebenserwartung in verschiedenen Ländern ist.

Die Beurkundung hatte einen zentralen Stellenwert, zu dem Adolf Härdle als dritter Stellvertreter des Oberbürgermeisters sagte: „Fairtrade steht für fairen Handel, der beinhaltet, dass in allen Teilen der Erde, Menschen, die Nahrungsmittel, Kleider und Gebrauchsgegenstände herstellen, garantiert wird, dass sie von ihrer Arbeit menschenwürdig leben können.“

Produkte mit dem Fairtrade-Siegel – das übrigens 85 Prozent der Deutschen kennen und das 96 Prozent als vertrauenswürdig ansehen – garantieren, dass soziale und Umweltstandards bei der Produktion eingehalten werden. „Als Fairtrade-Stadt setzt Hockenheim das deutliche Signal: Wir machen mit“, sagte Härdle mit Stolz, dass es eine lange Liste der Mitstreiter gibt.

Für die Erteilung des Titels waren fünf Kriterien zu erfüllen, denen innerhalb von knapp zwei Jahren entsprochen wurde. Der Ratsbeschluss, die Steuerungsgruppe, mindestens zwei fair produzierte Produkte im Angebot von Einzelhandelsgeschäften wie auch in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen, Kirchen sowie die Berichterstattung in den Medien waren die Kriterien.

Wichtigster Akteur im Einzelhandel ist dabei der Arche Weltladen, den es seit 1987 gibt, unterstrich Härdle. Er dankte der Buchhandlung Gansler und den Juwelier Zahn, die die Idee in ihren Läden umsetzen. Mittlerweile sind fünf Gastronomen mit im Boot: Aquadrom, Bonafede, et cetera, Eisdiele Italia und Rondeau. Es sind das Gauß-Gymnasium, die Hartmann-Baumann-Schule, die Schule am Kraichbach, der Südstadtkindergarten, die evangelische Kindertagesstätte Heinrich Bossert sowie die Vereine Deutsches Rotes Kreuz, der ökumenischen Arbeitskreis Dritte Welt und die Landfrauen dabei.

Mit Kleinem Großes bewirken

Die Rinklef GbR, die Deutsche Bank Finanzagentur Wallner und die Volkshochschule Hockenheim unterstützen die Aktion, tragen den fairen Gedanken in ihre Betriebe. Der Punkt, an dem „mit kleinen Dingen Großes bewirkt werde“ sei erreicht, jedoch wünsche man sich noch viele Mitmacher dazu, auch wenn das „wichtige Etappenziel“ Fairtrade-Town erreicht sei.

Eine zutreffende Aussage machte Manfred Holz vor der Auszeichnung: „Wenn auf der Welt so viel geteilt werden würde, wie bei Facebook, dann gäbe es keine Armut.“ Mit einigen Zahlen belegte er, wie der faire Handel in Deutschland 2018 um 22 Prozent zugelegt hat, dass Produkte aus fairem Handel in fast allen Läden Deutschlands angeboten werden. Die Produktpalette reicht von Kaffee, Bananen, Blumen bis zu Eiscreme, Nüssen, Wein und mehr.

Holz appellierte bio, fair, regional und saisonal zu kaufen. Mit der Urkunde reiht sich Hockenheim in die Liste zu Brüssel, Paris, München oder auch Saarbrücken ein, das 2009 erste Fairtrade-Stadt in Deutschland wurde.

Sehr geringe Lebenserwartung

Beeindruckt zeigten sich die Besucher von den vielen Fragen auf dem Weg, den eigenen ökologischen Fußabdruck festzustellen, die alle zudem Hinweis auf nachhaltiges Agieren sind. Bedrückend erlebte etwa Christa Melling die unterschiedliche Sitzhöhe der Stühle rund um eine Tafel, die dazu anzeigte, welche und wie viele Nahrungsmittel Menschen in verschiedenen Ländern zur Verfügung stehen: „Das die Lebenserwartung in Sierra Leone so gering ist, hätte ich nicht vermutet.“

Gabi Neuer und Regine Mills gestalteten ausgediente Blechdosen nachhaltig zu neuer Nutzung etwa für Schmuckstücke um. Am Kinderbasteltisch entstanden aus Papprollen und etwas Farbe flotte Bienen. Spielerisch galt es für Groß und Klein herauszufinden, welche Energieform „sauber und bezahlbar“ ist. Wie gut Wasser aus der Leitung schmeckt, wenn man frische Früchte, Gemüse und Kräuter zufügt, konnte man probieren und sich nachhaltige stylische Flaschen gleich beim Arche-Laden kaufen. Dass man mit dem Genuss von fair produzierter Schokolade auch gleich Bäume pflanzt, das überzeugte doch etliche Gäste.

Der Tag der Umwelt war eine prima Aktion, die den Nachhaltigkeitsgedanken sicher noch bewusster gemacht hat. Bei all den tollen Aktionen vergaß Adolf Härdle nicht, einen Genesungsgruß an Oberbürgermeister Dieter Gummer zu richten, dem es ein Anliegen gewesen wäre, an seiner Stelle zu sprechen.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional