Hockenheim

Release-Konzert Die Coverband Acoustic Rock Night stellt beim morgigen Auftritt in der evangelischen Kirche ihr viertes Album „Acoustic State of Mind“ vor

Großes Kino der Gefühle in 13 Szenen

Die Acoustic Rock Night sei weniger eine Band als ein Event mit allem Drum und Dran, hat Rebecca Schell vor einigen Jahren gesagt. Nun modifiziert das Kollektiv diese Aussage: Sie ist ein Gemütszustand – ein „Acoustic State of Mind“. Genau so heißt die neue CD mit 13 Stücken, die im Studio aufgenommen wurden. Es ist das vierte Album von Schell und ihren zwölf Mitstreitern, und es liegt rechtzeitig vor, um das Konzert am morgigen Samstag um 20 Uhr in der evangelischen Kirche zum Release-Konzert zu machen.

Ein Album der Acoustic Rock Night (ARN) ist immer eine Standortbestimmung, das gilt auch für „Acoustic State of Mind“. Erste Erkenntnis dazu: Die Mitglieder der Formation sind zeitlich stärker eingespannt als bei der letzten Studio-CD „Das rote Sofa“, die 2011 erschienen ist. Denn eigentlich hatten Rebecca Schell und Co. geplant, das Werk im Frühjahr zu präsentieren – die ersten Aufnahmen wurden bereits im August 2017 gemacht.

Höchster Produktionsaufwand

Bis alle Musiker im Twilight Sound Studio in Karlsruhe ihre Parts eingespielt hatten, bis Gesang der drei Vokalisten und Harmoniegesang aufgezeichnet waren, hat es nun deutlich länger gedauert. Die Frontfrau und ihr Mann Holger, der bei der ARN Gitarren spielt und die Titel abgemischt hat, sind Perfektionisten. Sie würden eher die Veröffentlichung noch ein halbes Jahr verschieben, als einen Tonträger herauszugeben, hinter dem sie nicht zu 100 Prozent stehen. Und wie sie die Größe der Spielstätten Jahr um Jahr vergrößert haben, so ist der Produktionsaufwand für die CD gestiegen.

Die Auswahl der Lieder ist sowohl eine repräsentative Momentaufnahme, welche Bandbreite an Klangfarben und Stimmungen die ARN im Konzert zu bieten hat. Als auch Zeugnis der Spezialitäten, die sie beherrscht, wie das exotische „The mystic’s dream“ von Loreena McKennitt mit Drehleier, Saz und mystischem Chorgesang. Es gibt keine Überschneidungen zu den drei früheren CDs, aber auch kein Stück, das die Band noch nicht live gespielt hat. Das wäre zu aufwendig gewesen und hätte die Arbeit verlängert.

Stimmen paritätisch vertreten

Wie immer gilt die Maxime, dass die drei Stimmen von Rebecca Schell, Jazzy Simon und Daniel Würfel paritätisch zum Zug kommen – oder zumindest fast, denn die Damen gewähren Würfel mit fünf Stücken einen mehr als sich selbst. „Frauensongs haben wir dank zwei Sängerinnen genug“, erklärt Rebecca Schell ihre „Großzügigkeit“ augenzwinkernd.

Würfel setzt mit Gavin deGraws rockigem Selbstbewusstsein-Statement „I don’t wanna be“ und mit Billy Joels melancholischem „New York state of mind“ Anfang- und Schlusspunkt der CD. Stings „Seven days“ singt er federnd leicht, bei Bon Jovis „Wanted dead or alive“ ist er ganz nah am Original, mit „Hotel California“ singt er den einzigen echten Klassiker der Trackliste, auf dem Gitarrist Holger Schell seine Klasse beweist.

Jazzy Simons Paradestück ist „Empire state of mind“, die von Alicia Keys geschriebene Hymne an New York – großes Kino auch für die Band. Der James-Bond-Titelsong „Skyfall“ ist ein Muss für jeden ARN-Auftritt, und bei Sades „Smooth operator“ zeigt Simon das Samtige ihre Stimme, während die Musiker im zweiten Teil eher entfesselt als „smooth“ loslegen. In dem fast siebenminütigen Titel hat auch Schlagzeuger Fabian Thomas seinen Moment, ebenso wie Angie Weiss am Saxofon. Sie veredelt mit der Querflöte einen weiteren außergewöhnlichen Titel: „Sous le ciel de Paris“ von Edith Piaf, dem Jazzy Simon eine schöne Leichtigkeit verleiht. Tastenmann Jochen Götzmann unterstreicht dabei am Akkordeon seine Vielseitigkeit.

Französisches Temperament

„Je veux“ ist der zweite französische Song des Albums. Rebecca Schell geht dabei das Tempo von Zaz mühelos mit, während ihre weiteren Stücke eher ruhiger sind: „Strong enough“ (Sheryl Crow) mit Cello und Pedalsteel-Gitarre, Tasmin Archers 90er-Jahre-Hit „Sleeping satellite“in typischem ARN-Sound und „The mystic’s dream“. Wer sie temperamentvoller erleben will, wird auf den früheren CDs bestens bedient.

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