Hockenheim

Stadthalle "Heidelberger HardChor" liefert höchst unterhaltsames "Best Of"-Programm irgendwo zwischen "choraler Phase" und "Unbewegt im Halbkreis" ab

Gute Laune mit Hörgenuss verbunden

Archivartikel

Ein nicht gerade klassisches Jubiläum hat der "Heidelberger "HardChor" am Samstagabend in der Stadthalle begangen: Die geniale Sangestruppe um den Musikkabarettisten Bernhard Bentgens krönte ihr 27-jähriges Bestehen mit einem "Best Of" irgendwo zwischen "choraler Phase" und "Unbewegt im Halbkreis".

Das vielleicht als eine Art Übung vor dem großen wahren Festtag, den man im Dezember begehen wird; Mit "Singen ist auch keine Lösung" werden die "Herren der Fliegen" am Samstag, 2. Dezember, die zehnte Ausgabe der "Männerschicksale"-Reihe auf die Bühne der Heidelberger Hebel-Halle bringen.

Der aktuelle Abendfüller, mit dem die Spaßbrüder der Sangeslust in Hockenheim punkteten, war ein lockerer Streifzug durch alte Hits und neue Highlights.

Witzig und meist geistreich

Ob die augenzwinkernde Schelte "Oh Bernhard, warum musst Du Dirigent sein - lass den Chor doch einfach singen", die legendäre, vom Duo Pigor & Eichhorn übernommene Greisen-Hymne "Maulende Rentner" oder der autobiografisch-musikalische Seelenstriptease "Heulend im Regen" (mit genialer Gitarrenbegleitung von Peter Saueressig): Immer begeistert der HardChor mit einer Mischung aus musikalischem Witz und inhaltlichem Ulk, meist geistreich, manchmal auch slapstickartig und punktuell die reine Narretei. Ein Erfolgsrezept, das schon viele Jahre die Begeisterung im Publikum garantiert.

Weil es eben einfach zum Brüllen ist, wenn Bernhard Heuvelmann Tony Marschalls "Schöne Maid" im russischen Stil gibt und als Dauerton-Vladimir überrascht oder im Falsett den Prince-Hit "Kiss" persifliert. Oder Lionel Richies "Easy" zum Körnerschreck-Albtraum "Müsli am Sonntagmorgen" mutiert und die Arie vom Dualen System "Trenn Deinen Müll" in einem gloriosen "Halleluja" endet.

Bernhard Bentgens hat mit seinem fröhlichen Gesangsverein etwas ganz Eigenständiges geschaffen: eine Einmaligkeit, die Witz, gute Laune und musikalischen Hochgenuss miteinander verbindet. Dass die 17 Sänger nämlich auch wirklich herausragend "klassisch" singen können, haben sie mit einer sehr harmonischen, höchst homogenen Variante das Volkslieds "Untreue", das in Silchers Komposition besondere Berühmtheit erlangte, unter Beweis gestellt.

Das englische Volkslied "Scarborough Fair", das in der Fassung von Simon & Garfunkel am bekanntesten sein dürfte, sang der "HardChor" klassisch - ganz, wie man es von einem Männergesangsverein erwarten darf - und doch mit ganz eigenständigem Charakter. Der volle, warme, fein differenzierte Ton, die reiche Farbe des Chors und seine wohldosierte Dynamik war in diesen beiden Kleinodien am greifbarsten.

Aber auch in den rassigen, oft sehr rhythmisierten "modernen" Liedern kann der "HardChor" auf seine eigene Klasse vertrauen. Nur so kann man den hochphilosophischen Satz "Selbst ein Fischstäbchen krabbelt weiter - und das kannst Du auch" ins richtige Gewand stecken und die Adoleszenz-Umsetzung "Junge", die sonst von den "Ärzten" gegeben wird, brauchbar intonieren: Mit einem reizvollen Kontrast zwischen galoppierendem Klagen und melancholischem Erinnern.

Vorgeschmack auf März

Vorgeschmack auf das neue Programm gab es auch schon: Mit "Bruder" haben Bentgens und seine Konfetti-Gang eine ganz eigene, augenzwinkernde Liebeserklärung geschaffen. In Hockenheim ist "Singen ist auch keine Lösung" am 17. März im Pumpwerk zu hören - Männerschicksale zum Gaudium des Volkes.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel