Hockenheim

Stellungnahme Imker Günther Martin reagiert auf Äußerungen von Landwirt Helmut Kief / Anmerkungen zum Bienensterben

Jedes Insekt hat seine Nische

Archivartikel

Hockenheim.Zu den Äußerungen von Landwirt Helmut Kief mit seinen Anmerkungen zum Bienensterben (wir berichteten am 30. Dezember) nimmt nun Imker Günther Martin Stellung und geht speziell auf die Pflanzenarten als Nahrungsquelle ein.

„Wie bei allem, gibt es auch bei den Landwirten solche und solche. Richtig ist, dass die Stadtbevölkerung keine Ahnung hat, wie ihre Lebensmittel erzeugt werden. Daher könne Landwirte der Bevölkerung auch solche Märchen erzählen“, empört sich Martin, weil dies die Bevölkerung auch noch glaube.

„Was mich bei dieser Stellungnahme wirklich schockt, ist, dass ein so erfahrener Landwirt scheinbar keine Ahnung hat von Bienen und Co., oder ist das Absicht?“ So führt Martin an, dass es in der Stellungnahme heiße, es gebe eine Nahrungskonkurrenz zwischen Wildbienen und Honigbienen. „Bienen und Hummeln gibt es schon länger, als es Menschen gibt. Jede der über 400 Bienenarten bedient eine Nische. Sie machen sich keine Konkurrenz. Das hat die Natur, in vielen tausend Jahren so entschieden“, betont Martin.

Ganze Völker sterben

Auch habe es in Deutschland, als es noch eine DDR gab, wesentlich mehr Bienen gegeben als heute, merkt er an. „Als Vorsitzender des Imkervereins bekomme ich alljährlich die aktuellen Bienenvölker gemeldet. Zurzeit haben wir im Sommer beispielsweise in Hockenheim weniger als ein Drittel des Bienenbestands von 1970. Damals hatten wir auch wesentlich mehr Wildbienen und Insekten. Bewiesen ist, dass am Insektensterben, die immer aggressiverer werdenden Spritzmittel schuld sind. Wer setzt sie ein – unsere konventionellen Landwirte.“

Auch den angeführten Nutzen der Blühstreifen für Bienenvölker lässt Martin nicht gelten: „Karotten werden sehr häufig gespritzt – auch mit Insektenvernichter. Für den Mitarbeiter des Karottenbarons ist es gar nicht möglich, den Blühstreifen nicht zu spritzen. Die Menschen sehen hier Blühstreifen mit tollen Blüten, auf denen nur wenige Insekten sind. Warum? Die Insekten die hier versuchen Nahrung zu finden, werden vernichtet. Für mich sind diese Blühstreifen an den Karottenfeldern Todesstreifen für Insekten.“ Wenn es nach Martin ginge, würden Blühstreifen an intensiv mit Insektenvernichter gespritzten Äckern verboten. Sie sind nur ein Alibi, um bei der Bevölkerung gut dazustehen.“

Letztlich vermisst Martin in der Stellungnahme Antworten auf die Frage, wie die Ursachen der Gefährdung der Artenvielfalt beseitigt werden können.

„Vielleicht ist es nur so, dass viele Landwirte zu eingefahren sind? Andere könne das doch auch. Siehe Lisa Rinklef mit ihrem Biobetrieb. Eine junge Frau, frisch von der Uni, hat in kürzester Zeit einen wirtschaftlich erfolgreichen Biobetrieb aufgebaut. Vielleicht gehört dazu Wissen und der Mut zu Veränderung. Die Landwirte, die fordern ,weiter so wie bisher‘, sind dazu wohl nicht in der Lage“, schließt Martin seine Erwiderung. sz

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