Hockenheim

Hockenheimring Verwaltung widerspricht in Stellungnahme Aussagen von Insider-Denkschrift / Geschäftsführung jetzt schlanker aufgestellt / Neue Formate etabliert

Jetziges Hotel könnte andere Nutzung kriegen

Archivartikel

Das war Gesprächsthema in Hockenheim. Unsere Berichterstattung zum Ring mit dem Titel „Die Stadt muss die Hand drauflassen“ hat für Aufsehen gesorgt. Die Stadtverwaltung sieht sich nun veranlasst zu reagieren. Pressesprecher Christian Stalf übermittelt eine Stellungnahme, in der es heißt: „Am letzten Wochenende fand eine nichtöffentliche Klausurtagung der Stadtverwaltung mit dem Gemeinderat statt. Die Anwesenden befassten sich dort schwerpunktmäßig mit den Etatberatungen. In diesem Zusammenhang sprachen die Anwesenden auch über die Weiterentwicklung des Hockenheimrings und die Intensivierung der Partnerschaft mit der Emodrom GmbH. OB Marcus Zeitler informierte über den Sachstand dieser Gespräche. Eine Entscheidung in der Sache wurde nicht getroffen. Sollte sich daran etwas ändern, werden Stadt, Hockenheim-Ring GmbH und Emodrom GmbH darüber öffentlich informieren“, verspricht er im Schreiben.

Weiter heißt es: „Davon abgesehen muss den veröffentlichten Aussagen des vermeintlichen ,Insiders’ in dem Artikel in vielen Punkten widersprochen werden. Die Denkschrift enthält ebenfalls fragwürdige Aussagen.“ In ihrer Stellungnahme führt die Stadt diese Aussagen auf: „Die Hockenheim-Ring GmbH entwickelte in der Vergangenheit verschiedene neue Geschäftsfelder, wie die Vermietung von Locations und den Vertrieb von Fahrerlebnisprogrammen, die es bisher nicht gab. Sie sind proaktiv mit wirtschaftlichem Erfolg umgesetzt worden. Ein weiteres Beispiel dafür ist die Übernahme der Drag-Racing-Veranstaltung ,Nitrolympx’, bei der der Ring seit Erwerb der Veranstaltungsrechte das Event höchst lukrativ entwickelt hat. Außerdem wird in der Denkschrift des ,Insiders’ die Entwicklung der Kleinveranstaltungen auf dem kleinen Kurs mit einem Deckungsbeitrag von ,vier Millionen Euro’ angegeben, tatsächlich wurden etwa zwei Millionen Euro im Jahr 2003 umgesetzt. Die Ring GmbH erwirtschaftete im Jahr 2018 mit den Kleinveranstaltungen einen Deckungsbeitrag von rund vier Millionen Euro. Die Aussage, die ,Hockenheim-Ring GmbH verwalte nur noch’, ist also falsch.“

Wirtschaftsförderung für Region

Wie Christian Stalf in der Stellungnahme schreibt, sei ein Vergleich der Situation zwischen Hockenheimring und Nürburgring nicht zielführend: „Die Hockenheim-Ring GmbH arbeitet seit dem Jahr 2012 erfolgreich mit der gemeinsamen, für die strategische Weiterentwicklung des Hockenheimrings zuständigen Firma Emodrom GmbH zusammen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist die Ansiedlung des Porsche Experience Centers, mit dem auch die Stadt Wirtschaftsförderung für die Region betreibt. Der Unterschied zum Nürburgring liegt gerade darin, dass an der Eifel laut Pressemittelungen über 400 Millionen Euro investiert wurden, die zum Teil aus öffentlichen Fördergeldern bestanden. Um eben diese Haftung mit öffentlichen Finanzmitteln auszuschließen, arbeitet die Hockenheim-Ring GmbH eng mit der Emodrom GmbH und ihren privaten Gesellschaften zusammen.“

„Das zur Hockenheim-Ring Hotel und Gastronomie GmbH gehörende Hotel wird seit den 1970er Jahren betrieben. Diese Tatsache führte im Laufe der Jahre zu einem erheblichen Unterhaltungs- und Modernisierungsaufwand, wie bei anderen Hotels auch. Daher stellt sich heute die Frage, ob das Hotel saniert oder erneuert werden muss. Je nach Entscheidung verbliebe das Hotel im Bestand der städtischen Gesellschaft mit den damit verbundenen Kosten. Die Alternative wäre ein Rückbau mit Augenmaß für andere Nutzungen eines Mobilitätszentrums, der je nach Entschluss gerade nicht zu Lasten der Stadt gehen wird. Die Behauptung, das alte Hotel müsse wo-möglich von der Stadt abgerissen werden, ist also ebenfalls falsch“, heißt es in der Stellungnahme.

„Ein vermuteter Wegfall der Formel 1 berührt die Personalsituation der Hockenheim-Ring GmbH nicht. Die Personalkosten werden von vielen neuen Eigenveranstaltungen, Konzerten und neuen Businessbereichen wirtschaftlich getragen. Diese Formate erwirtschaften positive Deckungsbeiträge, die über die Personalkosten hinausgehen. Die Aussagen, die Formel 1 beeinflusse die Personalsituation, ist also falsch. Außerdem wurde die in diesem Zuge erwähnte Sisyphus-Gesellschaft im Jahr 2006 mit der Hockenheim-Ring GmbH verschmolzen und die Fahrzeugflotte verkauft. Insofern ist auch die Aussage falsch, dass die Gesellschaft noch bis heute Verluste verursache“, stellt Stalf klar.

„Die Geschäftsführung der Hockenheim-Ring GmbH besteht heute aus zwei Geschäftsführern, die in Personalunion auch als Marketing- und Streckenleiter agieren. In den erwähnten Jahren 2007 bis 2010 wurden zwei Geschäftsführer ohne Nebenaufgaben beschäftigt. Hinzu kamen damals ein Marketingleiter, ein Vertriebsleiter, ein Streckenleiter und zeitweise ein zusätzlicher Prokurist. Die Geschäftsführung der Hockenheim-Ring GmbH ist demnach seit neun Jahren deutlich schlanker aufgestellt“, ist in der Stellungnahme zu lesen.

Hockenheim suche immer den besten Weg für die Stadt und den Ring, heißt es: „Dieser Weg umfasst auch effektive Einflussmöglichkeiten mit Blick auf die Anzahl der Veranstaltungen und eine mögliche Lärmbelastung für die Bürger. Diese Aspekte fließen auch zukünftig in die städtischen Genehmigungen für Veranstaltungen auf dem Hockenheimring ein. Diese Interessen sind immer öffentlicher und nicht, wie der ,Insider’ nahelegt, privater Natur.“

Abschließend heißt es in der Stellungnahme der Stadtverwaltung: „Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die in der Denkschrift des ,Insiders’ enthaltenen Aussagen auf dem Boden objektiver Fakten stehen. Das erscheint fraglich. Der vermeintliche ,Insider’ sollte deshalb seine Bewertungen, auch mit Blick auf seine eigene Rolle in diesem Kontext in der Vergangenheit, kritisch hinterfragen. Glaubwürdige Information setzt widerspruchsfreies Denken und Handeln voraus.“ zg

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