Hockenheim

Haus & Grund Was im Sommer erlaubt und geduldet ist

Kein Sex auf Balkon

Archivartikel

Freizeitaktivitäten mit entsprechendem „Mobiliar“ auf Terrassen, Balkonen und Gärten setzten dieses Jahr ganz früh ein: Liegestühle, Hängematten, aber auch das Aufstellen von Wäscheständern und das Anbringen von Blumenkästen. Und manche Vermieter fragen sich, wie weit man das im Einzelnen dulden muss. Denn nicht immer sorgt der Balkon für Freude, sondern auch für viel Streit zwischen Nachbarn oder Mietern und Vermietern.

„Haus & Grund“-Rechtsexperte Wolfgang Reineke hat die wichtigsten Fragen zusammengestellt. Flatternde Unterwäsche des Mieters auf dem Balkon ist vielleicht nicht der allerschönste Anblick. Dennoch muss man ihn ertragen, denn der lediglich störende Anblick gilt nur als „ästhetische Beeinträchtigung“. Individuell kann man mietvertraglich das allerdings anders vereinbaren. Das gilt dann in der Regel. Wer will, kann zum Beispiel einen unauffälligen Sichtschutz oder ein Rankengitter anbringen. Mieter müssen jedoch hier darauf achten, dass die Höhe der Balkonbrüstung nicht überschritten wird.

Sonnenschirme sind erlaubt

Auch Sonnenschirme sind erlaubt – bei Markisen muss man sich dagegen eine Erlaubnis vom Vermieter holen. Auf dem Balkon darf eine Wäscheleine gespannt und Wäsche getrocknet werden – auch dann, wenn im Hof eine Wäschespinne bereitsteht, entschied das Landgericht Frankfurt (Az.: 2/210424/88). Vermieter können Mietern das Wäschetrocknen nicht untersagen, auch wenn ein separater Trockenraum zur Verfügung steht.

Wer seinen Grill auf dem Balkon anwerfen möchte, darf das grundsätzlich. Denn das Grillen auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten ist Mietern erlaubt, wenn keine Belästigung entsteht. Eine Ausnahme: Ist im Mietvertrag ausdrücklich das Grillen auf Balkon oder Terrasse verboten, müssen sich Mieter daran halten. Wer das Grillverbot missachtet, riskiert eine Abmahnung oder die Kündigung, so das Landgericht Essen (Az.: 10 S 438/01).

Darf sich der Mieter oder die Mieterin zum Vergnügen – oder auch Entsetzen – des Vermieters und der Nachbarn hüllenlos auf dem Balkon präsentieren? Ja, sagt die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs, auch wenn Eigentümer und Nachbarn das nicht für einen schönen Anblick halten, sondern eher für peinlich. Doch das Schamgefühl oder das „sittliche Empfinden“ wird nach Ansicht der höchsten Richter hierdurch nicht verletzt. Auf Terrasse, Balkon oder im eigenen Garten kann man sich nämlich auch als Mieter bewegen, wie man will, so das Amtsgericht Merzig (Az.: 23 C 1282/04).

Grenzen gibt es allerdings schon: So müssen die Nachbarn und Vermieter zum Beispiel Sex auf dem Balkon nicht ohne weiteres hinnehmen. Denn dies „störe den Hausfrieden“. Wer sich daran nicht hält, der kann vom Vermieter abgemahnt werden, entschied das Amtsgericht Bonn (Az.: 8 C 209/05). In dem Fall hatte ein Paar sich auf dem Balkon vor den Augen aller Nachbarn und in Sichtweite eines Kinderspielplatzes vergnügt. Die Richter hatten dafür kein Verständnis und hielten den Hausfrieden für „nachhaltig gestört“. hug

Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker überregional