Hockenheim

Einwurf Landwirt und FDP-Stadtrat ruft beim Thema Volksbegehren zu moderater Tonlage auf / Bauern nicht als Umweltsünder, Klimakiller und Tierquäler diffamieren

Kief: Bei Artenschutz ist Angst schlechter Ratgeber

Archivartikel

Hockenheim.Der Landwirt und FDP-Stadtrat Helmut Kief (Bild) hat dazu aufgerufen, im Volksbegehren Artenschutz und bei der Diskussion über die Landwirtschaft zu einer moderaten Tonlage zurückzukehren. „Bei einigen Aussagen aus den Reihen von BUND, Naturschutzbund und den Grünen ist inzwischen die Grenze zum schlechten Stil weit überschritten“, schreibt Kief in einer Stellungnahme.

Ein Dialog über gangbare Wege zu mehr Artenschutz sei aus seiner Sicht zielführender als die Konfrontation wie beim Volksbegehren Artenschutz durch neue gesetzliche Regelungen. Es könne nicht sein, dass heute noch Lebensmittel von außerhalb der EU auf den deutschen Markt kommen, die mit Pflanzenschutzmittel behandelt werden, die in Deutschland schon seit über 20 Jahren verboten sind.

Kief: „Ich kenne zum Beispiel auch kein Tomatenketschup in Deutschland, das nicht mit gentechnisch veränderten Tomaten hergestellt wird. Auch hier sollte die Diskussion versachlicht werden. Wo bleibt hier ein gerechtes Handeln?“

Angst sei kein guter Ratgeber. Gentechnik, Glyphosat – diese Wörter lösten bei vielen Menschen bereits Angst oder Unbehagen aus. Doch sei das wirklich begründet, fragt Helmut Kief.

Zumindest bei der Gentechnik mäßen viele Leute mit zweierlei Maß. Die rote Gentechnik, bei der es um die Entwicklung und Erforschung neuer Medikamente geht, akzeptierten die Bürger fast bedingungslos. Denn der Nutzen leuchte sofort ein und sei klar erkennbar. Bei der grünen Gentechnik ist das anders. Obwohl es auch hier um die Bekämpfung von Krankheiten gehe – nur nicht von Menschen, sondern von Pflanzen.

Hochwertig und qualitätsvoll

Selbstverständlich dürfe und solle jeder in diesem Land darüber diskutieren, welche Landwirtschaft wir uns in Zukunft wünschen. „Es geht aber nicht, die vielen hart und ehrlich arbeitenden Landwirte in der Öffentlichkeit als vermeintliche Umweltsünder, Klimakiller und Tierquäler zu diffamieren“, sagte Kief. Die landwirtschaftlichen Betriebe in Baden-Württemberg erzeugten hochwertige und qualitätsvolle Nahrungsmittel. Diese Erzeugung in Einklang mit dem Arten- und Insektenschutz zu bringen, sei auch weiterhin eine Herausforderung, der sich die Landwirtschaft stelle.

Die Entfremdung der Gesellschaft von ihrer landwirtschaftlichen Ernährungsgrundlage habe ein bedenkliches Ausmaß erreicht. Nach Sicht von Helmut Kief führe die ständige Diskussion über Betriebsgrößen und bäuerliche Strukturen in die Irre. Nicht die Betriebsgröße sei für die Qualität der Tierhaltung entscheidend, sondern das Haltungsmanagement. Kief: „Wir müssen daher von der Idee wegkommen, die öffentliche Hand könne über Haltungsobergrenzen im Baurecht oder bei der Agrarinvestitionsförderung eine sinnvolle Wirkung für mehr Tierschutz erzielen“.

Weil circa 99 Prozent der Menschen, die das Volksbegehren unterschreiben werden, sich nicht über die Tragweite ihres Handelns bewusst seien, müsse erst eine ehrliche Aufklärung betrieben werden, fordert der Landwirt aus der Seewaldsiedlung. „Der gut meinende Bürger unterschreibt und geht auf dem Heimweg beim Discounter vorbei und kauft im Ausland produzierte Nahrungsmittel möglichst günstig ein. Dies kann die Lösung in der kleinbäuerlichen Struktur in Baden- Württemberg für das Artensterben auf keinen Fall sein.“

Für besseres Investitionsklima

Voraussetzung für qualitative Verbesserungen seien vielmehr Rahmenbedingungen für Investitionen in moderne Haltungssysteme. Für eine höhere Modernisierungsrate in der Nutztierhaltung sei ein günstigeres Investitionsklima nötig. „Das bekommen wir aber nur, wenn die landwirtschaftlichen Einkommen über verbesserte Instrumente des betrieblichen Risikomanagements stabilisiert werden, etwa durch eine steuerbefreite Risikoausgleichsrücklage, wenn die Agrar- und Umweltpolitik das Recht auf Eigentum wieder mehr achtet und wenn die Agrarinvestitionsförderung von Bund und Ländern entbürokratisiert wird.“

Was in den vergangenen 10 000 Jahren natürlicher Bestandteil des menschlichen Überlebens gewesen sei, werde gerade in Zeiten der wachsenden Entfremdung der Gesellschaft von ihrer landwirtschaftlichen Grundlage zusehends hinterfragt, kritisiert Kief. Die ethischen Ansprüche der Bürger an die Nutztierhaltung steigen, während ihre tatsächlichen Kenntnisse über die landwirtschaftliche Praxis schwinden.

In einem politisch-medialen Klima des öffentlichen Misstrauens gegen Nutztierhalter gediehen zunehmend radikale Gruppierungen, die vor strafbaren Handlungen gegen Landwirte und deren Eigentum nicht mehr zurückschreckten. Helmut Kief fordert eine Mäßigung der Tonlage. So komme die von Tierschützern kritisierte Anbindehaltung von Rindern fast nur noch als Auslaufmodell in kleinen und kapitalschwachen Betrieben vor, während die oft an den Pranger gestellten Großbetriebe bereits seit langem auf moderne Boxenlaufställe umgestellt hätten. zg

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