Hockenheim

Lokale Agenda Hochwasserschutz- und Ökologieprojekt bietet mit zahlreichen Laichplätzen optimale Chancen für Fischvermehrung

Kraichbach als gute Kinderstube

Der Kraichbach wird als Kinderstube immer attraktiver, stellt Biologe Uwe Heidenreich fest. Damit meint der Experte nicht das Interesse vieler Jungen und Mädchen, die mit ihren Eltern die Tiere im und am renaturierten Gewässer beobachten, sondern die Laichbedingungen für die Fische, die mit denen der geradlinigen Betonröhren nichts mehr gemeinsam haben. Umso wichtiger sei es jetzt, sich um die Verbesserung der Gewässerqualität zu kümmern.

Die Kieszonen des Kraichbachs bieten Fischen wie Barbe, Steinbeißer und Döbel optimale Laichbedingungen. Dabei legen die Weibchen ihre Eier am Gewässergrund ab, die dann von den Männchen besamt werden. Das passiert teilweise ganz in der Nähe des Ufers, gerade jetzt, wo der Wasserstand eher niedrig ist.

Störungen vermeiden

Umso wichtiger sei es, nicht ins Wasser zu laufen, nichts hineinzuwerfen oder die Hunde hineinzulassen, erinnert Heidenreich, da sonst das Ablaichen gestört werde. Dass sich auch der Reiher dafür interessiert, sei dagegen schwer zu verhindern. Seine Spuren sind im Ufersand ebenso gut zu erkennen.

Für die Beobachtung der Fische bieten sich vor allem die Windungen an, in denen das Wasser langsamer fließt: Hier tummeln sich sehr viele Jungtiere. Eine zu hohe Fließgeschwindigkeit beeinträchtigt das Nahrungsangebot negativ. Für Uwe Heidenreich und andere Aktivisten der Gruppe „Hockenheim für Klimaschutz“ der Lokalen Agenda, die eine eigene Homepage für das Hochwasserschutz- und Ökologieprojekt (HÖP) erstellt haben (wir berichteten), ist es in den kommenden Jahren spannend zu verfolgen, ob sich weitere Fischarten ansiedeln.

Barben können in großen Schwärmen auftreten und ernähren sich hauptsächlich von Kleinlebewesen wie Schnecken, Würmern und Muscheln, die sie am Ufer und am Gewässergrund finden. Sie fressen aber auch den Laich anderer Fische.

Frisch geschlüpfte Barben, sogenannte Brütlinge, suchen Schutz in den Lücken zwischen den Kieselsteinen. Um ausreichend Lücken bereitzustellen, wurde an den Laichplätzen gewaschener Kies – also Kies, bei dem die Feinbestandteile ausgewaschen wurden – eingebaut.

Der Steinbeißer, auch Dorngrundel genannt, ist zwar wesentlich seltener zu sehen als die Barben, aber durchaus gut vertreten. Von der kleinen Art (von bis zu 12 Zentimeter Länge), die zudem nachtaktiv ist, wurden rund 1600 Exemplare im Juli 2018 mittels Elektrobefischung vom alten Kraichbach in das neue Gewässerbett umgesiedelt.

Beim Elektrofischen werden die Fische mit Gleichstrom betäubt und können so einfach und schonend dem Gewässer entnommen werden. Der einzeln lebende Steinbeißer wird in der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (kurz: FFH-Richtlinie) der Europäischen Union als schützenswerter Fisch geführt.

Steinbeißer bevorzugen die ruhigen, flachen Bereiche im Kraichbach, erklären die Experten der Lokalen Agenda. Sie verbringen den Tag im Sand vergraben. Bei Dunkelheit durchwühlen sie den Boden nach Nahrung nach Kleintieren oder organischem abgestorbenem Material. Ein kleiner, beweglicher Dorn unter dem Auge, mit dem der Steinbeißer Feinden schmerzhafte Stiche zufügen kann, hat ihm zum Namen Dorngrundel verholfen.

Vierte Reinigungsstufe wichtig

Am häufigsten im Kraichbach zu sehen sind Döbel, die bis zu 70 Zentimeter lang werden können. Sie ziehen allein oder in größeren Schwärmen dahin und sind bei günstigem Lichteinfall und klarem Wasser gut von Brücken aus zu beobachten. Döbel sind karpfenartige Fische, unterscheiden sich von den Barben durch das Fehlen der Barteln am Maul.

Die durch die Umgestaltung optimierten äußeren Bedingungen für die Natur dürfen nicht die letzte Anstrengung zur Verbesserung des Kraichbaches bleiben, der immer noch zu den hochbelasteten Fließgewässern im Land zählt, fordert Uwe Heidenreich. Vor allem im Unterlauf, nach dem Eintritt in die Tiefebene, bestehe er zu zwei Dritteln aus geklärten Abwässern der Anliegerkommunen. Viele mehr unter ihnen müssten die vierte Reinigungsstufe einführen.

Info: Ein Video gibt es unter www.schwetzinger-zeitung.de

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