Hockenheim

Konzert Acoustic Rock Night reißt Publikum bei erstem Auftritt in Tanzschule Feil bis Mitternacht mit / Einfühlsame, variantenreiche Interpretationen bekannter Hits

Kreis der Fans mit Spielfreude stark vergrößert

Die Tanzschule Feil hat zwar einen neuen Standort, aber für Rebecca Schell ist sie noch immer der Ort, an dem sie zunächst das Tanzen lernte und später selbst Kurse gab. Nun war sie auch im Neubau im Mörscher Weg am Start und feierte als Frontfrau der Band Acoustic Rock Night eine gelungene Premiere. Dreieinhalb Stunden lang bebte die Tanzschule, die 170 Karten waren bereits weit im Voraus restlos ausverkauft gewesen.

Dabei ist das Publikum an diesem Abend eindeutig gemischt – eingefleischte Acoustic-Rock-Night-Fans sind ebenso anzutreffen wie absolute Neulinge. Es dauert jedoch nicht lange, bis viele der Zweitgenannten ins erste Lager wechseln, denn die zwölfköpfige Band ist vor allem eines: mitreißend.

Und so gibt es bereits im ersten Konzertteil Standing Ovations für John Miles’ „Music“. Eva-Maria Merkel und Louise Thiele sorgen mit Geige und Cello dafür, dass die Zuschauer das Gefühl bekommen, das Original zu hören. Für das nächste Konzert wünscht sich Rebecca Schell von Regina Feil eine passende Tanz-Formation – nachdem das begeisterte Publikum sie wieder zu Wort kommen lässt.

Gesangstrio ergänzt sich perfekt

Schell hat den Abend eindrucksvoll eröffnet, indem sie zu Billy Joels „Piano Man“ die Mundharmonika spielt. Den Gesangspart übernimmt Daniel Würfel, der den männlichen Gegenpart zu Schell und Jazzy Simon bildet. Sowohl gesanglich als auch in seinen Persönlichkeiten ergänzt das Trio sich perfekt.

Während Rebecca Schell, die die Band einst in Anlehnung an die MTV-unplugged-Konzerte gegründet hat, den quirligen Part übernimmt, tanzt, was das Zeug hält und zwischen den Stücken mit ihrem Hoggemer Dialekt amüsiert, zeigt sich Jazzy Simon als die geheimnisvolle Dunkelhaarige und überzeugt mit ihrer Soulstimme im Alicia-Keys-Hit „Empire State of Mind“ ebenso wie mit Adeles „Skyfall“. Daniel Würfel bildet neben den beiden Powerfrauen den Ruhepol und rundet die Vokalistenrunde mit sympathischer Zurückhaltung ab.

Gastauftritt „eingefädelt“

Ergänzt werden die drei zeitweise von einem weiteren Gesangstalent. Was Rebecca Schell als einmalig anpreist, ist Regina Feil zufolge ohne viel Aufsehen eingefädelt worden. Sie hatte im Gespräch mit Schell erwähnt, dass Siegfried „Siggi“ Wosnitzka schon des Öfteren in der Tanzschule gesungen hatte, worauf Schell erwähnte, dass die Band mit ihm sowieso schon lange einmal habe etwas machen wollen.

Der Baritonsänger hat unter anderem „Mr. Bojangles“ im Gepäck und singt mit Rebecca Schell im Duett Bob Dylans „Make you feel my love“ in der Adele-Version. Dass Wosnitzka mitsingt, ist „ein ganz besonderes Extra für die Tanzschule Feil“, erklärt Schell: Gastanfragen würden üblicherweise abgelehnt – „zwölfe sin schun viel“, erklärt die Bandgründerin.

Bei „Because the night“ hält es die ersten Zuschauer nicht mehr auf den Plätzen. „Des sieht schun gut aus do hinne“, freut sich Rebecca Schell über die spontane Chachacha-Einlage, und Regina Feil tanzt im Laufe des Abends mit Sängerin Jazzy Simon einen Wiener Walzer. Den überwiegenden Teil des Konzerts ziehen die zwölf Bandmitglieder ihr Publikum jedoch so in den Bann, dass dieses zwar mit den Füßen wippt und begeistert klatscht, jedoch seiner Tanzfreude vor allem in der Pause nachgeht.

Die nutzt Gaby Karolus zunächst einmal, um sich bei Tanzschulinhaber Wolfgang Feil für den schönen Abend zu bedanken, den sie dank Ehrenkarten als Dankeschön für ihre Adventsgestecke, die sie regelmäßig für die beiden Tanzschulen in Hockenheim und Altlußheim herstellt, mit ihrer Tochter genießen darf. „Ich habe noch nie eine Band gehört, die ,Music‘ so schön gespielt hat“, berichtete sie begeistert.

Auch bei Petra und Martin Wolfrum hat das Stück für Gänsehaut gesorgt. Die beiden tanzen bei Feils und sind ebenfalls zum ersten Mal bei einem Konzert der Acoustic Rock Night zu Gast. „Es ist super, richtig schön“, resümiert Petra Wolfrum nach der ersten Hälfte, „und sehr abwechslungsreich“, ergänzt ihr Mann, dem es vor allem die Vielfalt der Instrumente angetan hat.

Virtuos Akzente gesetzt

Und die ist es wohl auch, die der Band ihren besonderen Charakter verleiht – wenn auch elektrisch abgenommen und nicht, wie der Bandname vermuten lässt, rein akustisch. Besonders hervorstechend: Angela Fabienne Weis am Saxofon und der Querflöte („Live and let die“) sowie Jochen Götzmann am Klavier, der ruhige Balladen („Unchained melody“) ebenso gefühlvoll unterstützt, wie er bei schnelleren Stücken Fingerfertigkeit beweist. Fabian Thomas am Schlagzeug und Jens Kremer (Percussion) sorgen für den richtigen Takt und schrecken auch vor afrikanisch und brasilianisch anmutenden Rhythmen nicht zurück.

Holger Schell an der Akustik- und E-Gitarre und Stefan Kassner am Bass bleiben zwar auf der Bühne eher im Hintergrund, nicht jedoch mit ihrer musikalischen Leistung.

Und so folgt ein mitreißendes Stück dem anderen. Die abwechslungsreiche Auswahl und die unterschiedlichen Besetzungen sorgen dafür, dass bis zum Schluss keine Langeweile aufkommt. Mit Hits von Toto, Paul McCartney, Lady Gaga und Sting nimmt die Band mit auf eine musikalische Reise durch die vergangenen Jahrzehnte, verpasst dem einen Werk einen ganz eigenen Charakter, während andere wiederum nahe ans Original herankommen. Mit John Lennons „Imagine“ setzen Siegfried Wosnitzka und Daniel Würfel dem Konzert schließlich um Mitternacht den Schlusspunkt.

Das Publikum bedankt sich mit Standing Ovations für die gelungene Spielort-Premiere. „Da die Band genauso viel Spaß wie wir und das Publikum hatten, gibt es auf jeden Fall eine Wiederholung – voraussichtlich im Herbst nächsten Jahres“, freute sich Wolfgang Feil, dass es eine Fortsetzung geben wird.

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