Hockenheim

Grüne Diskussion mit Landtagskandidat Andre Baumann

Lärm setzt Körper in Alarmmodus

Archivartikel

Altlußheim/Hockenheim/Schwetzingen.Lärm stört, macht krank – egal ob Bahn-, Straßen- oder Fluglärm. Der Landtagskandidat der Grünen, Dr. Andre Baumann, hatte zu einem lärmschutzpolitischen Abend den Lärmschutzexperten Thomas Marwein eingeladen. Neben Lärmgeplagten aus dem ganzen Wahlkreis waren auch Sprecher verschiedener Lärmschutzinitiativen aus Hockenheim und Schwetzingen vertreten.

„Mehr als eine Viertelmillion Menschen in Baden-Württemberg sind von Lärm massiv beeinträchtigt“, sagte Baumann. „Wir haben eine brummende und boomende Region und das hört man auch.“ Baumann berichtete, er wisse aus eigener Erfahrung, wie beeinträchtigend Lärm sein könne. „Wir brauchen gerade bei uns im Ballungsgebiet eine deutliche Lärmreduktion.“

Referent Thomas Marwein, lärmpolitischer Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Diplom-Ingenieur und ehrenamtlicher Lärmschutzbeauftragter der Landesregierung berichtete von Folgen dauerhaften Lärms. „Lärm kann Stress verursachen. Dauerhafter Stress heißt, dass unser Körper permanent im Alarmmodus ist. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen und andere Erkrankungen können verursacht werden“, so Marwein. „Hauptproblem ist die getrennte Betrachtung und Bewertung verschiedener Lärmquellen“, so Marwein über die rechtlichen Grundlagen des Lärmschutzes. So müsse zum Beispiel bei einer neuen Bahnstrecke nur der Bahnlärm betrachtet werden, aber nicht, ob bereits andere Lärmquellen das Gebiet beeinträchtigten. „Wir brauchen endlich eine Gesamtlärmbetrachtung bei Planungen. Es muss die Summationswirkung von Lärm betrachtet werden. Aber egal wie laut wir dies einfordern, die zuständige Bundesregierung ist auf diesem Ohr schwerhörig“, so Marwein. Am Beispiel des Motorradlärms stellte er dar, dass das baden-württembergische Verkehrsministerium und er die größte Lärmschutzinitiative Deutschland aufgebaut hätten. Mit dem Bundesverband der Motorradfahrer stehe Marwein in Kontakt. „Wir hatten Erfolg: Unsere Lärmschutz-Initiative wurde vom Bundesrat angenommen.“ Nun müsse die Bundesregierung aktiv werden.

Flugzeuge stören die Bürger

Herbert Brenner und Sabine Walter von der Schwetzinger Bürgerinitiative gegen Bahnlärm, berichteten von ihrem Engagement. Brenner wollte wissen, wie sich die Bevölkerung beim geplanten Ausbau der Rheintalbahn zwischen Mannheim und Karlsruhe erfolgreich einbringen könnte. „Wichtig ist, dass sie sich zusammenschließen und Druck auf die Politik machen“, sagte Marwein. Christian Kramberg, der bei der Bürgerinitiative Stille Schiene (BISS) Hockenheim aktiv ist, stellte die Situation in Hockenheim dar. Die Deutsche Bahn setze Zusagen für mehr Lärmschutz seit vielen Jahren nicht um. Marwein und Baumann versprachen aktiv zu werden. „Wir brauchen für den Klimaschutz einen Ausbau des Schienengüterverkehrs. Aber auch einen deutlich besseren Lärmschutz – an Bestandsstrecken und an Neubaustrecken“, so Baumann.

„In den vergangenen Jahren hat der Fluglärm in Altlußheim und Oberhauen-Rheinhausen stark zugenommen“, berichtete Dr. Holger O. Porath, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Altlußheimer Gemeinderat. Der Fluglärm würde von Flugzeugen und Gyrocoptern verursacht, die von der offiziellen und genehmigten Platzrunde des privaten Flugplatzes in Speyer abwichen und die Ortschaften verlärmten. „Für mich ist klar: Der in Rheinland-Pfalz liegende Flugplatz muss dafür sorgen, dass Auflagen auch in Baden-Württemberg eingehalten werden“, so Baumann. „Es kann nicht sein, dass wenige auf Kosten der Lebensqualität vieler ihrem Hobby nachgehen.“ Marwein schlug vor, dass für Flugplätze federführende Regierungspräsidium Stuttgart einzuschalten. zg

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional