Hockenheim

Ochinheimer Mittelaltermarkt Vier Tage Spektakel im Gartenschaupark mit Wetterglück durchgehend gut besucht / Nächste Ausgabe soll 1250-Jahr-Feier angemessen sein

Lagerleute hoffen auf üppiges Budget zum Jubiläum

Nach einer Woche Mittelalter pur waren sie selbst geschlagene Krieger: Für Jochen Oehler und "McSchenkel" Michael Gebhardt hätte die Neuauflage des Ochinheimer Marktes nicht besser gelingen können. Doch die Kraft, die solch eine große Veranstaltung kostet, darf nicht unterschätzt werden.

Immerhin müssen Dutzende Ehrenamtlicher koordiniert, Händler eingewiesen, Verlaufspläne abgeglichen, Besucher versorgt und Lagernde in den großen Plan mit einbezogen werden. Kurz vor Ende des viertägigen Spektakels im Gartenschauparkgelände zeigten sich die beiden Organisatoren bei bester Laune, "auch wenn Schlaf fehlt und es körperlich an die Substanz geht." Doch das kann alles verschmerzt werden, wenn man sieht, dass alles funktioniert und Besucher wie Teilnehmer zufrieden sind.

Friedliche Koexistenz mit Onkelz

Dies ist gelungen, wie die gute Resonanz zeigte. Wo zunächst Bedenken herrschten, als zum bereits bestehenden Termin für den Ochinheimer Markt das Matapaloz-Festival in den Kalender knallte, konnte man im Nachhinein von einer friedlichen Koexistenz sprechen.

Schließlich mussten jene Onkelz- und Heavy-Metal-Fans, die im Talhaus campten, den Park durchqueren. Für Oehler in der Nacht eine zusätzliche Logistikaufgabe, doch die Fans waren durchweg friedlich, teilweise auch interessiert. "Wir haben unseren ganzen Idealismus und alles Herzblut in den Markt hineingehängt", betonte Michael Gebhardt, "und wurden mit Staunen von Erwachsenen und Kindern belohnt." Oehler freute sich: "Dieses Jahr hatten wir perfektes Wetter und Besucherströme an allen Tagen."

Das Konzept der familienfreundlichen Veranstaltung mit passenden Eintrittspreisen, für die die Parkanlagen GmbH verantwortlich zeichnete, ging auf. Viele kleine Ritter mit hölzernen Schwertern flitzten über die Wiese und beteiligten sich an der großen Kinderschlacht. Die neue Reitershow kam ebenfalls gut an.

Bedenken, dass es den Tieren an den sehr heißen Tagen mit Werten über 33 Grad Celsius nicht gut gehen könne, gab es kaum angesichts der im Schatten liegenden Paddocks. Für die nächste Ausgabe des Ochinheimer Marktes zeigen sich die Organisatoren bereits gerüstet, auch viele der rund 800 Lagernden wollen wiederkommen, denn das Ambiente im gepflegten Gartenschaupark gefiel allen besonders gut.

Im Jahr 2019 gibt es nicht nur einen neuen Mittelaltermarkt, sondern auch das 1250. Geburtstagsfest der Stadt. "Es wäre toll, wenn wir dann über ein dem Anlass entsprechendes Budget verfügen könnten, um noch ausgesuchtere Handwerker und Lagergruppen zu engagieren", hofft Oehler für die kulturell anspruchsvoll ausgestatteten und agierenden Gruppen und Handwerker.

"Fast Food" aus Söldnerküche

Mit Neuheiten glänzte bereits der Markt in diesem Jahr. So durchmaßen am letzten Tag zwei römische Legionäre samt weiblichem Gefolge die Festwiese. Sie erläuterten, dass sie dem Byzantinischen Reich angehörten. Das fiel im Jahr 1435 durch die Eroberung von Konstantinopel an die Osmanen - jene Zeit, in der das Mittelalter seinem Ende zustrebte.

An der "Fast Food"-Versorgung wurde gearbeitet: Mietkoch Markus hatte eine Söldnerküche aufgestellt. "Ich zeige, wie man richtig über Feuer kocht und versorge auf Vorbestellung die Lagernden mit Essen", erklärte er und rührte nochmals im großen Topf mit dem Wildschweingeschnetzelten.

Jens Götz alias "Götz von Darmstadt" hatte seinen Krimi unter dem hölzernen Tisch parat, um in Mußestunden zu entspannen. "Schön ist es hier", lobte er und genoss den Austausch mit den schwarzen Gestalten, die auf der anderen Seite des Zaunes gen Motodrom strebten. "Die frotzeln manchmal", verriet er, "aber ansonsten sind die doch ganz nett."

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