Hockenheim

Gemeinderat Fraktionen üben Kritik am Einzelhandelskonzept

Leerstand ist trotz Regeln gewachsen

Archivartikel

Soll man etwas fortschreiben, von dessen Effizienz man nicht überzeugt ist? Diese Frage kam – zumindest symbolisch – bei der Sitzung des Gemeinderats auf, als es um die Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes ging. Insbesondere der Leerstand in der Innenstadt nährte die Zweifel an der Wirksamkeit 2007 verabschiedeten Richtschnur. Bei zwei Gegenstimmen und drei Enthaltungen wurde die Fortschreibung dennoch beschlossen.

In Anbetracht der seit 2007 erfolgten Änderungen und Entwicklungen in der Einzelhandelslandschaft in der Stadt, etwa der Eröffnung des Obi-Baumarkts und Modepark Röther, sowie des allgemeinen und rechtlichen Rahmens, hat der Hauptausschuss am 10. April 2018 die Erstellung eines Gutachtens als Grundlage für die Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes der Stadt Hockenheim an das Büro Acocella in Auftrag gegeben.

Zentrales Anliegen sei die Erar-beitung einer Aktualisierung der städtebaulichen Begründungen für die Weiterführung der räumlichen Steuerung des Einzelhandels die der Stärkung der Innenstadt dienen sollen. Die Grundlage: Investoren brauchen dauerhafte verlässliche städtebauliche Rahmenbedingungen, damit sie investieren.

Ziele bleiben unverändert

Das Ziel der Erhaltung und Stärkung der Erhaltung und Stärkung der Einzelhandels- und Funktionsvielfalt in der Innenstadt soll beibehalten werden, ebenso die Grundsätze für die räumliche Einzelhandelsentwicklung. Die Liste der nahversorgenden Sortimente wurde angepasst.

Die Skepsis vieler Stadträte trat in ihren Beiträgen deutlich hervor: „Was hat uns das Konzept gebracht, um Leerstand zu verringern?“, fragte Richard Zwick (SPD). Oliver Grein (Grüne) argumentierte ähnlich: „Wir wünschen uns konkretere Maßnahmen zur Unterstützung von Investoren oder Gründern.“

„Nie eine Rolle gespielt“

Markus Fuchs (CDU) fragte: „Wurde das Konzept, das uns 2006/2007 alle positiv gestimmt hat, jemals wirklich gelebt? Unseres Erachtens nicht.“ Es sei gebraucht worden, um Obi anzusiedeln und habe seitdem nie eine Rolle gespielt. Fuchs glaubt nicht, „dass das Konzept wirklich eine Chance hat, so wie wir heute aufgestellt sind“.

Willi Keller (SPD) sagte: „Im Vergleich zu 2007 bei der Verabschiedung sind wir entweder stehengeblieben oder sogar zurückgegangen.“ Er fragte nach den Gründen: „Liegt’s am Konzept oder haben wir etwas falsch gemacht?“

„Das Stadtentwicklungskonzept wird nicht gelebt“, kritisierte Adolf Härdle (Grüne). Es gebe mehr Leerstand als je zuvor. Quartierentwicklung und Bürgerbeteiligungsformen gebe es auf dem Papier, werde aber nicht ernst genommen. Eine Stadtplanung fehle. Die Grundlagen seien vorhanden, doch eine proaktive Wirtschaftsförderung fehle, hier sei eine Neujustierung notwendig mit dem neuen Gemeinderat und OB.

Fritz Rösch (CDU), Klaus Zizmann (FWV) und Patrick Stypa (CDU) verwiesen auf das geänderte Konsumverhalten der Bürger, die verstärkt im Internet und in großflächigen Zentren einkaufen. Das Besondere an Hockenheim müsse herausgearbeitet werden, um die Innenstadt zu beleben.

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