Hockenheim

Hospiz- und Palliativberatung Karin Eisinger referiert über „Letzte Hilfe“ / Abnehmendes Interesse an Nahrung und Umwelt erste Anzeichen des Sterbeprozesses

Leid von Menschen am Lebensausgang lindern

Erste-Hilfe-Kurs, davon hat jeder schon einmal gehört, aber „Letze-Hilfe-Kurs“, das ist dann doch etwas anderes – hat jedoch seine Wichtigkeit in einer Zeit, in der Menschen älter werden, man langsam einen anderen Umgang mit den Themen Sterben und Tod findet.

Zum etwas anderen Kurs in den Räumen des ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienstes Hockenheim in der Oberen Hauptstraße 24 sind 15 Frauen erschienen und ein Mann. Die Gäste, von Mitte 20 bis über 80 Jahre alt, sind mit verschiedenen Voraussetzungen gekommen: Die einen sind aktive Hospizhelfer, andere haben gerade einen geliebten Menschen verloren, wiederum andere zeigten einfach nur Interesse am Thema, „weil das auf uns alle zukommt.“ Alle konnten viel Neues erfahren und durchweg Fragen an die fachkompetente Referentin Karin Eisinger, leitende Koordinatorin bei Levares Palliativ Care in Mannheim, stellen.

Eisinger geht Schritt für Schritt vor, erklärt: „Während es in Erste-Hilfe-Kursen darum geht, jemandem beim Überleben zu helfen, etwa nach einem Unfall, liegt der Fokus von unseren Letzte-Hilfe-Kursen darauf, das Leid von Menschen im Lebensausklang zu lindern. Dabei geht es um Angst, allgemeine Unruhe. Durst oder Schmerzen gilt es zu nehmen, für den Menschen im Sterben da zu sein, zu erkennen, was er auf diesem Weg braucht.“

Richtige Adressen kennen

Eine lange Liste mit Begriffen zeigt Eisinger mittels Beamer an der Leinwand. Einer davon ist Henry Dunant, der nach der Schlacht von Solferino die internationale Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung gründete. „Er hat auf dem Schlachtfeld schon erste und letzte Hilfe geleistet“, spricht Eisinger kurz von den Wurzeln der Hilfe am Nächsten.

Die Rettungskette, die abläuft, wenn jemandem geholfen werden muss, kennt fast jeder, Eisinger zeigt in einem Schaubild, welche Institutionen man einschalten und ansprechen kann, wenn es um das Lebensende geht. Zuerst müsse der Bedarf an palliativer Versorgung erkannt und eingeleitet werden. Der nächste Schritt sei die ambulante, spezialisierte Palliative Care, die letztendlich in der stationären Palliativversorgung mündet.

Immer wieder flechtet Karin Eisinger in den Vortrag kurze Fragerunden ein, erinnert daran, wie wichtig es ist, einem Menschen auch in der Endphase des Lebens Beistand zu gewähren: „Keiner von uns weiß, was wirklich in einem abläuft, wenn es zu Ende geht.“ Erfahrung von Menschen, die ein Nahtoderlebnis hatten, geben ein wenig Einblick: „Viele erzählen, dass sie ihr Leben an sich vorüberziehen sahen mit allem Guten und Schlechten.“

Tod und Sterben sind noch immer in weiten Bereichen ein Tabuthema, eventuell, weil man im Sterben eines anderen die Endlichkeit des eigenen Lebens erkennt, damit setzt man sich gerade in frühen Jahren nicht so gerne auseinander.

In Deutschland sterben rund 860 000 bis 890 000 Menschen im Jahr, teilt die Referentin mit. Im Vortrag geht es auch darum festzustellen, was die Anzeichen des beginnenden Sterbeprozesses sind: „Das Interesse an Essen und Trinken nimmt ab, ebenso wie an den Mitmenschen und der Umwelt, der Mensch ist extrem schwach, oft müde.“ Im nächsten Schritt nimmt die Verwirrtheit zu, der Mensch ist weniger kontaktierbar. „Wie lang diese Phasen sind, ist ganz unterschiedlich und sehr individuell“, schildert Eisinger. Sie weist auf intensive Gespräche mit den Angehörigen sowie auf die Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht hin.

Natürlich bleiben auch die Auswirkungen auf persönlicher, familiärer, gesellschaftlicher und finanzieller Ebene im Kurs nicht ohne Erwähnung. Viele Fragen werden geklärt und am Ende des Kurses werden noch kleine Hilfen geschildert, die man dem Sterbenden geben kann.

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