Hockenheim

Pumpwerk „Satee Koma“ bietet afrikanische Musik in deutscher Fassung / Neunköpfige Formation begeistert mit Trommeln und Gesang

Liebe zum Rhythmus steckt Publikum an

Archivartikel

Gerade in unseren Tagen mit ihrer grassierenden Furcht vor dem Fremden und den reflexhaften Abwehrversuchen gegenüber allem, das von außen kommt, ausländisch wirkt oder auch nur unser heimeliges „Mia san mia“-Gefühl zu stören droht, ist ein Konzert wie das jüngste im Kulturzentrum Pumpwerk eine Wohltat: afrikanische Rhythmen von Menschen, die bis in ihre Haarspitzen „von hier“ sind.

Geschenkt hat diesen interkulturellen Abendausflug die neunköpfige Gruppe „Satee Kooma“, eine Trommelgruppe aus der Rennstadt und ihren Umlandgemeinden. Getroffen haben sich die neun Spielerinnen und Spieler vor fast genau zehn Jahren – aus der Liebe am Rhythmus und dem Interesse an der afrikanischen Kultur.

Fröhliche Stimmung im Garten

Damals, als man noch vor Flüchtlingskrise und Abweisungswahn offen für andere Sitten, Gebräuche und Musik war, haftete derartigen Formationen noch der Ruch der „Hausfrauen auf dem Weg zur Selbstfindung“ an. Dass sie mehr können als das, haben die neun aber schon damals schnell bewiesen, als sie bei ihrem ersten Auftritt beim Altlußheimer Straßenfest 2008 zwar nur einen Titel drauf hatten, den aber zur Freude des Volkes einfach dreimal gespielt haben. Inzwischen haben die Damen und Herren um die Gründerin Anke Zahn schon mehrere Abendfüller hingelegt und damit unter Beweis gestellt, dass man auch nur mit Trommeln und Gesang die Massen begeistern kann.

Entsprechend fröhlich war die Stimmung im Pumpwerk-Garten, wo die jüngste Session von „Satee Kooma“ über die Bühne ging.

Unterschiedliche Mentalität

Natürlich muss der Kritiker anmerken, dass es europäischen, zumal deutschen Gruppen immer an der nötigen körperlich-geistigen Freiheit fehlt, wenn sie afrikanische Musik spielen: Hierzulande hält man sich eben doch gerne an Noten fest und auch das völlig befreite Bewegen ist uns nicht so recht gegeben. Aber auch in ihrer „eingedeutschten Fassung“ sorgte „Satee Kooma“ mit zwanzig Titeln für Begeisterung und teils frenetischen Jubel unter den mehr als hundert Zuhörern.

Wie weit die afrikanische von der einheimischen Musik entfernt ist, zeigen schon die Inhalte: Da wird eine Motte besungen („Jaboro San“) oder der Schritt des Elefanten nachgeahmt („Elefant Walk“). „Afrikanische Texte sind keine poetischen Texte“, brachte es Iris Fessler, die kurz in die einzelnen Stücke einführte, auf den Punkt. Und doch: „Glücklich zu sein ist besser, als König zu sein“ klingt doch sehr viel poetischer, als es „Balakulandyan“ vermuten ließe.

Einen herrlichen Sommerabend lang trommelten die Damen und Herren auf ihre Djemben, Dununs und Balaphone ein, gab Iris Schlampp die eine oder andere Gesangseinlage und zum wohl skurrilsten Stück „Sunu“, einem Klagelied über das Dilemma des Lebens (Fessler: „Sie verlässt ihn, er verlässt sie, es ist kein Geld da – die afrikanische Version des Blues“), zusammen mit Michael Dietrich an der Gitarre und selbst mit Bambusflöte bewaffnet, ein wundervolles Beispiel dafür, wie sich die Musiken der Welt gegenseitig beeinflussen können.

Am Ende hat das Publikum – hingerissen von einer außergewöhnlichen Truppe – genau das gemacht, was Iris Fessler verlangt hatte: „Seid hemmungslos!“

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