Hockenheim

Evangelische Kirchengemeinde Präsenz-Gottesdienst am Sonntag widmet sich dem Soundtrack der Menschen / Zusätzliche Übertragung im Internet geplant

Lieder, die dem Leben ihren Takt verleihen

Archivartikel

„Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist“. Zugegeben, man muss diesen Gedanken des vor 135 Jahren verstorbenen französischen Schriftstellers und Politikers Victor Hugo nicht in der ganzen Tiefe seiner Aussage verstehen, er macht aber deutlich, welche individuelle Wirkung die Musik auf den Menschen haben kann. Musik kann Zugang zu Emotionen verschaffen. Dies ist umso mehr möglich, wenn es sich nicht um die Musik grundsätzlich, sondern um eine spezielle Melodie, ein ganz bestimmtes Lied handelt, das für einen Menschen so etwas wie eine Wegmarke in seinem Leben werden kann.

Ein Lied kann also einen Menschen im Leben begleiten, ebenso wie es die Religion und der christliche Glaube vermögen. Aus diesem grundsätzlichen Gedanken kam schon vor längerer Zeit bei den Pfarrern Johannes Heck und Michael Dahlinger der Gedanke auf, beides miteinander zu verbinden, ein individuelles Lied mit einer persönlichen Erinnerung und Beziehung zu diesem Lied auch einmal offen darzulegen. „Musik in der Kirche ist viel mehr als unsere bekannte und geschätzte Kirchenmusik, Musik gehört zu den Menschen und begleitet die Menschen“, ist Pfarrer Heck überzeugt. Dadurch reifte in ihm der Gedanke, bei einem etwas anderen Gottesdienstes einige Menschen und „ihr“ Lied vorzustellen.

„Viele bekannte Hits, auch aus der Pop- und Rockmusik, haben oft tief reichende musikalische Wurzeln, auf die wollen wir ein bisschen eingehen“, ergänzt Johannes Heck. Längst ist man mitten in den Vorbereitungen für einen Gottesdienst am Sonntag, 26. Juli, der unter dem Titel „Der Soundtrack Deines Lebens“ stehen wird.

„Wenn manche Leute sagen, ,das ist halt mein Lieblingslied‘ dann verbinden sie damit viele Erinnerungen, Gefühle, Erlebnisse, spontane Freude, erhoffte Erleichterung, vielleicht auch einen Schmerz, zu dessen Überwindung ein bestimmtes Lied geholfen hat“, fasst Pfarrer Michael Dahlinger zusammen. In diesem Sinne wird man am Sonntag in der Kirche den „Soundtrack Deines Lebens“ präsentieren.

Einspielung per Videoclip

Die Pfarrer haben die Gemeindeglieder gebeten, sich einmal Gedanken zu machen, ob es für sie ein ganz spezielles Lied gibt, das sie stets bewegt und zu dem sie eine ganz persönliche Beziehung haben. „Wir waren überrascht und erfreut über die Resonanz“, informieren die beiden Pfarrer und haben zehn Lieder ausgewählt, die zu einem festen Bestandteil des Gottesdienstes werden.

Gemeindeglieder zwischen knapp 20 und gut 70 werden dabei sein, teilweise ihr ganz persönliches Lied auch selbst vorstellen. Man wird die Beziehung des Einzelnen zu diesem Lied erfahren und natürlich das Lied dann auch hören beziehungsweise „erleben“, sei es als moderner Videoclip oder von knisternder Schellack-Platte. „Die Individualität und die Einzigartigkeit und Vielfalt werden das Faszinierende daran sein“, ist Pfarrer Heck schon jetzt überzeugt. „Natürlich gehört es dann auch dazu, dass wir über das Lied, vielleicht den Hintergrund und die Entstehung, bestmöglich informieren und es auch theologisch einordnen“, ergänzt Pfarrer Dahlinger.

Spannende und besinnliche Gesprächsrunden sind zu erwarten, wenn die beiden Pfarrer als Moderatoren mit den Damen und Herren sprechen, deren persönliches Lied vorgestellt wird. „Wir sind sicher, dass wir zeigen können, dass die Musik ein Schlüssel zu Emotionen und letztendlich zur eigenen Persönlichkeit sein kann“, blickt Johannes Heck erwartungsvoll auf den Gottesdienst am Sonntag.

Planungen lange vor Corona

Die Planungen für diesen besonderen Gottesdienst begannen bereits lange vor der Corona-Zeit. Man wollte aber die Realisierung nicht weiter verschieben, und so wurde aus der ursprünglichen Idee eines Präsenzgottesdienstes ein „hybrides Format“ entwickelt, was bedeutet, dass man sowohl vor Ort in der Kirche – Karten sind kein mehr erhältlich – als auch zu Hause per Stream im Internet live dabei sein kann.

Vielleicht entdeckt manche Zuhörerin und mancher Zuhörer nach dem Gottesdienst den Soundtrack seines eigenen Lebens, die Lieder, die Musik, die sie oder ihn Jahre und Jahrzehnte lang immer wieder „verfolgte“. Vielleicht mag man dann auch der Überlegung von Hildegard von Bingen zustimmen; als sie meinte: „In der Musik hat Gott den Menschen die Erinnerung an das verlorene Paradies hinterlassen.“

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