Hockenheim

Das "Böhse Onkelz"-Festival am Ring

"Matapaloz" - ein Festival streckt seine Glieder

Hockenheim.Stunde null auf dem Hockenheimring. Nachdem am Donnerstag und Freitag zehntausende Fans an die Rennstrecke in der Großen Kreisstadt gepilgert sind, nimmt das erste große Festival der "Böhsen Onkelz" am ersten Tag unverkennbar seinen Lauf und streckt seine Glieder. Die Bühne, die mit gigantischen Konstruktionsteilen aus Metall und Holz ausstaffiert ist, wirkt martialisch und genauso endzeitlich, wie es die Rocker aus Frankfurt angekündigt haben.

Und auch das Festivalgelände zeigt sich an Tag eins als das versprochene Festivaldorf, das sich die Massen erhofft haben. Entsprechend voll ist es schon zum ersten Act des Tages, der mit deftigem Metallic Hardcore für die ersten Circle Pits und tüchtig Boxenscheppern sorgt. Es sind die Jungs von "Hatebreed", die hier die Szenerie bestimmen. Die Amerikaner um ihren Frontmann Jamey Jasta wurden mit den entsprechenden Worten eingeleitet: "Das ist der Anfang von Matapaloz. Einen Anfang wie diesen wird es nie wieder geben!" Zwar bahnt sich der Klang recht blechern und teilweise auch übersteuert Bahn, doch das Publikum lässt sich dadurch von seiner epischen Feierlaune keineswegs abbringen - zumal später die "Suicidal Tendencies" nicht nur für eine bärenstarke Mischung aus Punk und Thrash Metal sorgen, sondern auch in melodischeren Gefilden unterwegs sind.

Staubwolken als Stimmungsbarometer

Wer sich noch an "Rock 'n' Heim" erinnert, wundert sich kaum über die stellenweise riesigen Staubwolken aus Sand und Erde, die wie ein Stimmungs-Barometer mal an-, mal abschwellen. Dass der Publikums-Blutdruck bei den Songs von "Papa Roach" jedenfalls nicht der niedrigste ist, muss man kaum erklären. Denn wem "Billy Talent" heute zu punkig und "Linkin Park" zu poppig geworden sind, findet in den Volten von "Papa Roach" zielsicher die Heimat, die der Band schon in den 90er Jahren zu ihrem Kult-Status verhalf. Viele haben das nicht vergessen und zelebrieren altes Material, ebenso aber auch die neuen, mutigeren Tendenzen, mit denen sich das Quartett zu Recht wieder Gehör verschafft.

Währenddessen zeigt das Festivaldorf im "El Barrio" auch seine dunkle Seite. Denn hier gibt es nicht nur süße Waffeln direkt aus dem ehemaligen britischen Linienbus oder Pulled Pork aus dem amerikanischen Trailer: das riesige "M" aus Stahl, das als Totem für das "Matapaloz" in der Mitte des "Barrio" steht, findet sich auch in den Ständen wieder, an denen sich erste Mutige bei Tattoo-Künstlern aus aller Welt ihr unsterbliches Andenken auf die Haut stechen lassen, während die Freaks der "Swing Shift Side Show" Nadeln aus Metall durch die Haut bohren.

Mit Spannung wurde auch das Set der Heavy-Spezialisten von "Five Finger Death Punch" erwartet - und das mit bester Berechtigung. Denn wer das Quintett aus Kalifornien jüngst bei "Rock am Ring" sah, wusste, dass diese Musiker sich nicht nur auf Maskerade und imposante Bühnenshows, sondern auch auf dramaturgisch meisterhaft choreographierte Sets verstehen. Und so ist es auch dieses Mal wieder. Wonne trifft Wucht - Feierlaune trifft hitziges Gitarren-Fieber: Bis die "Onkelz" kommen und alle von ihnen bekannten Dimensionen noch einmal verschieben.

"Wir sind die Onkelz"

Wie eine Schmiede, in der Feierlaune und Enthusiasmus verschmelzen, wirkt das Bühnenbild, das nicht nur mit einem imposanten Arsenal aus Scheinwerfern und Video-Walls ausgestattet ist. Es muss den Vergleich mit aufwendigen Shows von "Rammstein“ nicht scheuen. Da sind die über 30 Minuten Verspätung längst verziehen: Wenn Sänger Kevin Russell auf die Bühne stürmt und sein erstes "Wir sind die Onkelz" raushaut, antwortet die Menge wie selbstverständlich mit einem Meer aus Händen, das in den kommenden zwei Stunden keine Ebbe erleben wird. An Tag eins zeigt sich das "Matapaloz" durchaus ekstatisch - und das ist erst der Anfang.

 

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