Hockenheim

Mensch im Blick statt Begrifflichkeit

Adolf Härdle über Erfahrungen mit seinem belasteten Vornamen

Herr Härdle, die Komödie „Der Vorname“, die Neuverfilmung der gleichnamigen französischen Komödie von Alexandre De La Patellière und Matthieu Delaporte aus dem Jahr 2012, sorgt für Aufsehen und viel Gelächter. Haben Sie den Film im Kino gesehen?

Adolf Härdle: Nein, den Film selbst habe ich nicht gesehen, den Trailer zum Film habe ich mir schon angeschaut. Bei den Dialogen der handelnden Personen, immerhin mit Wortwitz und Spielfreude dargeboten, geht es wohl weniger um den Namen Adolf als solchen. Vielmehr zeigen die Reaktionen auf die Namensgebung auf komödiantische Weise eigenes vorurteilbehaftetes Denken und Intoleranz.

Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrem Vornamen gemacht?

Härdle: Wenn ich mich vorstellen muss, sage ich meinen Vornamen nur mit meinem Nachnamen zusammen. Ich bemerke relativ schnell – an der Körpersprache, der Mimik –, eine Wertung, eine Irritation bei meinem Gegenüber. Gerade bei jungen Leuten, mit denen ich viel zu tun habe, ist dies der Fall. Am Anfang sprechen sie meinen Namen nicht aus und in Mails werde ich mit ,Hallo’ begrüßt. Ich grüße dann mit ,Hallo’ zurück oder biete den Kurznamen Adi an, der in der Zeit der evangelischen Jugend entstanden ist. Nach einer gewissen Zeit legt sich das. Ein Kreistagskollege, wir kennen und schätzen uns seit über 30 Jahren, spricht mich auch heute noch mit ,Alfred’ an. Das ist schon befremdlich. Allerdings erfahre ich auch viel Zuspruch von Menschen, die mich kennen, sich so weniger an Begrifflichkeiten stören und den Mensch im Blick haben.

Sie sind nach 1945 geboren. Warum haben Ihren Eltern diesen vorbelasteten Namen gewählt?

Härdle: Ich heiße so, weil mein Großvater Adolf so hieß und zwei Jahre, bevor ich auf die Welt gekommen bin, gestorben ist. Und weil auch der Bruder meiner Mutter so hieß, der mit 19 im Krieg gefallen war. Man muss sich das so vorstellen: Landwirtschaft, mitten in der Aufbauphase nach dem Krieg – da wurde gearbeitet, Namensgebung nicht groß diskutiert. hs

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