Hockenheim

Evangelische Kirchengemeinde Verschiedene Initiativen setzen sich für das Friedensklima in der Stadt ein / Sozialarbeiterin erzählt, wie Grundschüler Konflikte lösen können

Mit fair gehandelten Produkten Gutes tun

Das Bild ist vertraut. Eine Wetterkarte mit Europa im Hintergrund. Doch diesmal sieht die Karte ein wenig anders aus. Die weißen Linien markieren nicht den Luftdruck, sondern sie bilden den Umriss einer Friedenstaube.

Friedensklima – darum geht es im Gottesdienst, den die Evangelische Kirchengemeinde am Volkstrauertag abends gefeiert hat. Dieser Gottesdienst soll, so Pfarrer Michael Dahlinger, das Gedenken auf dem Hockenheimer Friedhof am gleichen Sonntagmorgen ergänzen, in dem der Blick geweitet wird.

Alter Staub wird aufgewirbelt

Denn das Friedensklima ist in Gefahr, wie ein fiktiver Wetterbericht am Anfang deutlich machte: „Der freundliche Mix aus Wolken, Sonne und Regen, der uns lange Zeit begleitet hat, nimmt ein Ende. Transatlantische Tiefausläufer bringen bipolare Luftmassen, es ist mit einer dauerhaften Luftströmung zu rechnen, die alten Staub aufwirbelt und als braune Schicht neu übers Land verteilt.“

Pfarrer Michael Dahlinger war es aber wichtig, jetzt nicht ins allgemeine Jammern fallen und angesichts des Friedensklimawandels über extreme Positionen das Friedensklima noch mehr zu gefährden. Positive Beispiele mussten her. Am besten hier aus Hockenheim: „Think global, act local.“ Und so kamen fünf Initiativen in den Gottesdienst, die sich in Hockenheim für ein Friedensklima einsetzen.

Miteinander unterwegs auf einer Linie sind sie schon eine Weile, jetzt hatten sie ihren ersten gemeinsamen Auftritt in der Stadtkirche. Stefanie Grusie, Sozialarbeiterin an der Hartmann-Baumann-Grundschule machte den Auftakt und stellte vor, wie Grundschüler schon ausgebildet werden, Konflikte friedlich zu lösen. Sylvia Hauth-Engelberth stellte den Weltladen-Arche vor und zeigte, wie fair gehandelte Produkte jetzt schon zu einem Friedensklima beitragen. Auch die noch junge Kampagne „Fairtradetown Hockenheim“, vertreten durch Anna-Natascha Pfisterer, hat sich zum Ziel gesetzt, fair gehandelte Produkte in Hockenheim zu etablieren.

Verschiedene Geschäfte und öffentliche Einrichtungen konnten schon als Partner gewonnen werden und machen Hockenheim zu einer innovativen und weltoffenen Kommune. Das Asylnetzwerk Hockenheim hatte Eva Andreas und Birgit Huelß entsandt. Beide engagieren sich im Cafe Komm. Mit ihrem Beitrag wurde klar, wie das für fünf Jahren gegründete Netzwerk daran arbeitet, dass die rund 500 Geflüchtete in Hockenheim sicher und menschenwürdig leben können, ohne dass die Hockenheimer Bevölkerung dies als Belastung empfindet.

Stefanie Garcia stellte die Ziele der Bürgerinitiative pro Stadtwald C4 vor. Diese jüngste Initiative hat sich den Erhalt und die Wiederaufforstung des Stadtwaldes als Ziel gesetzt und will damit auch die Erweiterung der Autobahnparkplätze verhindern.

An Verantwortung erinnern

Die Jugendbewegung „Fridays for Future“ gibt es auch in Hockenheim. Ronja-Evita Dörflinger und Philipp Kramberg vom Jugendgemeinderat sind dafür verantwortlich. Ihnen ist wichtig, dass „Fridays for Future“ nicht nur für Schüler, sondern auch für Erwachsenen eine Möglichkeit bieten, für ein Friedensklima zu demonstrieren und die Politiker an ihre Verantwortung zu erinnern. Das Engagement für Frieden schon eine uralte, biblische Herzensangelegenheit ist, wurde durch den Schlussimpuls deutlich. Schon der Prophet Jesaia forderte „Schwerter zu Pflugscharen“ und malte das Bild einer Welt, in der alle Menschen unterwegs sind zum Frieden.

Der Gottesdienst wurde durch christliche Friedenslieder aus verschiedenen Epochen gefüllt und am Ende stand die Fürbitte und der Segen für die Hockenheimer Initiativen, die sich für ein lokales Friedensklima mühen. zg

Info: Eine Dokumentation des Gottesdienstes ist demnächst unter www.hockenheim.de abrufbar.

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