Hockenheim

Pumpwerk Claus Boesser-Ferrari holt Vural, Fedrigo und Bögershausen zur rassigen Gitarrennacht

Musik schafft eigene Welten

Wundertüte und Kuriositätenkabinett, Wechselbad und Wellness für die Ohren – wenn „CBF“ zur Internationalen Gitarrennacht lädt, dann gibt es nichts Erwartbares außer dem bloßen Wissen: Das, was der grauhaarige Ausnahmekünstler in seine gute Stube lädt, hat Weltniveau und kommt niemals „von der Stange“.

Am Samstagabend hatte Claus Boesser-Ferrari sein Format im Pumpwerk mit dem Schweizer Attila Vural, Alessandro Fedrigo aus Italien und dem Niedersachsen Ulli Bögershausen gewohnt bunt und in Extremen aufgefüllt – ein rassig-experimentierfreudiger Gitarrist, der als Schüler Boesser-Ferraris trotzdem allenfalls zwischen die Fußstapfen des Meisters tritt, um ganz Eigenes zu schaffen, ein Fretless-Bassist, dessen immer etwas unnahbar wirkende abstrakte Musik die volle Aufmerksamkeit fordert, und der leichtfüßige Virtuose, der alleine wie eine ganze Gruppe klingt und mit transparenten Tongeweben begeistert.

Nach dem Opener, mit dem Claus Boesser-Ferrari gewohnt ungezwungen mit viel Kraft bis zum beherzten Hauch zum Schluss unter Beweis stellte, warum der Laudenbacher zu den ganz Großen seines Genres gehört und sein Tourplan für dieses Jahr mit unter anderem Indien, dem Libanon, Vietnam, Taiwan, China und Marokko nach Weltreise klingt, griff Attila Vural zur Gitarre.

Mit rassigem Anschlag, den er mit kleinen akustischen Sahnehäubchen prononciert und solidem Gesang, der mit einem ungeziert natürlichen Duktus interessiert, fesselt er seine Zuhörer mit einer beeindruckend facettenreichen Musik, die immer auch sehr viel Power atmet.

Große Kunst und kleine Geste

Der Genius, der mit 14 zur Gitarre griff und unter anderem bei CBF studierte, mischt auf eigenständige Weise Stile, Stimmungen, führt weit ins Land. Ob mit seinem musikalischen Denkmal für den Indianer auf dem amerikanischen „Buffalo-Nickel“, einer Fantasie „To a memory“ oder dem fantasievoll-ausdrucksstarken „Snap of fire“ – immer weiß der Mann mit großer Musik und zurückhaltender Geste zu inspirieren.

Mystisch, ungewöhnlich, einzigartig, oft abstrakt ist die Musik des Bassisten Alessandro Fedrigo, dessen Klänge, die mal mit virtuoser Fingerfertigkeit, mal mit dem Bogen mehr erzeugt als gespielt werden. Weshalb sie ihr Zuhause nie im Allgemeinen findet und immer etwas fremd und geheimnisvoll bleibt. „The Lady from Mars“, „De la terra“, „Due Lune“ – Fedrigo, der bereits mehr als 30 CDs veröffentlicht hat, legt seinen Schwerpunkt ganz auf den Klang und dessen Macht.

Der begnadete Fingerstyle-Meister und Held des leichtfüßigen Tons ist Ulli Bögershausen. Mit einem imponierenden Gefühl für die Essenz der Grundlagen-Musik befreit er Cover-Nummern aus ihrem rhythmisch-tonalen Korsett, um ihnen einen ätherischen, grazilen, unglaublich vielschichtigen Facettenreichtum zu verleihen.

Trotz dieser völlig eigenen Neu-Charakterisierung der Vorlagen wirkt Bögershausen verliebt in das Original, das an verschiedenen Stellen durchschimmert, um von ihm dann in ganz andere Richtung gestreichelt zu werden.

So gibt er eine ganz zärtliche Version von Eric Bazilians „One of us“, aber auch eigene Stücke vor einem gebannt lauschenden Publikum, das sowohl seinen Bottleneck-„Frühling, Sommer, Herbst“ als auch die Bögershausen-Variante von Bob Dylans „Make you feel my love“ förmlich aufsog.

Eine entspannt-offene Atmosphäre hatte das Tutti, mit dem die vier Größen das Konzert beendeten: den Stab durchreichend in einem gemeinsamen „Little Wing“ (Jimi Hendrix). Vier völlig verschiedene Musiker, die eines vereint: die Kraft der Musik, mit der sie eigene Welten schaffen.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel