Hockenheim

Besonderer Gottesdienst Der „Soundtrack Deines Lebens“ sorgt für emotionale Geschichten zu bewegenden Liedern / Herzlicher Beifall für einen schönen Sonntag

Musik und Gebet haben viel gemeinsam

Archivartikel

Auch wenn knapp 113 Jahre seit der feierlichen Einweihung der evangelischen Stadtkirche vergangen sind, so ist es doch immer wieder spannend, christliche Premieren erleben zu können. Am Sonntag war es der „Soundtrack Deines Lebens“, der die Corona-bedingt notwendigerweise überschaubare Zahl der Gottesdienstbesucher auf ganz ungewohnte Art und Weise berührte.

„Dieses Lied hat mir immer wieder Mut und Hoffnung gemacht“, „Dieses Lied ist untrennbar mit prägenden Jahren meines Lebens verbunden“, „Dieses Lied hat mir in der Zeit tiefster Trauer ein bisschen Halt und Zuversicht geben können.“ So verschieden waren die Beziehungen der Menschen zu ihrem Lied, das viel mehr als ein Lieblingslied für die Damen und Herren war, die teilweise persönlich darauf eingingen. Zugegebenermaßen ist es nicht ganz einfach, die emotionale Verbindung mit dem Lied, die individuellen Gedanken zu einem Lied, das man dann auch gemeinsam in der Kirche auf sich wirken lassen konnte, leicht nachvollziehbar zu beschreiben.

Erinnerung an die Studienzeit

Die einfühlsamen Gesprächsrunden mit den Pfarrern Johannes Heck und Michael Dahlinger bildeten eine sympathische Vertrauensgrundlage für solche Dialoge. Vor allen Dingen wurde stets die Individualität deutlich gemacht: Etwa warum der Titel „Ironic“ von Alanis Morissette immer wieder beim Hören für Lebensfreude und Glücksmomente sorgen kann. Ähnlich bei „Under the Boardwalk“ von den „Drifters“, einem Lied, das eine Spanne der Studienzeit in der Erinnerung festschreibt und an all die noch nach Jahrzehnten bestehenden engen Verbindungen und Freundschaften immer aufs Neue erinnert.

Für alle Kirchenbesucher bewegend war das Lied „One Love“ von „U2 und M.J. Blidge“, das einen Mann an das gemeinsame Lieblingslied von ihm und seiner Frau erinnert und das ihm dann nach dem frühen Tod seiner Frau ein klein wenig Trost zu geben vermochte. Auch „Hope“ von Michael Patrick Kelly hat einer jungen Frau immer wieder Zuversicht gegeben, auch wenn sie zeitweise nicht auf der Sonnenseite des Lebens gestanden hat, sondern mit vielfachen Problemen und Krankheiten an ihre Belastungsgrenze gekommen war.

Interessant war zu erfahren, dass „Blackbird“ von Paul McCartney im Grunde genommen ein Protestlied war, das allerdings in einem akustisch zurückhaltenden Stil damals interpretiert wurde. Einen tiefen religiösen Bezug hat ein Lied von Leonhard Cohen, das dieser 1984 erstmals veröffentlichte, das er oft umarbeitete und das unzählige Interpretinnen und Interpreten seither in ihr Repertoire aufgenommen haben. Dieses „Hallelujah“ dürfte das Lied sein, von dem es die meisten Coverversionen überhaupt gibt. Im Grunde genommen geht es auf König David und das Spiel mit seiner Harfe zurück, wie es in den Psalmen nachzulesen ist.

Der Song „Nights in white Satin“ von „Moody blues“ aus dem Jahr 1967 erzählt eine Geschichte von Enttäuschung und Liebeskummer, ein zeitloses Thema also, wobei auch dieses Lied eine wechselvolle Geschichte hatte und erst erstaunlich lange nach seinem Erscheinen zu einem Welthit wurde.

Pfarrer Johannes Heck stellte selbst auch „sein Lied“ vor, es heißt „You and I“ und hat ihm viel Mut gemacht, als er vor einer Operation gestanden hat. Er habe das Lied als „Glaubens- und Liebeslied“ gleichzeitig empfunden, das ihm Kraft aus dem Glauben und aus seiner Familie geben konnte. Als positive Songs verspürte man in der Kirche am Sonntag auch Sarah Connors „Ich wünsch Dir“ sowie „Die Toten Hosen“ mit „An Tagen wie diesen“.

Der Funke springt über

„Wir fühlen hier, dass die Musik und das Gebet vieles gemeinsam haben,“ waren sich die Pfarrer Heck und Dahlinger am Ende einig. Beides könne „uns tragen, begeistern und beflügeln“. Und wenn bei diesem Gottesdienst, bei dem die Musik im Mittelpunkt stand, so schnell der Funke überspringen konnte, so könne man daraus ersehen, so die Pfarrer, dass man auch hier den Geist Gottes erleben und erfahren könne.

Herzlicher langanhaltender Beifall – nach Gottesdiensten sonst nicht üblich – machte deutlich, wie emotional die Songs waren, wie dankbar man auch den Menschen war, die ehrlich und offen zu ihren Gefühlen bei den Liedern standen.

Aufgrund der technischen Streaming-Möglichkeiten hatte man neben den Gottesdienstbesuchern auch noch eine Vielzahl von Zuschauern und Zuhörern, die den Soundtrack miterleben wollten und konnten, wofür Jan Krebs, Jan Brand und Rainer Gerathewohl als Technikern abschließend besonders gedankt wurde. Mit technischer Hilfe also „volles Haus“ bei einem außergewöhnlichen Gottesdienst.

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