Hockenheim

Natur Käfer und Wanzen in diesem Jahr stark verbreitet / Grund dafür ist der Klimawandel

Nicht schädlich für Menschen

Archivartikel

In ihrem großen Garten mit einer Vielfalt von Pflanzen entdeckt Ellen Heer an dem Ast einer Gelenkblume, zehn schwarze Käfer, die einem Marienkäfer ähneln. Die Punkte auf dem Rücken des Käfers sind symmetrisch angeordnet. Kurze Zeit später habe sie ihren Sohn über die Entdeckung informiert. Dieser habe im Internet nachgeforscht und herausgefunden, dass der Käfer sich zu einer grünen Wanze, der sogenannten Reißwanze, weiterentwickelt.

In diesem Jahr gibt es deutlich mehr Wanzen als früher. Dies bestätigt auch Biologe Uwe Heidenreich und erklärt, dass dies an dem Klimawandel liege. Wanzen fühlen sich in einem trockenen und warmen Klima deutlich wohler. Auch gibt es einen Unterschied, ob man innerhalb oder außerhalb der Stadt lebe, denn der Temperaturunterschied kann bis zu zehn Grad sein, erklärt er.

Steingärten sind Trend

„Wir sollten mehr Verantwortung übernehmen und nicht alles zubetonieren“, richtet sich Heidenreich mit einem Appell an die Bevölkerung und denkt dabei an seine Enkel. Es würden immer mehr reine Steingärten angelegt, die Kultur gehe dabei vollkommen verloren. Derselben Meinung ist auch die Gartenliebhaberin Ellen Heer. In ihrer Nachbarschaft haben viele ihren Garten mit Steinen oder Kies angelegt, viele denken dabei aber nicht an die Tiere und die Natur. „Gärten mit vielen Pflanzen sorgen indes für ein gutes Klima“, gibt der Biologe zu bedenken.

Das Weibchen kann 40 bis 130 Eier ablegen, dies erfolgt auf der Blattunterseite. Nachdem die Käfer, ungefähr fünf Tage danach, aus den Eiern geschlüpft sind, bewegen und essen sie lange Zeit erst einmal nicht. Sie sind zunächst ganz schwarz, bis sie nach kurzer Zeit weiße Punkte bekommen, sie entwickeln sich zu den sogenannten „schwarzen Marienkäfer“. Nach etwa einer Woche wechseln sie ihre Farbe zu grün und haben sich somit zu einer grünen Reißwanze entwickelt. Die Insekten sitzen schließlich besonders gerne an den Tomatenblättern und knabbern diese an.

Die Reißwanze ist weltweit in den Tropen und Subtropen verbreitet und tritt auch im gesamten Mittelmeerraum auf. Man kann sie als einen Gewinner der Globalisierung bezeichnen, regelmäßig wird sie durch den Transport landwirtschaftlicher Früchte in andere Teile Europas eingeschleppt, zum Beispiel nach Großbritannien.

Dabei kommt ihr der Klimawandel gelegen, durch die zunehmend klimatisch günstigeren Bedingungen in Europa ist sie im Begriff, das Verbreitungsgebiet nach Norden weiter auszudehnen und kommt mittlerweile auch in Ungarn vor. Im Oberrheingraben hat sich die Art in den 2010er Jahren etabliert und ist sehr häufig zu beobachten. „Auch wenn es in diesem Jahr deutlich mehr Wanzen gibt, ist dies keinesfalls schädlich für die Natur oder die Menschen“, sagt der Biologe Uwe Heidenreich zum Abschluss.

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