Hockenheim

Freundeskreis Hockenheim-Commercy Vortrag gemeinsam mit der VHS über das Leben von Napoleon Bonaparte

Noch heute spaltet er die Franzosen

Archivartikel

„Quel Roman que ma vie“ – was für ein Roman, mein Leben ist – unter diesem treffenden Titel stellte Dr. Ludovic Roy den zahlreichen interessierten Zuhörern Napoleon Bonaparte vor. Ursprünglich im Frühjahr geplant, konnte der Vortrag dank Bürgermeister Thomas Jakob-Lichtenberg durch die Verlegung in den kleinen Saal der Stadthalle nun nachgeholt werden. Dr. Coline Baechler begrüßte die Zuhörer zum gemeinsamen Vortrag der VHS und des Freundeskreises Hockenheim-Commercy.

Der Weg vom kleinen schmächtigen Jungen aus Korsika, welcher sich selbst 1804 in Notre Dame zum Kaiser krönte, wurde von Dr. Roy mit fesselnden Worten und Bildern dargestellt. Mit neun Jahren verließ Napoleon Korsika und ging zur Ausbildung nach Frankreich, bereits mit 16 Jahren erhielt er sein Offizierspatent. Unter Ludwig den XVI fanden in dieser Zeitspanne keine Kriege statt und Napoleon nutzte die Zeit immer wieder nach Korsika zurückzukehren und sich in der umfangreichen Bibliothek weiterzubilden. Sein Interesse reichte von militärischen Standardwerken bis zur Politik.

Angst vor Gräueltaten

Durch die französische Revolution, welche er begrüßte, sah er aber auch die Gräueltaten des Pöbels, wie er sich ausdrückte, und die Furcht, dass er auch einmal durch Gräueltaten ums Leben kommen könnte, begleitete ihn ein Leben lang.

Sein Aufstieg begann mit dem Italienfeldzug. Trotz großer Skepsis übertrug ihm das Direktorium, die damalige Regierungsform, heute ungefähr vergleichbar mit dem Nationalrat der Schweiz, das Kommando für den Italienfeldzug. Seine Soldaten, eine heruntergekommene Armee in zerrissener Uniform und ohne Lohn, konnte er mit begeisternden Reden an sich binden. Er drohte aber auch damit, seinen Soldaten zum Plündern aufzufordern, wenn sie nicht ordentlich gekleidet und verpflegt werden. So standen seine Soldaten ohne Murren treu hinter ihrem Kommandanten. Aber auch die militärische Weitsicht Napoleons sorgte immer wieder für Kriegserfolge. Er setzte die Schlagkraft seiner Truppe immer geballt auf ein Ziel an, auf eine Stelle der gegnerischen Truppen, und erkannte immer, wo er ansetzen musste.

Damals zeigte sich auch sein großes Geschick in der Propaganda. Er verfasste großartige Berichte über sich und seine Erfolge und schickte sie nach Frankreich. Die Zeitungen druckten dankbar diese nicht immer der Wahrheit entsprechenden Berichte ab und die Bevölkerung jubelte in der Heimat dem Kriegshelden Napoleon zu.

1778 führte er eine Expeditionsgruppe bestehend aus Soldaten und Wissenschaftler nach Ägypten. Er führte dort ein Steuerwesen ein und lies Münzen drucken. Sein Feldzug führte bis nach Palästina. Nach vielen Schlachten wurde seine Armee durch die Pest dezimiert.

Napoleon verließ seine dezimierten Truppen in Ägypten und erreichte 1799 wieder Korsika. In Frankreich wurde er wie ein Volksheld gefeiert, während die Regierung immer mehr an Ansehen verlor. Die Bevölkerung sehnte sich nach Stabilität. Durch diese Umstände schaffte es Napoleon zum ersten Konsul und erlange damit die Macht in Frankreich.

Immer wieder verstand es Napoleon, sich ins rechte Licht zu setzen, obwohl nicht alles der Wahrheit entsprach. In Wirklichkeit überquerte Napoleon im zweiten Koalitionskrieg auf einem Maulesel die Alpen und nicht wie auf dem weltbekannte Gemälde, das ihn auf einem sich aufbäumenden Schimmel zeigte. Er reckte den Arm siegreich nach oben, er wollte sich nicht als kriegerischer Herrscher wie Julius Caesar oder Alexander der Große mit Schwert in der Hand zeigen.

Gekrönt in Notre Dame

1804 krönte er sich in Notre Dame selbst zum Kaiser. Er sah sich als Kaiser aller Franzosen an. Eine späte Ironie der Geschichte, denn ursprünglich wollte er Korsika in die Unabhängigkeit führen. Der Niedergang erfolgte mit dem verlustreichen Russlandfeldzug und der Schlacht bei Waterloo. Auf der britischen Insel St. Helena im Südatlantik starb er 1821. Erst 1840 wurde sein Leichnam wie in einem großen Triumphzug im Pariser Invalidendom beigesetzt.

Spannend bleibt die Frage, so Dr. Roy, wie die Franzosen im kommenden Jahr seinen 200. Todestag begehen. Viele Franzosen hätte ein gespaltenes Verhältnis zu Napoleon Bonaparte. Jedoch sei Präsident Macron fest in der französischen Geschichte verwurzelt und bewandert. Das Thema Napoleon wird einem bestimmt auch im kommenden Jahr wieder begegnen. mst

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