Hockenheim

Asylnetzwerk Wandel im Fokus der Arbeit erfordert neue Unterstützungsstruktur / Ehrenamtliche und Integrationsmanager müssen bei Begleitung zusammenwirken

Nötig sind jetzt Betreuer bei der Integration

Archivartikel

Im November 2015 sind die ersten Flüchtlinge vom Rhein-Neckar-Kreis in der Gemeinschaftsunterkunft aus Wohncontainern im Pfälzer Ring untergebracht worden. Sechs Monate vor ihrer Ankunft hat sich das Asylnetzwerk Hockenheim formiert, um die Menschen von Anfang an zu betreuen und zu begleiten. Dass die Container längst wieder verschwunden sind, ist ein Zeichen dafür, dass sich die Arbeit der Ehrenamtlichen verändert hat und weiter verändern wird. „Aus Willkommensarbeit wird Integrationsarbeit“, formuliert es Konrad Sommer vom Asylnetzwerk.

So wichtig es gewesen sei, den Menschen aus Syrien, Afghanistan, Iran, Irak, Pakistan, Eritrea, Gambia und anderen Ländern die Begegnung mit einem völlig neuen Umfeld durch Freizeitangebote und spielerische Annäherung an die deutsche Sprache zu erleichtern, so klar sei es nunmehr, wo rund 250 von ihnen bereits in der Anschlussunterbringung auf längere Zeit in der Rennstadt leben, dass sich der Schwerpunkt der Angebote ändern muss, sagt Sommer.

Aufgaben werden komplexer

Die Themen Wohnung, Arbeit, Kindertagesstätte und Schule, Berufsausbildung, Asylverfahren und sonstiger Umgang mit Behörden stünden im Vordergrund. Über allem und als Klammer um diese Aspekte sieht er das Thema Sprachentwicklung. „Dafür werden ehrenamtliche Integrationsbetreuer oder Paten immer wichtiger“, erklärt Sommer. Gleichzeitig sei die Komplexität der Betreuungsaufgabe gestiegen. „Auch deshalb ist es wichtig, eine Unterstützungsstruktur aufzubauen, die die Betreuer oder Paten zu ihrer eigenen Entlastung nutzen können“, ist Sommer überzeugt.

Know-how reichlich vorhanden

Er ist von Anfang an im Café Komm tätig, das im Lutherhaus die Begegnung von Flüchtlingen und Ehrenamtlichen ermöglicht und Gelegenheit bietet, über aktuelle Anliegen und Sorgen der Flüchtlinge zu sprechen. Nicht jeder Pate oder Begleiter könne in allen genannten Disziplinen Expertenwissen aufbauen, zumal die Gesetze äußerst komplex seien. Extrem wichtig werde daher die Kommunikation mit Integrationsmanagern und -beauftragten. Gleichwohl sieht Sommer auch im ehrenamtlichen Bereich ein profundes Know-how, was Bildung und Arbeitsbeschaffung und die Begleitung Geflüchteter im Asylverfahren angeht.

Die Tatsache, dass sich an der Organisation des Asylnetzwerks einiges ändern soll, heißt nicht, dass die bisherige Arbeit nicht erfolgreich gewesen sei. Sommer schätzt, dass etwa 40 Prozent der insgesamt in Hockenheim lebenden Menschen in Anschlussunterbringung in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen sind, das sei deutlich mehr als der Bundesdurchschnitt. Das Thema Sprachkurse habe sich ebenfalls gut eingespielt, die Infrastruktur für die 900-stündigen Integrationskurse sei vorhanden.

Sprachbildung auf eigene Kosten

Schwieriger sieht er die sprachliche Weiterentwicklung von Geflüchteten ohne Status, da sie von den Behörden nicht finanziell unterstützt wird. „Doch wir versuchen weiter, auch dafür lokal Strukturen aufzubauen, so bietet das DRK wöchentlich zwei Kurse an“, sagt Sommer. Außerdem gebe es junge Leute, die arbeiten und bereit seien, für ihre sprachliche Weiterentwicklung selbst zu zahlen, um sich dadurch bessere Jobs zu erschließen. Ehrenamtliche Sprachförderung stoße didaktisch schnell an ihre Grenzen, vor allem, wenn es um Kenntnislevels gehe, die für eine Ausbildung wichtig seien.

Mit den Integrationsmanagern des DRK teilt Konrad Sommer die Zuversicht, dass bei der Suche nach Wohnraum für Geflüchtete noch ein großes Potenzial erschlossen werden kann – gerade in Altbauten, die nur mit großem Aufwand für den Mietmarkt aufbereitet werden könnten. Wenn ein Haus wieder mit Leben gefüllt wird, könne das mitunter auch Vereinsamung von bislang allein dort Wohnenden entgegenwirken.

Zur neuen Struktur des Asylnetzwerks, das bislang aus fünf Arbeitskreisen bestand, ist am Donnerstag, 20. September, eine öffentliche Veranstaltung vorgesehen. Heute Abend ist eine Zusammenkunft von Paten anberaumt, die direkt mit Familien arbeiten. Für Konrad Sommer steht fest, dass es viele ehrenamtliche Integrationsbetreuer braucht, um die erfolgreiche Arbeit des Netzwerks fortsetzen zu können.

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