Hockenheim

Optimismus ist angesagt

Archivartikel

Wozu wir leben? Wer sich diese Frage niemals vorgelegt und niemals den Versuch gemacht hat, ernsthaft darüber nachzudenken: der verdient eigentlich gar nicht zu leben.“ Nein, das ist nicht die Losung unserer Zeitung für das neue Jahr, sondern der Eingangssatz des 1900 erschienen Buches „Lebenskunst und Lebensfragen – Ein Buch fürs Volk“. Grundsätzliche Fragen gab es schon immer und wird es auch in Zukunft geben: Was werden uns die zwanziger Jahre bringen? Und was wird es für Hockenheim bringen? „Zukunft“ ist immer, nicht nur in Gedenk- und Jubiläumsjahren, schließlich ist jedes Jahr auch ein Jahr des Denkens und fordert von uns allen Mitdenken. Wäre nicht schlecht, wenn Hockenheim wieder, wie das Heimatbuch von Ernst Brauch im Jahre 1965 beschrieb: „Stadt im Auf- und Umbruch“ wäre. Der Wechsel an der Spitze der Stadt zeigt positive Signale, diese werden sich entsprechend ausbreiten, die Bereitschaft zum Mitmachen ist ja spürbar. Dabei geht es um Optimierungen auf allen Ebenen des städtischen Lebens. Dazu gehört eine positive Grundeinstellung mit realistischen Gedanken. Was beispielsweise die geschäftliche Ebene in einer kleinen Stadt anbetrifft, so braucht man Ideen, klare Vorstellungen und auch ein wenig Mut. Heuer jährt es sich beispielsweise zum 50. Male, dass es in Hockenheim eine Buchhandlung gibt. Nachdem der renommierte Theaterverlag von Johann Hocker in der Rathausstraße nicht mehr zukunftsträchtig war, entschloss sich Hockers Tochter Magda, Neuland zu betreten und einen Buchhandel zu eröffnen. Und dies, obwohl sogar der Hausarzt dringend abgeraten hatte. Und zwar mit der Begründung, er käme bei Hausbesuchen zu den Leuten und stelle fest, dass diese kaum Bücher zuhause hätten. Magda Fuchs-Hocker eröffnete den Buchhandel trotzdem, übergab ihn nach Jahrzehnten ihrer langjährigen Mitarbeiterin Michaela Dörfler und seit fünf Jahren führt Geneviève Gansler die Buchhandlung, die längst aus der Stadt nicht wegzudenken ist. Das Beständigste ist und bleibt bekanntlich stets der Wandel, das trifft auch auf eine Stadt wie Hockenheim zu. Das mag mitunter auch eine bittere Erkenntnis sein. Was war man als Hockenheimer früher stolz, aus der „Rennstadt“ zu kommen. Jetzt müssen wir uns eher vor Vorwürfen schützen: zu viel Auto gefahren, gar mit dem Flugzeug geflogen, Rumpsteak von rülpsenden Rindern gegessen, die Liste ist lang, was machen wir noch richtig? Um Gottes willen nichts gegen die bunten im Kreis fahrenden Autos, aber die Überlegung kommt auf: einerseits Autorennen und andererseits wird Handwerkern die Einfahrt in Städte verwehrt, weil sie einen werkzeugbeladenen älteren Diesel als Geschäftswagen haben. Die lebendige Vereinswelt Hockenheims und das öffentliche Leben in verschiedener Form geben uns viele Möglichkeiten. Optimismus ist an der Schwelle des neuen Jahres angesagt. Der Optimist irrt sich zwar genauso wie der Pessimist, aber er hat halt viel mehr Spaß dabei . . . Freuen wir uns jetzt einfach auf die zwanziger Jahre.

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