Hockenheim

1250 Jahre Hockenheim Franz Anton Bankuti spricht auf Einladung von Volkshochschule und Verein für Heimatgeschichte über Tabakanbau in seinen vielen Facetten

Pflanze sorgt für Einkommen und harte Arbeit

Archivartikel

„Tabakbau ist ein Teil der Geschichte Hockenheims, und die Verarbeitung war für unsere Region von großer Bedeutung“, hielt Franz Anton Bankuti (Bild) zu Beginn seines Vortrags mit dem Titel „Tabakanbau – Tabakverarbeitung – Zigarrenherstellung“ fest, warum er sich so intensiv mit diesem Thema beschäftigt. Eingeladen von Volkshochschule und Verein für Heimatgeschichte zur Vorbereitung des 1250. Jubiläums im Jahr 2019, präsentierte er nicht nur die Bedeutung des Tabaks als Wirtschaftsfaktor, sondern führte humorvoll, lebendig, aufgelockert durch Zitate und Anekdoten, auch in die 500-jährige Kulturgeschichte des Tabaks ein.

Nachdem Bürgermeister Thomas Jakob-Lichtenberg die zahlreichen Geschichtsinteressierten, Stadträte, Vertreter der Volkshochschule und des Vereins für Heimatgeschichte begrüßt hatte, stellte er Franz A. Bankuti als einen Referenten vor, der ein Leben lang geschrieben und Bücher veröffentlicht hat und der vielen bekannt ist durch seine langjährige journalistische Tätigkeit.

Für Bankuti sei „Langeweile das schlimmste Übel, für das es keine Entschuldigung gibt“, wie der Bürgermeister ihn zitierte, umso erfreulicher sei es für die Stadt Hockenheim, dass er weiterhin bei verschiedenen Veranstaltungen aktiv mitwirke wie jetzt, an diesem Dienstagabend, wo er in die Welt des Tabakanbaus der Region entführe.

Wenige Unterlagen erhalten

Viel Neues könne er nicht präsentieren, bedauerte der Referent, dafür gebe es trotz intensiver Recherchen zu wenig Unterlagen, doch gelang es ihm vortrefflich, einen umfassenden Überblick über die Geschichte in Sachen Tabak zu geben. Dabei ging er auf skurrile Rauchverbote ein, auf die Zigarrenindustrie und ihre Auswirkung auf das soziale Umfeld, auf Rauchgewohnheiten im Krieg, auf Kinderarbeit und auf die Bedeutung der Frauen in der Tabakindustrie, deren Leben von harter Arbeit geprägt war.

Nicht „Kinder, Küche, Kirche“ bestimmten ihren Alltag, sondern „Familie, Fabrik, Feldarbeit“. Beeindruckend fand Bankuti den Bericht eines damaligen Inspektors, aus dem ersichtlich wurde, dass spätestens im Alter von 40 Jahren die Beschäftigung einer Frau in der Zigarrenfabrik abgeschlossen war: „Die Gelenkigkeit der Finger in diesem Alter hat schon so abgenommen, dass der Verdienst kein lohnender mehr ist.“

Die Anekdote, in der eine vornehme Dame den französischen Staatsmann Talleyrand aufgefordert haben soll, gegen den lasterhaften Tabakgenuss vorzugehen, enthält einen Grundgedanken, der sich wie ein roter Faden durch die gesamte Geschichte des Tabaks zieht. Talleyrand soll geantwortet haben: „Sie haben recht Madame (...), ich werde mich entschieden dagegen einsetzen, sobald Sie mir zwei Tugenden nennen, die der Staatskasse jährlich einhundertzwanzig Millionen Francs einbringen.“

Einst sogar als Medizin gelobt

Dass Rauchen zu gesundheitlichen Schäden führt, das weiß heute jedes Kind. Doch in seiner 500-jährigen Geschichte erfuhr der Tabakkonsum auch Befürwortung – einerseits als Einnahmequelle, andererseits als Genussmittel, wie die Zuhörer aus den Erläuterungen des Referenten entnehmen konnten. In einer Enzyklopädie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sei nachzulesen, dass „das Rauchen den Menschen ruhiger und zufriedener macht“.

Bevor der Tabak Teil des Alltagslebens der Menschen geworden war, wurde er nach Europa als Heilpflanze eingeführt und zwar von Jean Nicot, einem französischen Gesandten in Portugal. Nach ihm wurde der wichtigste Inhaltsstoff, Nikotin, benannt. Auch in Deutschland wurden im 16. Jahrhundert die Tabakblätter zu medizinischen Zwecken verwendet.

Im badischen Raum wird der Anbau von Tabak durch die klimatische Lage und den sandigen Boden begünstigt. Der Hockenheimer Philipp David Schwab veröffentlichte 1852 ein Buch, in dem er darauf hinwies, dass in der Region bereits im 16. Jahrhundert Tabak angebaut wurde. An den Anbau schloss sich die Verarbeitung in Fabriken an, die Zigarrenindustrie erreichte im 20. Jahrhundert ihre Blütezeit.

Romantik bleibt in Erinnerung

Am Ende seines aufschlussreichen Vortrags stellte Bankuti die Frage in den Raum: Wie gut war sie wirklich, die „gute alte Zeit“? Der Tabakanbau und seine Verarbeitung haben Generationen geprägt, die harte Arbeit geleistet haben. Bei den Älteren aber blieb vor allem die gesellige „Romantik“ des Tabakeinfädelns in Erinnerung.

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