Hockenheim

Schöffengericht 34-Jähriger muss sich wegen unerlaubten Handeltreibens und des Besitzes von Betäubungsmitteln verantworten

Reue neigt Justitias Waage zu Bewährung

Archivartikel

Hockenheim/Schwetzingen.Die Beamten der Autobahnpolizei hatten den richtigen Riecher, als sie am Nachmittag des 18. Februar dieses Jahres auf der Raststätte Hockenheimring West ein Auto mit niederländischem Kennzeichen kontrollierten. Ins Visier der Polizisten geriet aber nicht der Fahrer, sondern der Beifahrer, den er von Meckenheim bei Bonn in Richtung Süddeutschland mitgenommen hatte. Dem 34-jährigen Deutschen gehörte eine Reisetasche im Kofferraum, in der die Beamten knapp zwei Kilo Marihuana und etwa 200 Gramm Haschisch fanden. Der gebürtige Ulmer musste sich deshalb am Mittwoch wegen unerlaubten Handeltreibens und des Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Schwetzingen verantworten.

Der 34-Jährige war zunächst in Untersuchungshaft genommen worden. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung in Ulm hatte die Polizei weitere portionierte Drogen gefunden. Er habe selbst ziemlich viel Cannabis konsumiert, „etwa drei bis vier Joints am Abend“, gab der gelernte Vermessungstechniker zu, den sein Arbeitgeber als „zuverlässigen und pflichtbewussten Mitarbeiter“ beschreibt. Er überreichte dem Gericht einen Abstinenzbeleg sowie eine Bestätigung über Beratungsgespräche bei der Drogenhilfe.

In der einmonatigen Haft habe er viel Zeit zum Nachdenken gehabt und erkennen dürfen, „dass es so nicht weitergehen kann“. Der Mann hatte nach der Entlassung noch in Quarantäne gemusst, weil er Kontakt mit einem Corona-Infizierten gehabt hatte. Derzeit schreibe er an seiner Bachelorarbeit, meinte er: „Ich werde das Zeug nie wieder anfassen.“

Tatvorwurf eingeräumt

Verteidigerin Anke Stiefel-Bechdolf räumte den Tatvorwurf für ihren Mandanten ein. Die Rauschmittel in seiner Wohnung habe er aber von einem Kumpel übernommen, der in die USA ausgewandert sei. Das in Köln gekaufte Marihuana habe er vor allem für seine Freunde rangeschafft und einen Teil davon selbst konsumieren wollen. Der 34-Jährige soll für die Ware einige Tausend Euro bezahlt haben. Seine Freunde hätten zusammengelegt. Das Risiko habe er allein getragen: „Ich habe nicht gedacht, dass ich erwischt werde.“ Die Rauschmittel in seiner Wohnung hatte der Angeklagte nach verschiedenen Sorten getrennt aufbewahrt und dabei fein säuberlich die Geschmacksrichtungen notiert. Die Palette reichte von „Blue Cheese“ und „Lemon Haze“ bis zu „Skunk“ und „Ice Cool“ mit den Wirkungen „glücklich“, „euphorisch“, „fruchtig“, „heißhungrig“ oder „aphrodisierend“.

Er habe keine Ahnung gehabt, was sein Mitfahrer im Kofferraum transportiert habe, sagte der 53-jährige Zeuge aus Amsterdam aus. Eigentlich hätte noch eine weitere Person von der Mitfahrzentrale kommen sollen, die habe aber abgesagt. Auf der Raststätte habe man gemeinsam Kaffee getrunken und sich über verschiedene Dinge unterhalten. Der Angeklagte entschuldigte sich bei dem Zeugen für die Unannehmlichkeiten. Der 34-Jährige sei extrem nervös gewesen und habe gezittert, berichtete ein Polizeibeamter von der Kontrolle, für die es eigentlich keinen besonderen Grund gegeben habe. Der Mann sei überaus freundlich gewesen und habe gleich gesagt, dass der Fahrer nichts mit der Sache zu tun habe.

Ein 60-jähriger Kripobeamter aus Ulm erläuterte dem Gericht die Vorgehensweise bei der Wohnungsdurchsuchung. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft war geneigt, dem Angeklagten zu glauben, hatte aber allerdings auch „einige Rechtszweifel“. Es gebe zum Beispiel keine „Kundenliste“ für das Rauschgift. Für den Angeklagten spreche auch das frühe Teilgeständnis und eine „gewisse Reue“. Eine Gesamtstrafe von zwei Jahren könne zur Bewährung ausgesetzt werden, eine Geldauflage von 9000 Euro müsse aber sein.

Verteidigerin Anke Stiefel-Bechdolf sprach von einer „Besonderheit in der Person“ ihres Mandanten. Das Gericht habe einen „interessierten Konsumenten“ vor sich, keinen abgezockten Dealer. Der 34-Jährige habe aus dem Fall gelernt, eine hohe Geldauflage käme ihn teuer zu stehen.

Das Schöffengericht verhängte eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Außerdem muss der Angeklagte 6000 Euro an den Tierschutzverein Schwetzingen bezahlen und regelmäßige Drogenscreenings nachweisen. „Wir haben uns entschlossen, Ihnen zu glauben, auch wenn wir nicht wissen, wie es so weit kommen konnte“, sagte Richterin Sarah Neuschl. Der 34-Jährige habe ein stabiles soziales Umfeld, warnte ihn die Vorsitzende: „Wir möchten Sie hier nie mehr sehen.“

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