Hockenheim

Im Gespräch: Die Regierungspräsidentin und die Brücke

Rheinquerung als Problem für Menschen und Politiker

Archivartikel

Speyer/Hockenheim.Es ist der Karlsruher Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder anzumerken, dass sie erkannt hat, dass die über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren wegen Sanierung gesperrte Salierbrücke zwischen Hockenheim und Speyer zu einem Problem geworden ist. Das war nicht immer so: Denn obwohl schon wochenlang feststand, dass der Zeitplan wegen Schadstofffunden im Belag, fehlerhafter Pläne und mangelhafter Arbeitskräfteplanung nicht einzuhalten sein wird, schwieg man in Karlsruhe eisern. Und es geht das Gerücht, die Speyerer Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler habe einen kleinen Trick anwenden müssen, um Felder überhaupt zu öfentlichen Aussagen zu bringen. Felder hatte nämlich gedacht, dass sie intern den Bürgermeistern und Landräten Auskunft geben müsse, als Seiler bereits eine öffentliche Bürgerversammlung in der Stadthalle angekündigt hatte.

Gut so, denn Transparenz ist das Mindeste, was man Menschen in solchen Positionen abverlangen kann. Am Donnerstag fiel die Fahrt nach Speyer leichter, denn diesmal konnte Felder verkünden, dass von der nun um ein Jahr verlängerten Bauzeit, immerhin zwei Monate wieder aufgeholt werden konnten. Im Interview mit dieser Zeitung wollte Felder dennoch nichts wissen von Fehlern oder mangelnder Transparenz. Sie selbst habe erst wenige Tage vor der Bürgerversammlung von den Bauleuten eine wirkliche Aussage dazu erhalten, wie lange die Sanierung nun tatsächlich brauche und man habe die Menschen erst informieren wollen, als der Zeitrahmen feststand.

Den Protesten aus dem Speyerer Handel und der Wut der fast jeden Morgen im Stau auf der Autobahn und der B 9 stehenden Pendler wurde man erst durch einen Zufall der Geschichte Herr. Denn mit dem Ausbrechen der Corona-Pandemie musste ein Großteil des Handels und die gesamte Gastronomie schließen, viele Pendler gingen ins Homeoffice und erst in den letzten Tagen gibt es wieder zäher fließenden Verkehr auf den Straßen, die der Umleitung dienen. Den Bauarbeiten hat die Pandemie eher genützt, die Menschen hatten andere Themen, um sich aufzuregen und Privatbaustellen stockten eher als die öffentlichen, das sorgte für zusätzliche Menpower.

Sicherlich hatte auch die Berichterstattung unserer Zeitung der Bauleitung zusätzlichen Dampf gemacht. Jedem war klar, dass diese Sanierung unter der Beobachtung vieler steht und Transparente, die als Protest an mehreren Wochenenden am Brückengeländer angebracht wurden, haben diese Einsicht womöglich noch gestärkt. Wer jetzt über die Brücke geht, sieht fleißige Handwerker, die bei Wind und Wetter eifrig tätig sind. So, wie das von Beginn an sein sollte.

Bleibt noch das Problem der Kosten. Die 5 Millionen Euro Mehrkosten, die der Schadstofff verursacht hat und die verlängerten Shuttle-Bus-Kosten, auf denen die Gemeinden und der Landkreis wohl sitzenbleiben werden, schmerzen gerade in Zeiten zu erwartender Mindereinnahmen durchaus.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional